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Neu-Isenburg Waldbesetzer gehen von Brandstiftung aus

1. UpdateIn einem Camp von Flughafen-Ausbaugegnern brechen an zwei Stellen Brände aus. Betroffene vermuten, dass das Feuer gelegt wurde.

Brand im Camp der Flughafen-Gegner
Einsatzfahrzeuge der Feuerwehr am Brandort. Foto: Feuerwehr Mörfelden-Walldorf

Im Camp der Baumbesetzer im Wald zwischen Mörfelden-Walldorf (Kreis Groß-Gerau) und Neu-Isenburg-Zeppelinheim (Kreis Offenbach) hat es am Dienstagabend gebrannt. Verletzt wurde niemand. 300 Meter vor der Ausfahrt der A5 bei Zeppelinheim standen gegen 20.45 Uhr rund 100 Quadratmeter Waldfläche in Flammen, teilte die Freiwillige Feuerwehr Mörfelden mit. Die Kollegen aus Zeppelinheim vermuten Brandstiftung. Der Anfahrtsweg sei mit brennenden Barrikaden versperrt gewesen, die zuerst gelöscht werden mussten. Außerdem seien absichtlich Gasflaschen in Nähe der Flammen abgestellt worden, heißt es im Einsatzbericht weiter. Die Feuerwehr leuchtete die Einsatzstelle noch bis gegen 23 Uhr aus.

„In unserer Küche und an den Barrikaden wurde Feuer gelegt. Damit wurde ein Waldbrand gelegt“, twitterten die Waldbesetzer noch am Abend. „Das Feuer hat die Küche mit Versammlungsplatz zerstört, und die Barrikade am Eingang hat gebrannt“, heißt es auf ihrem Blog. Die zwei Brandherde deuteten darauf hin, „dass Feuer vorsätzlich gelegt wurde – von wem auch immer“. Die Vermutung liege nahe, dass die Barrikade angezündet wurde, um ein Löschen im Camp zu verzögern. „Einzelne Bodenstrukturen sind komplett abgebrannt! War das ein gezielter Angriff auf linke Strukturen?“, twitterten die Aktivisten kurz nach Mitternacht. 

Sie sei erleichtert, dass es keine Verletzten gegeben habe, sagte Petra Schmidt, Sprecherin der Bürgerinitiative Mörfelden-Walldorf, am Mittwoch der FR. Sie war gegen 22 Uhr losgeradelt, um nach dem Rechten zu schauen. „Der Wald steht auch noch“, was nicht selbstverständlich sei bei der aktuellen Trockenheit. Schmidt geht davon aus, dass die Täter gezielt das Camp angriffen, das versteckt im Wald liegt. „Das sieht nicht nach Zufall aus.“ Über die Motive lasse sich nur spekulieren: purer Vandalismus, Ablehnen alternativer Lebensformen oder der Ausbaugegner. Der „allgemeine Rechtsruck“ sei ja zu spüren.

Seit Januar hält eine wechselnde Zahl von Aktivisten Bäume besetzt. Sie sollen fallen, weil Fraport dort die Autobahnzufahrt zum neuen Terminal 3 bauen will. Sechs Hektar einstiger Bannwald sollen dafür gerodet werden. Die Aktivisten haben ihre Schlafplätze auf Plattformen in den Bäumen gebaut. Auf dem Boden befinden sich Küche, Versammlungsraum, Toilette, Zelte für Vorräte. Mörfeldens Feuerwehrsprecher Theo Herrmann sagte der Frankfurter Rundschau, Zelte, Baumhäuser und Möbel hätten noch gestanden, auch sei während des Einsatzes ein Aktivist zu sehen gewesen. Die Polizei Frankfurt, die die Ermittlungen zur Brandursache aufgenommen hat, bestätigte, dass Bewohner vor Ort gewesen seien. 

Die Organisation Robin Wood hatte mit Unterstützung von örtlichen Umweltschutzverbänden und Flughafengegnern das Protestcamp im Wald aufgeschlagen. Die Aktivisten haben sich vorgenommen, die Bäume zu schützen. Flughafenbetreiberin Fraport will Anfang 2019 mit der Rodung beginnen. Vier Jahre später soll das neue Terminal komplett in Betrieb gehen, der für Low-Cost-Airlines zeitlich vorgezogene Flugsteig G bereits 2020. Die Stadt Frankfurt hat den Bauantrag für dieses Vorhaben bislang noch nicht genehmigt. 

Laut Feuerwehrsprecher Herrmann gab es aufgrund der Trockenheit allein in der Umgebung um Mörfelden-Walldorf in diesem Monat bereits sieben Wald- und Flächenbrände. Oft seien weggeworfene Kippen der Auslöser. Um eine Brandstiftung nachzuweisen, müsse man den Verursacher auf frischer Tat ertappen, sagte der stellvertretende Stadtbrandinspektor.

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