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NPD-Landesparteitag in Altenstadt Militanter Nazi will Landeschef werden

Am Samstag wählt die NPD auf ihrem Parteitag in Altenstadt einen neuen Vorsitzen. Dann will der militante Neonazi Daniel Knebel neuer Landeschef in Hessen werden.

20.03.2012 22:42
Volker Schmidt
Daniel Knebel will die Rechts-extremen in Hessen führen.

Die hessische NPD will am Samstag bei einem Landesparteitag in Altenstadt (Wetteraukreis) einen neuen Vorsitzenden wählen. Jörg Krebs, seit April 2008 Chef des Landesverbandes, tritt nicht mehr an. Der Vorstand empfiehlt seinen Vize Daniel Knebel als Nachfolger. Damit übernimmt ein militanter Neonazi das Ruder der rechtsextremen Partei.

Krebs, der im Frankfurter Stadtparlament sowie im Ortsbeirat des Stadtteils Nieder-Eschbach sitzt, begründet seinen Rückzug damit, sich mehr um die Frankfurter NPD kümmern zu wollen. Der wahre Grund dürfte galoppierende Erfolglosigkeit sein: Laut Verfassungsschutz ist die Zahl der NPD-Mitglieder im Land seit seinem Amtsantritt von 450 auf 300 gesunken – „Tendenz weiter fallend“.

Krebs habe, so das Landesamt für Verfassungsschutz , „keine wesentlichen Erfolge vorzuweisen“. Die Strukturen der NPD und ihr Aktionspotenzial entwickelten sich nach der Ära des auch überregional bekannten Landeschefs Marcel Wöll zurück. Bei den Landtagswahlen 2008 und 2009 erreichte die NPD nur 0,9 Prozent der Stimmen, zu wenig für Wahlkampfkostenerstattung.

Heimlicher Führer der Hessen-NPD

Wöll, der seit einer Verurteilung wegen Leugnen des Holocaust aus der Politik verschwunden ist, kam aus der militanten Kameradschaftsszene. Dagegen versuchte Krebs eher, Anknüpfungspunkte zu rechtsbürgerlichen Kreisen zu finden. Der gelernte Schreiner, Jahrgang 1975, hat aber offenbar die NPD-Anhänger wenig beeindruckt: Daniel Knebel gilt Kennern der Szene schon lange als heimlicher Führer der hessischen NPD.

Als der Landesvorstand Knebel zum neuen Chef nominierte, war das Echo in einschlägigen Internet-Foren positiv. Freie Kameradschaften und Autonome Nationalisten, also die gewaltbereiten Stiefelnazis, hoffen auf mehr Einfluss in der Partei, die sich „nationaldemokratisch“ nennt. Auch bundesweit könne Knebel „einiges reißen“. Das sieht der Verfassungsschutz ähnlich: „Die Integration der Neonaziszene in die NPD (…) könnte Knebel grundsätzlich besser gelingen“, heißt es dort, falls diese denn geplant sei.

Knebel will Bürgermeister in Altenstadt werden

Knebel, 1984 geboren, war schon mit 15 in der rechtsextremen Szene aktiv. Seit einigen Jahren tritt er bundesweit als Redner bei Aufmärschen auf. Der Funktionär der „Heimatpartei“ NPD hat einen dehnbaren Heimatbegriff: Er wohnte bis vor kurzem in Rodenbach im Main-Kinzig-Kreis, war dort im NPD-Kreisvorstand und trat bei Land- und Bundestagswahlen an. Jetzt will er in Altenstadt Bürgermeister werden.

Die Wahl am 1. April ist laut Amtsinhaber Norbert Syguda (SPD) einer der Gründe dafür, dass die Kommune den Parteitag im Dorfgemeinschaftshaus des Stadtteils Waldsiedlung nicht verhindern kann: Knebel würde womöglich die Wahl anfechten mit der Begründung, er sei behindert worden. In Altenstadt sei die NPD „eine kleine Gruppe“, sagt Syguda, „die spielen politisch keine Rolle, das soll auch so bleiben“.

Die 12.000-Einwohner-Gemeinde plant eine Gegenaktion; Details werden noch bekanntgegeben. Auch Antifaschisten aus ganz Hessen mobilisieren bereits zu Protesten gegen die NPD.

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