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Nidda „Die Mühlen haben den Menschen Arbeit gegeben“

Hans-Peter Seum, Bürgermeister von Nidda, spricht im FR-Interview über seine „Stadt am Fluss“, den kleinsten Kurort Hessens und steigende Gästezahlen.

1200 Jahre Nidda
Historischer Stich von Bad Salzhausen, heute Niddas Kurbad. Foto: Stadt Nidda

Nidda wirbt für sich als „Stadt am Fluss“. Auch andere Gemeinden liegen am Fluss. Wieso ist es in Nidda etwas Besonderes?
Die Stadt und der Fluss tragen den gleichen Namen. Die Nidda verbindet unsere Stadt und unserer Region nicht nur sinnbildlich mit dem Rhein-Main-Gebiet. Der Fluss fließt durch die Kernstadt und prägt das Bild unserer Stadt damit ganz erheblich.

Welche wirtschaftliche Bedeutung hat das Wasser für die Stadt?
Wegen des Wassers siedelten sich sehr viele Mühlen in Nidda und den heutigen Stadtteilen an. Die Mühlen haben den Menschen Arbeit gegeben. Wir haben jetzt noch zwei Papierfabriken, die sich aufgrund des Flusses hier angesiedelt haben und große Arbeitgeber in der Region sind. Zum einen die Papierfabrik in Ober-Schmitten, die 2014 vom amerikanischen Unternehmen Glatfelter übernommen wurde, und die Firma Maria Soell in Nidda-Eichelsdorf. Hauptsächlich wird das Wasser für die Blattbildung in der Papiermaschine benötigt. Aber auch für Reinigungszwecke und Kühlung wird sehr viel Wasser gebraucht.

Und was ist von den Mühlen übrig geblieben?
Es gibt noch die Stadtmühle in der Kernstadt. Die wird zwar nicht mehr betrieben, aber sie ist ein historisches Gebäude mit einem Wasserrad, das 2016 mit Hilfe des Rotary-Clubs wieder instandgesetzt wurde. Kinder und Erwachsene gehen gerne zu diesem Ort, um anzuschauen, wie sich das Wasserrad dreht.

Ist die Nidda für die Kommune touristisch von Bedeutung?
Wir haben den Nidda-Stausee. Der liegt zwar auf Schottener Gebiet, ist aber hier ganz in der Nähe, ein touristisches Highlight mit Campingplatz und Rundweg. In unserer Stadt gibt es seit einigen Jahren einen Wassererlebnisweg mit Informationsschildern. Zudem führt der Fluss in Nidda durch eine Auenlandschaft. Wir wollen durch weitere Maßnahmen den Fluss noch stärker ins Rampenlicht setzen.

Auch den Stadtteil Bad Salzhausen sollte man in diesem Zusammenhang nicht vergessen ...
Ja, dort gibt es die Heilquellen. Sie prägen den Ort. Bad Salzhausen ist der kleinste Kurort Hessens und zählt zu den kleinsten Kurorten Deutschlands. Mit fast 200 Jahren ist Bad Salzhausen eines der ältesten deutschen Solebäder. Der Stadtteil ist im Aufschwung. Als das Land Hessen uns den Kurort übertragen hat – das war im Jahr 2003 –, war das für uns eine große Herausforderung. Unter anderem konnten wir das Kurhaushotel an einen geborenen Niddaer verkaufen, der eine Berliner Hotelkette als Pächter gefunden hat. Es wird sehr gut genutzt. Immer mehr Gäste kommen nach Bad Salzhausen. Ein Wahrzeichen des Stadtteils ist außerdem die Justus-von-Liebig-Therme mit dem solehaltigen Wasser.

Das Wasser ist aber nicht nur ein Segen für den Ort, es war auch schon Fluch. Das Hochwasser im Juli 2014 im Stadtteil Wallernhausen hinterließ tiefe Spuren ...
Das hat uns schwer getroffen. Die Bilder damals waren unfassbar. Selbst Autos wurden durch den Ort geschwemmt. Dabei ist der Rambach eigentlich ein Rinnsal. Dem Stadtteil Wallernhausen wurde zum Verhängnis, dass er in einer Mulde liegt. Ringsherum sind Erhebungen. Die konnten das Wasser nicht mehr aufnehmen, so dass es in den Rambach floss. Die Flut kam mit einer solchen Wucht.

Welche Auswirkungen hat das Hochwasser gehabt?
Der Einsatz der Einwohner nach dem Unglück war beispielhaft, genauso wie die Hilfsbereitschaft von Menschen und Vereinen aus umliegenden Städten und Gemeinden. Das Hochwasser hat die Menschen stärker zusammengeschweißt. Sie haben angepackt, geholfen und nicht geschimpft. Dabei gingen sehr viele persönliche Gegenstände verloren. Der Zusammenhalt der Menschen rührt mich noch heute.

Was tun Sie, um ein solches Ereignis in Zukunft zu verhindern?
Derartige Jahrhundertereignisse sind nicht wirklich zu beherrschen. Wir planen aber, mehrere Rückhaltebecken um Wallernhausen anzulegen, um Wasser zurückzuhalten.

Interview: Andreas Groth

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