Lade Inhalte...

Neonazis in Hessen Rechtsextremistische Taten auf Höchststand

Die Zahl der rechtsextremistischen Straftaten in Hessen hat 2016 einen Höchstand erreicht. Einer der Brennpunkte ist Frankfurt. Ermittler rechnen auch weiterhin mit hohen Fallzahlen.

Rechtsextremismus
Rechtsextreme Gesinnung hat viele Gesichter und Erscheinungsformen. Foto: epd

Bei der Vorstellung der Hessischen Kriminalstatistik Mitte Februar war es etwas untergegangen, doch: Die Zahl rechtsextremistischer Straftaten in Hessen hat 2016 einen neuen Höchststand erreicht. Mit 840 gemeldeten Fällen stieg die Zahl der Straftaten gegenüber 2015 gleich um 18,8 Prozent. 2012 hatte sie noch bei 665 gelegen. Quantitative Brennpunkte in Hessen sind Frankfurt (199 Fälle), Nordhessen (149) und Mittelhessen (125).

Mehr als die Hälfte der Straftaten machten dabei die sogenannten Propagandadelikte wie Volksverhetzung oder das Tragen verfassungsfeindlicher Symbole aus. Die Zahl rechtsextremistischer Gewalttaten lag 2016 bei 25 (2015: 21). Die Straftaten gegen Asylbewerberunterkünfte haben sich bundesweit seit 2013 stark erhöht, auch in Hessen. Zwar ist die Zahl dieser Fälle in Hessen gegenüber dem Vorjahr geringfügig von 28 auf 25 zurückgegangen, allerdings wurde erstmals auch politisch motivierte Kriminalität gegen Asylbewerber und Flüchtlinge außerhalb von Asylbewerberunterkünften statistisch gesondert erfasst – und hier liegt die Zahl mit insgesamt 71 Fällen recht hoch. 67 der Fälle sind den Statistikern zufolge der rechten Szene zuzuordnen.

Wie schwierig es teilweise aber ist, die Taten richtig einzuordnen, zeigte sich bei den Schüssen auf eine Asylbewerberunterkunft in Dreieich im Januar 2016. Dabei war ein Bewohner leicht am Bein verletzt worden. Die Ermittler waren zunächst von einem fremdenfeindlichen Hintergrund ausgegangen, erst in der Gerichtsverhandlung stellte sich heraus, dass es sich wohl eher um eine Beziehungstat und offensichtlich auch noch um eine Verwechslung gehandelt hatte. Bei der Brandstiftung einer Flüchtlingsunterkunft in Witzenhausen im August ermittelte die Polizei einen Tatverdächtigen, doch der streitet jedes fremdenfeindliche Motiv ab und begibt sich später in psychiatrische Behandlung.

Einfacher gestaltete sich da die Zuordnung beim Angriff auf das Café des Flüchtlingsprojekts Shelter in Frankfurt Bornheim im Dezember. Die Täter hatten ein Bekennerschreiben mit rassistischen Äußerungen hinterlassen und mit „Fragida Armee Fraktion“ unterzeichnet. Gefasst wurden die Täter bislang noch nicht. Die Sachbeschädigung auf der Berger Straße gehört damit zu den 65,7 Prozent der Delikte aus der rechten Szene, die im Jahr 2016 nicht aufgeklärt werden konnten.

Das Landeskriminalamt geht davon aus, dass die Angriffe der rechten Szene auch in diesem Jahr auf hohem Niveau bleiben. „Ein Ende der Agitation der rechten Szene ist trotz derzeit rückläufiger Asylbewerberzahlen nicht abzusehen“, heißt es in der Kriminalstatistik 2016.

Die Zeitung für Menschen mit starken Überzeugungen.

Multimedia App E-Paper
App
Online Kundenservice Abo-Shop
  • Nutzungsbasierte Onlinewerbung
  • Mediadaten
  • Wir über uns
  • Impressum