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Neubaugebiet in Nieder-Roden Diskussionen um geplantes Neubaugebiet

Anwohner des Wohngebiets „Forschheimer See“ in Rodgau fürchten mit Blick auf das geplante Neubaugebiet in Nieder-Roden Durchgangsverkehr in der Tempo-30-Zone.

Handwerker
Ein Handwerker bei der Arbeit (Symbolfoto). Foto: Oliver Berg (dpa)

Ein geplantes Neubaugebiet in Nieder-Roden sorgt für Zündstoff in Rodgau. Die Anwohner des angrenzenden Wohngebiets „Forschheimer See“ fürchten, dass das Areal nicht direkt an die Umgehungsstraße angebunden, sondern der Verkehr durch die Tempo-30-Zone in ihrem Wohngebiet geführt wird. Dominic Schulz, einer der Anwohner, hat deshalb einen offenen Brief an Bürgermeister Jürgen Hoffmann (SPD) verfasst.

„Wir fordern Sie auf, das Verkehrskonzept zu prüfen, den Dialog mit uns zu suchen und eine direkte Anbindung an die Umgehungsstraße vorzusehen“, heißt es in dem Schreiben an das Stadtoberhaupt, das Dominic Schulz auch im Namen seiner Nachbarn verfasst hat.

Aus „nicht nachvollziehbaren Gründen“ sei keine direkte Anbindung des Neubaugebiets N39 an die Rodgau-Ringstraße geplant, monieren die Anwohner. Stattdessen solle der Verkehr über die existierenden Straßen und Nebenstraßen im Wohngebiet „Forschheimer See“ auf die Umgehungsstraße geleitet werden. „Hier gibt es bisher nur Ziel- und Quellverkehr, keinen Durchgangsverkehr“, sagt Scholz gegenüber der FR.

Nach dem Planungsstand vom Juli 2017 sehe der Flächennutzungsplan für N39 eine hochverdichtete Bauweise von 45 bis 60 Wohneinheiten pro Hektar vor. „Das heißt, um die 750 Wohneinheiten und bis zu 2000 Neubürger.“ Und das wiederum bedeute rund 4500 Fahrzeugbewegungen pro Tag in einem bisher ruhigen und wohnenswerten Gebiet. „Das fühlt sich dann an wie auf einer Hauptverkehrsstraße“, so Scholz.

Der 46-jährige Betriebswirt sieht einen „Verlust an Lebensqualität“. Außerdem sinke der Wohnwert, über Jahre ersparte Immobilien seien damit 25 bis 30 Prozent weniger wert.

Auch der mehrjährige Baustellen- und Schwerlastverkehr ist den Anwohnern ein Dorn im Auge. „40-Tonner-Betonmischer fahren in der Bauphase durch unser Wohngebiet. Danach sind die Straßen kaputt“, so Scholz. Die Wiederherstellung sei in den geplanten Erschließungskosten bisher nicht berücksichtigt; am Ende trage der Bürger und Steuerzahler diese Kosten. Ganz abgesehen davon, dass man die Kinder dann auch nicht mehr auf die Straße lassen könne.

Die Grundstückseigentümer von N39 seien im Juni 2017 detailliert über das Vorhaben informiert worden, aber nicht die massiv betroffenen Bürger. „Es hieß, dass für uns eine Info-Veranstaltung im ersten Halbjahr 2018 geplant ist“, sagt Scholz. Stattdessen habe die Stadtverordnetenversammlung am 18. Juni den Beginn der Bodenbevorratung beschlossen und damit Fakten geschaffen.

„Wir sind nicht gegen ein Neubaugebiet, aber es muss so geplant werden, dass es nicht auf Kosten der Bestandsbevölkerung geht“, sagt der dreifache Familienvater. Um Gehör zu finden, wolle man eine Bürgerinitiative gründen. Der Name steht schon fest, genauso wie die E-Mail-Adresse: N39-nicht-zu-lasten-der-buerger@gmx.de.

Bürgermeister Jürgen Hoffmann verteidigt die bisherige städtische Vorgehensweise. In Rodgau gelte der Grundsatz: Erst wenn das Flächenmanagement, also der Kauf der Grundstücke durch die Hessische Landgesellschaft, abgeschlossen ist, beginne die verbindliche Bauleitplanung. Also erst dann, wenn sich die Eigentümer entschieden hätten und damit klar sei, über welche Flächen verfügt werden könne.

Für das Baugebiet N39 sei das Flächenmanagement noch nicht abgeschlossen, also sei noch nicht klar, „wie das Baugebiet in seiner räumlichen und inhaltlichen Ausgestaltung aussehen wird“. Demzufolge könne auch erst mit Beginn der Bauleitplanung eine Aussage über die verkehrliche Erschließung getroffen und mit der Öffentlichkeit diskutiert werden. Die Stadt werde eine umfangreiche Bürgerbeteiligung durchführen – wie in allen Bauleitplanungen in der Vergangenheit.

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