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Oberursel „Ein Schock-Erlebnis“

Die überraschende Wiederwahl des Grünen Christof Fink zum Ersten Stadtrat sorgt bei ihm für große Freude - und in der schwarz-roten Koalition für Ratlosigkeit.

Christof Fink
Christof Fink (Grüne) bleibt für weitere sechs Jahre Erster Stadtrat. Foto: Michael Schick

Große Freude und Überraschung bei Christof Fink (Grüne), Frust und Ratlosigkeit bei Thorsten Schorr (CDU) und den Führungskräften der schwarz-roten Koalition – die Wahl zum Ersten Stadtrat hat das politische Oberursel gewaltig durchgeschüttelt.

Der 43 Jahre alte Fink ist am Donnerstagabend von den Stadtverordneten mit 23 zu 21 Stimmen in seinem Amt als Erster Stadtrat bestätigt worden – und das, obwohl seine Abwahl schon beschlossene Sache war. Das Mehrheitsbündnis hatte sich in ihrem Koalitionsvertrag bereits auf Schorr als Nachfolger geeinigt.

„Sehr enttäuscht“ sei er, gab der zweite hauptamtliche Stadtrat denn auch gestern im Gespräch mit der FR unumwunden zu. Zwar verfügt die Koalition im Parlament nur über eine hauchdünne Mehrheit von einer Stimme, doch dass dies nicht reichen würde, sei überhaupt nicht absehbar gewesen, so Thorsten Schorr. Ebenso ratlos gaben sich die Koalitionspartner von der SPD. „Das war völlig unerwartet“, sagte Fraktionschef Eggert Winter. Parteichef Matthias Fuchs sprach gar von einem „Schock-Erlebnis“.

Noch völlig offen ist, welche Folgen die gescheiterte Wahl für das Bündnis hat. Sowohl CDU und SPD wollen darüber nun erst einmal intern beraten. Er glaube aber nicht, dass die Koalition gefährdet sei, sagte Eggert Winter. Ohnehin sei seine Partei durch das Wahldebakel noch stärker „gekniffen“ als die CDU.

Denn laut Koalitionsvertrag hätte den Sozialdemokraten bei einem Aufrücken von Thorsten Schorr zum Ersten Stadtrat der zweite hauptamtliche Stadtratsposten zugestanden, den Schorr nun weiterhin besetzt. Der SPD-Vorstand hatte sogar mit der stellvertretenden Ortsvereinsvorsitzenden Antje Runge schon eine Kandidatin präsentiert.

Allerdings hatte es parteiintern noch zwei weitere Bewerber gegeben. Deshalb machten schnell Spekulationen die Runde, dass hier eventuell ein Motiv für die Gegenstimmen zu finden sei. Andere munkelten eher über mögliche Querelen in der CDU. Bei den Christdemokraten steht am Mittwoch die Wahl eines neuen Vorsitzenden an. Thorsten Schorr, der das Amt derzeit noch innehat, hatte dem Vorstand signalisiert, dass er für eine weitere Kandidatur nicht mehr zur Verfügung steht. Dass es hier einen Zusammenhang gibt, könne er sich aber nicht vorstellen, betonte er gestern.

Da der Wahlakt zum Ersten Stadtrat geheim erfolgt ist und sich die Abweichler nicht geoutet haben, dürfte es wohl vorerst bei Mutmaßungen über die Gründe bleiben. Zumal bei der offenen Abstimmung über den Haushalt (siehe Bericht auf dieser Seite) wieder alle 23 Koalitionäre geschlossen die Hände hoben.

Für dieses Verhalten hat auch Andreas Bernhardt von der Oberurseler Bürgergemeinschaft (OBG) keine Erklärung – für die ungewöhnliche Geschlossenheit der Opposition von AfD bis Linker zugunsten von Christof Fink hingegen schon. Bernhardt führte dabei vor allem die „Personalpolitik“ der schwarz-roten Koalition an. Gemeint ist damit die Besetzung der Geschäftsführerposten der städtischen Gesellschaften BSO und Sewo in den vergangenen Monaten mit Michael Maag (SPD) und Kerstin Giger (CDU).

Die OBG war es denn auch, die Christof Fink für eine weitere Amtszeit ins Spiel gebracht hatte. Dessen Wiederwahl sei „für Oberursel die beste Lösung“, betont Bernhardt.

Er sei selbst von dem Ergebnis überrascht gewesen, sagte der alte und neue Erste Stadtrat gestern im Gespräch mit der FR. Umso erfreuter sei er nun. Mit dem Votum des Parlaments sieht er „meine Arbeit und meine Person gewürdigt“. Allerdings räumt Fink ein, dass die Arbeit in den vergangenen anderthalb Jahren mit den neuen Mehrheitsverhältnissen seit der Kommunalwahl „nicht immer einfach gewesen“ sei. Nun müsse man sich in der Verwaltungsspitze in Ruhe zusammensetzen, um „einen konstruktiven Weg zu finden“. Fink ist für sechs weitere Jahre gewählt. In dieser Zeit würde er gern weiter die Dezernate Umwelt, Verkehr und Soziales betreuen, wünscht er sich.

Auch Thorsten Schorr hofft, dass bei der Verteilung der Aufgaben alles beim Alten bleibt und er sich auch künftig um Finanzen und Feuerwehr kümmern kann. Für die Verteilung der Dezernate zuständig ist allerdings der Bürgermeister.

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