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Ninja Warrior Deutschland Im Ninja-Fieber

Der Darmstädter David Eilenstein will heute Abend im TV Deutschlands bester Ninja Warrior werden. In einem Verein bietet er anderen an, sich am nachgebauten Parcours zu versuchen

Ninja-Training in Darmstadt
Sieht einfacher aus, als es ist: David Eilenstein schwingt von Bungee zu Bungee. Foto: Rolf Oeser

Versuch mal einen flacheren, kleineren Sprung zu machen und die Power so zu nutzen, damit Du da wie beim Katapult reinspringst“, sagt Trainer David Eilenstein. Schon nimmt der nächste Teilnehmer Anlauf, springt auf das Trampolin, fliegt über eine Turnmatte und knallt in drei Metern Höhe gegen die Sprossenwand, um sich daran festzuklammern. Ninja-Training eben. Seit fünf Wochen bietet die Sportgemeinschaft Arheilgen (SGA) in Darmstadt das Training an. Initiator ist David Eilenstein, der bereits zum zweiten Mal bei der RTL-Fernsehshow „Ninja Warrior Deutschland“ dabei ist. Diesmal hat es der 26-Jährige bis zum Finale geschafft, das am heutigen Freitag ausgestrahlt wird.

Für Eilenstein, der an der Hochschule Darmstadt Optotechnik und Bildverarbeitung studiert, ist es der ideale Ausgleichsport. Neben der körperlichen Fitness und der Muskelkraft, derer es bedarf, um sich etwa an den Bungees entlangzuhangeln, braucht es auch geistige Wachheit. „Man darf die mentale Herausforderung nicht unterschätzen“, sagt der Darmstädter. Im Wettkampf, der in der DM-Arena in Karlsruhe ausgefochten wird, müssen auf Zeit „alle Hindernisse beim ersten Versuch überwunden werden“. Ansonsten drohe schlimmstenfalls der Absturz ins eiskalte Wasser. Auch den hat Eilenstein schon erlebt, als er 2017 im Halbfinale ausschied. Einen Wassergraben gibt es in der Turnhalle der Erich-Kästner-Schule in Kranichstein natürlich nicht. Aber die Stationen orientieren sich an der Fernsehshow und wechseln wöchentlich, wie Co-Trainer Christoph Werkmann erklärt. 

Ursprünglich kommt die Show aus Japan, wo seit 1997 unter dem Namen Sasuke Ninja Warriors gegeneinander antreten. Inzwischen gibt es das TV-Format in zahlreichen Ländern; in Deutschland seit 2016. Dass ein Verein den Sport anbietet, kommt hierzulande selten vor. Eilenstein, in der Ninja-Warrior-Szene fest verwurzelt, ist ein ähnliches Angebot nur aus dem Raum Stuttgart bekannt. Ansonsten treffe sich die „Ninja-Familie“ in speziellen Trainingshallen. 
Das Ziel vieler, die bei der SGA trainieren: Teilnahme an der Fernsehshow. Da wollen auch Jessica Kuhlo und Denis Schumacher hin. „Für die nächste Staffel haben wir uns schon beworben“, sagt Kuhlo. Doch bevor sie sich dafür qualifizieren können, müssen sie sich für die Show qualifizieren. Dafür wird jetzt geübt: Die junge Frau springt gegen eine Säule und klettert hinauf – es sieht schon sehr professionell aus. Was ihr daran gefällt? „Meine Grenzen auszutesten und Dinge zu schaffen, von denen ich glaubte, das schaffe ich nicht!“ Dass sie bislang die einzige Frau in der derzeit achtköpfigen Gruppe ist, stört sie nicht. 

Jan Hamacher ist zum ersten Mal dabei. Schon nach einer halben Stunde ist ihm klar: „Das ist der Hammer. Ich habe mein neues Hobby gefunden.“ Er werde sicher dem Verein beitreten, sagt der 28-Jährige. 

Die SG Arheilgen ist mit 5000 Mitgliedern einer der größten Vereine Darmstadts und verzeichnet laut Geschäftsführer Andreas Faßmann stetig wachsende Mitgliederzahlen. „Wir wollen unser Sportangebot so attraktiv wie möglich halten.“

Dass man hier bereitwillig eine völlig neue Sportart ausprobiert – noch dazu eine, die aus dem Fernsehen stammt –, freut Eilenstein. Von der Idee bis zum ersten Training habe es nur zwei Wochen gedauert. Mit Eilensteins Engagement, der vor zwei Jahren von einem anderen Darmstädter Verein zur SGA wechselte, hat man schon gute Erfahrungen gemacht: Seit zwei Jahren bietet der ausgebildete Kinder- und Jugendtrainer auch Parkour an. Dabei geht es darum, Hindernisse wie Wände oder Mauern zu überwinden. Anders als beim Ninja-Training gebe es bei Parkour, das vor allem im Freien ausgeübt wird, keinen vorgeschriebenen Weg, erklärt Eilenstein. Beim Ninja-Training gebe es nur einen Weg. Und der Wettkampf sei das Ziel.

„Als Eilenstein zu uns kam und Parkour anbot, waren es anfänglich 20 Teilnehmer“, sagt Faßmann. Jetzt seien es über 100, davon 75 Prozent neue Mitglieder. „Turnen ist mittlerweile uncool“, sagt Eilenstein. Mit Parkour kriege man auch die 14- bis 18-Jährigen. Einen ähnlich guten Effekt erhofft man sich beim Verein auch mit dem Ninja-Training. „Wir springen nicht auf jeden Zug auf, sondern schauen, wo es Sinn macht“, sagt Faßmann. Dafür habe man auch die Stelle einer Sportmanagerin geschaffen. „Und bei Ninja-Training und Parkour macht es Sinn.“

Ob David Eilenstein heute Abend den „Final Parcour“ schafft und den „Mount Midoriyama“ bezwingt – ein 20 Meter langes Seil, das man erklettern muss –, wird sich zeigen. Dem Sieger winken 300 000 Euro Preisgeld. Wenn es keiner schafft, wird der Beste zum „Last Man Standing“ gekürt und bekommt 25 000 Euro. Diesen Titel gewann in der ersten Staffel mit dem Pfungstädter Oliver Edelmann übrigens auch jemand aus dem Raum Darmstadt. Auch Edelmann ist im Finale dabei.

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