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NSU-Ausschuss Referate zum „Heimatschutz“

Philip T. aus Hofgeismar sagt als Zeuge aus der rechten Szene im NSU-Untersuchungsausschuss aus. Dort macht er keinen Hehl aus seiner rechtsextremen Einstellung und schildert seine "Karriere" in der Naziszene.

18.04.2016 18:38
Martín Steinhagen
Philip T. bestreitet Kontakt mit dem NSU-Trio gehabt zu haben. Foto: dpa

Die Zeugen aus der rechten Szene gaben sich im Untersuchungsausschuss des Hessischen Landtags zum „Nationalsozialistischen Untergrund“ (NSU) bisher stets Mühe, möglichst nicht als Neonazis zu gelten. Philip T. nicht. Als „national-patriotisch“ beschreibt der 34-Jährige am Montag seine politische Einstellung. Der „rechten Bewegung“ ist er seit seiner Jugend treu: Fotos zeigen ihn, wie er zuletzt im März mit Gitarre bei einer Neonazidemo auftritt.

Der Zeuge aus dem nordhessischen Hofgeismar schilderte den Abgeordneten Stationen seiner Karriere in der Naziszene: wie der inzwischen verstorbene verurteilte Rechtsterrorist Manfred Roeder „ein guter Freund“ wurde, dass er dessen Propaganda-„Rundbriefe“ aber bloß weitergeleitet habe, als Roeder in Haft saß. Tatsächlich ist zumindest eine Ausgabe aus jener Zeit, die der FR vorliegt, von T. selbst unterschrieben. T. erzählte auch, wie er 2006 ein Rechtsrockkonzert mit 300 internationalen Gästen in Hessen veranstaltete, wie er Vorträge hielt – zum Nationalsozialismus etwa, also „von wann bis wann der ging“. Auch bei germanischen „Brauchtumsfesten“ sei er gefragt gewesen oder als Referent zu „Heimatschutz“. T. lebte zeitweise in Erfurt, berichtete von europaweiten Kontakten.

An solchen Abenden seien „nationale Lieder, wo halt über die Heimat oder Deutschland gesungen wird“, erklungen, sagte er – aber auch Songs, die mit rassistischen und antisemitischen Parolen Terror und Mord verherrlichen, halten ihm die Abgeordneten vor.

„Brauner Terrorist“

Gesungen habe er derlei als Liedermacher „Reichstrunkenbold“, räumt T. ein, aber nur zur Unterhaltung. Privat sei das nicht seine Meinung. Songs wie „Brauner Terrorist“ oder eine CD, die zu dem Titel „Viel Asche um nichts“ ein Bild eines Krematoriums zeigt, seien ohne sein Wissen bei einem Auftritt im österreichischen Nazitreff „Objekt 21“ aufgenommen worden, behauptete er. In Österreich wurde T. 2014 zu einer Haftstrafe verurteilt, mittlerweile lebt er wieder in Deutschland. Wie die Szene-zeugen vor ihm stritt der selbstbewusst auftretende T. ab, vom NSU vor dessen Selbstenttarnung gehört zu haben – obwohl auch er Leute aus dessen Umfeld kannte: Er glaube, dass das Thema NSU „ausgeschlachtet“ werde, um gegen „nationale Gruppen“ vorzugehen. Sein Song „Der Untergrund stirbt nie“, der vor 2011 erschien, beziehe sich darauf, dass man verbotene Lieder heimlich singen könne. Mit Befragungen weiß T. umzugehen, auch juristische Szeneschulungen waren in seinem Repertoire. Die Abgeordneten brachten ihn nicht in Bedrängnis: An Nachnamen vieler Kameraden konnte er sich etwa angeblich nicht erinnern.

Für den zweiten Zeugen wurden die Fenster vor dem Saal abgeschirmt: Der enttarnte V-Mann des Verfassungsschutzes Nordrhein-Westfalen, Sebastian S., wurde unter Ausschluss der Öffentlichkeit befragt. Ein Teil des Protokolls soll nach Genehmigung des NRW-Innenministeriums veröffentlicht werden. S. hatte Kontakt zu militanten Neonazis, auch aus Kassel. Der Polizei sagte er nach 2011, dass sich in Dortmund vor rund zehn Jahren eine Terrorzelle gebildet und wieder aufgelöst habe.

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