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Neu-Isenburg Ex-FR-Druckerei wird Erstaufnahmestelle

Das Gebäude der ehemaligen Druckerei der Frankfurter Rundschau in Neu-Isenburg soll Außenstelle der Erstaufnahmeeinrichtung Gießen werden. Bürgermeister Hunkel verspricht, den Flüchtlingen mehr zu geben als nur ein Dach über dem Kopf.

Wo einst die FR gedruckt wurde, werden nun Flüchtlinge einziehen. Foto: Renate Hoyer

Dass seine Stadt zum Standort für ein neues Flüchtlingslager für etwa 700 Menschen werden soll, erfuhr der Bürgermeister von Neu-Isenburg, Herbert Hunkel (parteilos), kurz vor dem Rückflug aus dem Urlaub am Dienstagnachmittag. Auch Landrat Oliver Quilling (CDU) wurde erst am selben Tag von den Plänen des Landes Hessen überrascht, in einem Gebäude der ehemaligen Druckerei der Frankfurter Rundschau in der Rathenaustraße eine neue Außenstelle der Erstaufnahmeeinrichtung Gießen einzurichten.

Offenbar in kürzester Zeit haben die Behörden das Gebäude in Augenschein genommen und am Mittwochnachmittag einen Vertrag mit den Eigentümern, mehreren Privatleuten, abgeschlossen. „Das Ganze lief innerhalb von nur 36 Stunden ab“, sagte Quilling gestern bei einer kurzfristig anberaumten Pressekonferenz im Neu-Isenburger Rathaus. Zu dieser kamen Stadt- und Kreisspitze, aber kein Vertreter des zuständigen Innen- und Sozialministeriums.

Erstmals bringt das Regierungspräsidium Darmstadt damit im Auftrag des Ministeriums von der kommenden Woche an Flüchtlinge in einer ehemaligen Fabrikhalle unter. Am Wochenende würden Feldbetten aufgebaut, sagte Kreisbrandinspektor Ralf Ackermann, der auch für den Katastrophenschutz zuständig ist. Der enge Zeittakt sei „schon eine besondere Situation“.

Bis zur Ankunft der ersten Flüchtlinge müssten noch zahlreiche Dinge organisiert werden. „Wir brauchen Hygiene- und Sanitäreinrichtungen, es muss eine Essensausgabe organisiert werden, eine Sozialbetreuung und vor allem eine Möglichkeit für ärztliche Untersuchungen“, sagte Ackermann. Er sei aktuell dringend auf der Suche nach Ärzten, die bereit seien, hier auf Honorarbasis zu arbeiten. Auch ein Wachdienst müsse engagiert werden. Alle Kosten dafür übernimmt das Land.

Eine deutlich bessere Infrastruktur

Das Gebäude, die sogenannte Expedition, in der einst die frisch gedruckten Zeitungen auf den Abtransport warteten, stand seit 1. Mai 2013 leer, nachdem die Druckerei nach der Insolvenz der FR den Betrieb einstellen musste. Neu-Isenburgs Erster Stadtrat Stefan Schmitt (CDU), der aktuell Gelegenheit hatte, die Räume zu besichtigen, sagte, er sei trotz des langen Leerstands vom guten Zustand überrascht. Alles funktioniere.

„In den Nachbarkreisen werden überall Zeltlager aufgeschlagen“, sagte Landrat Quilling. Die alte FR-Halle biete hingegen eine deutlich bessere Infrastruktur. „Hier gibt es große Duschen, Waschplätze und Toilettenanlagen, weil hier ja sehr viele Menschen gearbeitet haben“, sagte er. „Das spricht für den Standort.“

Im Kreis Offenbach hat bisher Langen mit 220 Flüchtlingen das größte Kontingent aufgenommen, das genauso große Neu-Isenburg beherbergt aktuell 173. Dazu kommen nun die 700 weiteren Asylsuchenden, die das Land in der neuen Einrichtung betreuen wird. Damit werde die Stadt keine weiteren Zuweisungen mehr erhalten, versicherte Quilling. „Wir hoffen nun auf die Solidarität der übrigen zwölf Kreis-Kommunen.“

Bürgermeister Hunkel betonte, dass die Stadt Neu-Isenburg sich bemühen werde, ihr Möglichstes auch für die nun erwarteten Asylbewerber zu tun, selbst wenn sie nicht für deren Betreuung zuständig sei. Man prüfe Arbeitsmöglichkeiten und werde versuchen, Deutschkurse zu organisieren. „Die Menschen brauchen doch mehr als nur ein Dach über dem Kopf“, sagte er.

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