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Neonsplash Paint Party Gießen Gefühle in Bunt

Bei der „Neonsplash Paint Party“ in Gießen werden die Gäste literweise mit Farbe besprüht. Die Veranstalter wollen so "das Gemeinschaftsgefühl auf einer Party maximieren".

Bei der Neonsplash Paint Party in Gießen wird es bunt. Foto: Martin Weis

Der erste Eindruck beim Betreten der Gießener Hessenhallen ist ernüchternd: Viele in weiße Shirts gekleidete Menschen stehen auf einem mit einem Industrieteppich bedeckten Fußboden, die hohen Wände sind mit weißer Plane abgeklebt. Erst einige Stunden später in dieser Samstagnacht wird sich die sterile Messehalle in ein großes Farbspektakel verwandeln.

Als der Countdown noch eine Stunde bis zur großen Farbschlacht anzeigt, betritt ein Mann in einem mit LED-Leuchten besetzten Roboteranzug die Halle. Ruckartig bewegt er sich vor die Menge, die das Spektakel aus Licht, Laser und Technotunes frenetisch feiert. Alles fiebert auf den Zeitpunkt hin, ab dem es Farbe regnen wird. Um zwei Uhr ist es soweit: Die Erwartung der tanzenden Meute entlädt sich in diesem Moment, die Leute jubeln, springen und pfeifen, während sie immer wieder von Farb-Spritzern aus den Kanonen getroffen werden, die auf der Bühne stehen. Kaum eine halbe Stunde nach Beginn des „Neonsplash“ ist keiner der 1600 Gäste mehr sauber, kein T-Shirt ist noch weiß.

Gäste können sich mit Farbe bewaffnen

Neben der Farbe, die von der Bühne auf die Leute regnet, können sich die Gäste auch selbst mit Farbflaschen bewaffnen, die in den Ecken der Halle verkauft werden. Wenn man sich einen Weg durch die Menge bahnt, werden einem immer wieder Farbfontänen über den Kopf geschüttet, wildfremde Menschen schmieren sich gegenseitig gelbe, rote, blaue oder grüne Farbe in die Haare oder hinterlassen mit farbigen Handflächen Abdrücke im Gesicht und auf dem Körper.

Die Stimmung ist eine interessante Mischung aus der Lust an der ungehemmten Schmiererei und einer leicht sexuell aufgeladenen Atmosphäre, wenn sich Freundinnen gegenseitig mit Farbe ihre Dekolletés beschmieren oder Männer, die sich höchstens beim Freudentaumel auf dem Fußballplatz so nahe kommen, in den Armen liegen und sich die Oberkörper mit Farbe einreiben.

Diese Art der Übergriffigkeit ist nach kürzester Zeit Konsens; man kann sich ihr nicht entziehen, denn eingeklemmt zwischen Hunderten von tanzenden, springenden und mit Farbe sprühenden Menschen ist der Körperkontakt unausweichlich.

Dennoch hat die Situation nichts Bedrohliches. Das unschuldige Weiß der Shirts, Hosen und Kleider und die Erinnerung an Kindergeburtstage mit Fingermalfarbe mischen sich mit einem Konzept hedonistischer Selbsterfahrung: „The future is now“ ruft der Anheizer auf der Bühne in sein Mikro. Die Zukunft ist jetzt – und wir sind Teil davon.

Gemeinschaftsgefühl maximieren

Das zumindest steckt hinter dem Konzept der Macher von „Neonsplash“. „Wir wollen das Gemeinschaftsgefühl auf einer Party maximieren“, sagt Florian Eckelmann. Er hat mit drei Freunden, alle sind 26 und 27 Jahre alt und studierte Juristen und Betriebswissenschaftler, die Partyreihe ins Leben gerufen, die seit zwei Jahren durch Deutschland und die Niederlande tourt und schon riesige Hallen in Amsterdam, Rotterdam, München und Berlin füllte. Jede der Parties ist nach Aussage von Eckelmann und Co. ausverkauft, die Beliebtheit steigt immer weiter.

„Wir sehen die Party als eine Mischung aus Cirque du Soleil, Blue Man Group und Elektroparty“ sagt Eckelmanns Partner Matthew Mockridge. Das Konzept erinnert an die indischen Holi-Feste, die auch in Deutschland mit Parties nachgeahmt werden. Im Unterschied zum „Neonsplash“ wird hier mit farbigem Pulver gearbeitet, das die Menschen in bunte Wolken hüllt.

Durch den traditionellen, sakralen Hintergrund mutet sowohl der „Neonsplash-Party“ als auch der „Holi-Imitate“ etwas Spirituelles an. Eigentlich ist es jedoch viel banaler, viel weniger esoterisch als das Motto „Love Unity Paint“ zunächst transportiert, aber das tut nichts zur Sache. Einheit und Gemeinschaft haben die Veranstalter zumindest für einige Minuten erschaffen: Die Feiernden sind gemeinsam wieder zu kichernden Kindern geworden.

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