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Oberursel Die Heide mag es karg

Waldschützer arbeiten seit 1994 an einem Konzept für die Stierstädter Heide. Ehrenamtliche Helfer erhalten unterdessen das Biotop.

Heidelandschaft
Freiwillige Helfer, darunter viele Kinder, sorgen dafür, dass die Stierstädter Heide erhalten bleibt. Foto: Monika Müller

Schaurig schön ist’s, über die Heide zu gehen, wenn im November-Nebel am späten Morgen plötzlich die Sonne durchbricht und die kurz zuvor noch undurchdringlich scheinende milchige Wand sich dampfwabernd nach oben verzieht. Und den Blick auf eine für den Vordertaunus einmalige Landschaft freigibt. Die Stierstädter Heide, ein Puffer zwischen Wohnbebauung und Stadtwald, eine künstlich geschaffene Kulturlandschaft.

Die Heide mag es karg. Nährstoffarmer Boden ist ihre Lebensgrundlage. Voraussetzungen, die ihr schon im Mittelalter geschaffen wurden, als die Menschen Bäume für Bau- und Brennholz fällten und die Humusschicht zum Düngen der Felder und zum Verbrennen abtrugen. Daran erinnert Thomas Knepel gerne. Wie noch vor 250 Jahren die Erika-Gewächse das Landschaftsbild im Vordertaunus bestimmt haben. Eine baumlose Landschaft bis hinauf zu den Ringwällen der Kelten unterhalb des Altkönigs.

Die Stierstädter Heide ist ein Relikt, hat überlebt im Kampf gegen das Überwuchertwerden von Baum und Strauch. Im jüngsten Vierteljahrhundert nur durch des Menschen Einsatz. Knepel ist so einer, der sich darum kümmert. Von Kindesbeinen an war er bei der Waldjugend im Einsatz. Jetzt ist er Vorsitzender der Schutzgemeinschaft Deutscher Wald (SDW), auf der Heide kennt er jeden Baum und jeden Halm. Und kannte tausende mehr, die er als Naturschützer ausgerissen hat. Ein Widerspruch? Nein. Wer die Heide retten will, muss sie befreien von dem, das sie sonst verschlingen würde. Junge Birken, Kiefern, Eichen, Ginster und Brombeergestrüpp.

„Wenn man die Heide sich selbst überlässt, wird daraus in einer Generation eine Waldfläche“, sagt Christoph von Eisenhart Rothe. Auch so einer, der schon mit der Waldjugend im Boden gewühlt hat. Heute ist er Landesgeschäftsführer der SDW. Die erwachsen gewordene Waldjugend von einst geht bei den Pflegeaktionen voran, die neue Jugend hat die Idee von der Rettung der Heide aufgenommen.

Der steigende Nebel gibt auch den Blick frei auf ein Dutzend kleine Jungs und Mädchen in bunten Anoraks, die gebeugt zwischen Heidekraut und jungen Birken-Sämlingen stehen und fleißig zupfen und rupfen und mit der Hacke allem den Garaus machen, was die Heide in ihrer Entwicklung bremsen würde. „Ja, ich wollte immer mit“, sagt Annika Haas. Vier Jahre war sie alt, als sie das erste Mal dabei war. „Die Heide ist mein Kinderzimmer“, so die heute 19-jährige Archäologie-Studentin mit leuchtenden Augen. Mit ihrer Freundin Melanie Kündiger ist sie bei jeder Pflegeaktion dabei.

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