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Oberursel „Die Aufbruchstimmung ist groß“

Der Leiter der IGS Stierstadt, Markus Herget, spricht im FR-Interview über die Pläne der Schule für eine Oberstufe.

Schulleiter IGS Stierstadt
Markus Herget vor dem Altbau der IGS Stierstadt Oberursel. Foto: Renate Hoyer

Zum Schuljahr 2018/19 kann die Integrierte Gesamtschule Stierstadt (IGS) aller Voraussicht nach eine Oberstufe einrichten. Das hat Kultusminister Alexander Lorz (CDU) jüngst mitgeteilt. Der Kreistag des Hochtaunuskreises hatte bereits im November beschlossen, den Schulentwicklungsplan entsprechend zugunsten der IGS zu ändern. 2014 hatte das Ministerium die Oberstufe noch wegen zu geringer Schülerzahlen abgelehnt.

Herr Herget, im zweiten Anlauf hat es geklappt: Die IGS bekommt eine Oberstufe. Wie groß ist die Erleichterung?
Sehr groß. Wir haben jetzt Planungssicherheit. Ich rechne damit, dass der offizielle Erlass aus dem Kultusministerium in den kommenden Wochen eintrifft.

Richtig losgehen soll es dann zum Schuljahr 2018/19. Sind Sie froh darüber, oder hätten Sie gern früher angefangen?
Schade ist es für die Schülerinnen und Schüler der Stufe 10. Wir hätten sie sehr gerne weiter an unserer Schule gesehen. Andererseits haben wir nun etwas mehr Zeit zum Denken und Planen.

Wie wollen Sie die Zeit nutzen?
Die Aufbruchstimmung ist groß. Ich baue auf die Mitarbeit von Schülern, Eltern und natürlich der Lehrer. Es gibt mehr als 20 Kolleginnen und Kollegen, die für das Lehramt an Gymnasien ausgebildet sind, mehrere haben auch schon an einer Oberstufe gearbeitet. Die Eltern glänzen bereits mit vielen Initiativen, und auch die Schülervertretung ist sehr aktiv und will eingebunden werden. Das begrüße ich sehr.

An der IGS soll es künftig eine sogenannte Profiloberstufe geben. Was ist der Unterschied zur herkömmlichen Oberstufe?
Ziel ist es, dass bei uns auch in der Oberstufe fächerübergreifendes Arbeiten in Lehrerteams möglich wird, wie wir das in der Mittelstufe bereits haben. Geschehen soll das über eine bestimmte Kombination von Leistungs- und Grundkursen. So könnte man etwa die Fächer Deutsch, Englisch und Powi (Politik und Wirtschaft) verknüpfen und so eine gemeinsame Fragestellung wie den „Brexit“ behandeln. An den konkreten Kombinationen müssen wir aber noch arbeiten. Denn wir haben bereits Rückmeldungen von Schülern und Eltern bekommen, dass bestimmte Profile gar nicht so gewünscht sind.

Wie wichtig ist die Oberstufe für die IGS?
Sehr wichtig. Bei unseren Tagen der offenen Tür ist das die am häufigsten gestellte Frage. Es gab schon einige Fälle, in denen Eltern gesagt haben, dass sie unser Konzept zwar sehr gut finden, aber ihr Kind trotzdem nicht anmelden werden, weil die Schule keine Oberstufe anbieten kann.

Wie macht sich das bei den Schülerzahlen bemerkbar?
Die haben sich in den vergangenen Jahren zyklisch entwickelt. Nach der Einführung von G8 hatten wir einen riesengroßen Boom. Seitdem fast alle Gymnasien wieder zu G9 zurückgekehrt sind, haben wir jedoch zu kämpfen, dass wir in den Stufen 5 und 6 weiterhin jeweils sechs Klassen halten können.

Wie groß ist Ihr Einzugsbereich?
Die Schüler kommen vor allem aus dem Hochtaunuskreis. Früher kamen auch viele aus Frankfurt-Kalbach. Das hat sich jedoch geändert, nachdem das Schulamt in Frankfurt einen Riegel vorgeschoben hat und die Beförderungskosten nicht mehr übernimmt.

Mit wie vielen Schülern werden Sie in die Oberstufe starten?
Wir brauchen dafür eine Jahrgangsgröße von 80. In den jetzigen zehnten Klassen hätten wir genug Schüler mit einer Gymnasialempfehlung gehabt. Der Jahrgang 9 liegt etwas darunter. Wir haben aber auch schon Nachfragen von außerhalb.

Aus den beiden beruflichen Schulen in Oberursel gab es Kritik und Befürchtungen zu einer weiteren Oberstufe. Wie gehen Sie damit um?
Ich habe mit den Schulleitern der Feldberg- und der Hochtaunusschule schon Gespräche geführt. Trotz aller Differenzen haben wir eine gute Zusammenarbeit vereinbart. Die beruflichen Schulen haben Befürchtungen, dass ihre Schülerzahlen rapide sinken könnten. Ich glaube aber nicht, dass es so kommen wird. Schließlich leben wir in einer absoluten Boomregion mit ständig steigenden Schülerzahlen und einer großen Nachfrage nach einer gymnasialen Bildung.

Haben Sie genug Lehrer und Räume?
Wir schauen uns bereits nach geeignetem Personal um. Ideal wäre natürlich, wenn jemand Oberstufen-Erfahrung mitbringt und auch schon einmal an einer Integrierten Gesamtschule gearbeitet hat. Das Staatliche Schulamt hat uns aber auch schon seine Unterstützung zugesagt. Was die Räume angeht, könnte das zweite Stockwerk in unserem Altbau vorübergehend reaktiviert werden. Dazu sind aber noch Gespräche mit dem Hochtaunuskreis nötig. Für die Zukunft soll der Altbau aber komplett durch ein neues Gebäude ersetzt werden.

Wie geht es jetzt konkret weiter?
Im Spätherbst oder Winter wollen wir ein fertiges Konzept haben, das wir bei den Informationsveranstaltungen für die Grundschule und unserem Tag der offenen Tür präsentieren können. Das Konzept wollen wir in einer Zukunftswerkstatt mit Schülern und Eltern gemeinsam erarbeiten. Dabei müssen dann auch Fragen geklärt werden, welche Auswirkungen die Oberstufe auf die Mittelstufe hat und wie die Teamstruktur im Kollegium weitergeführt werden kann.

Interview: Torsten Weigelt

Lesen Sie mehr zum Thema in unserem Dossier Schulen in Hessen

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