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Neonazis im Lumdatal „Eine Grenze überschritten“

Im Lumdatal nahe Lollar ermittelt die Polizei gegen immer dreister auftretende Neonazis, die betrunken Deutschlandfahnen schwenken und jüngst versucht haben, gewaltsam in zwei Häuser einzudringen. Ein "Netzwerk für Demokratie und Toleranz" stellt sich ihnen entgegen.

Eindeutige Botschaften: Neonazi-Aufkleber in der Nähe vom Rathaus in Allendorf im Lumdatal. Foto: peter-juelich.com

Im Lumdatal nahe Lollar ermittelt die Polizei gegen immer dreister auftretende Neonazis, die betrunken Deutschlandfahnen schwenken und jüngst versucht haben, gewaltsam in zwei Häuser einzudringen. Ein "Netzwerk für Demokratie und Toleranz" stellt sich ihnen entgegen.

Nach Übergriffen im Lumdatal nordöstlich von Gießen, die vermutlich von Neonazis verübt wurden, hat die Polizei die Ermittlungen aufgenommen. Am Abend des 1. Mai hatten mutmaßliche Anhänger der lokalen rechtsradikalen Szene in Allendorf zwei Häuser angegriffen. Seit einigen Monaten treten in der Gegend zwischen Lollar, Allendorf und Rabenau verstärkt junge Neonazis mit Aufklebern, eigenen Internetseiten, Bedrohungen und der Flugblatt-Zeitung „Lumdatal Stimme“ in Erscheinung.

Nach Angaben des Polizeipräsidiums Mittelhessen war am frühen Abend des 1. Mai eine Gruppe von alkoholisierten jungen Männern durch Allendorf gezogen. Sie hätten eine Deutschlandfahne und einen Bollerwagen bei sich gehabt und Parolen gegrölt, hieß es. Vermutlich habe es sich um Angehörige der lokalen Neonazi-Szene gehandelt.

Haustür eingetreten

Gegen 23 Uhr waren dann vor dem Haus einer Allendorfer Familie zwei dumpfe Schläge zu hören. Unbekannte traten die Haustür ein und flüchteten anschließend. Das Haus der Familie war bereits im März mit Eiern beworfen worden – vermutlich von Neonazis. Kurze Zeit später gab es dann auch vor dem Haus der Allendorfer Bürgermeisterin Annette Bergen-Krause (SPD) einen lauten Knall. Unbekannte traktierten die Hoftür vor Bergen-Krauses Haus mit schweren Fußtritten und riefen dabei „Sieg Heil“. Bergen-Krause hatte sich mehrfach deutlich gegen die Rechtsradikalen positioniert, auch gegenüber der Frankfurter Rundschau.

Als Reaktion auf die Angriffe versammelten sich am vergangenen Dienstagabend rund 200 Menschen im Ortskern von Allendorf, um gegen rechte Gewalt zu demonstrieren. Mitglieder der Grünen aus Staufenberg hatten zu der Kundgebung aufgerufen. Der Bürgermeister von Staufenberg, Peter Gefeller (SPD), und der Dekan des zuständigen evangelischen Dekanats Kirchberg, Hans-Theo Daum, hielten kurze Ansprachen – außerdem der Vater der angegriffenen Familie. Daum und andere Kirchenvertreter hatten bereits Mitte April eine Mahnwache gegen Rechts in Lollar organisiert.
Am Rande der Kundgebung überprüfte die Polizei die Personalien dreier junger Männer, die offenbar der rechtsradikalen Szene angehören und die Kundgebungsteilnehmer fotografiert hatten.

Justiz eingeschaltet

Bürgermeisterin Bergen-Krause sagte der Frankfurter Rundschau, die Beteiligung an der kurzfristig anberaumten Kundgebung zeige, dass die Bevölkerung sich gegen Nazis positioniere. „Ich glaube, die haben hier jetzt eine Grenze überschritten“, sagte sie. Die Bedrohung von Mitbürgern habe großes Entsetzen ausgelöst. „Das läuft jetzt hier auch nicht mehr unter ,dummer Jungenstreichen‘“, so Bergen-Krause. Für sie sei der Angriff auf ihr Haus unangenehm, aber sie bleibe dabei, sich nicht einschüchtern zu lassen. Sie hoffe, dass es nach den erneuten Vorfällen mehr Unterstützung für das „Netzwerk für Demokratie und Toleranz“ gebe, dass die Bürgermeister im Lumdatal im April gegründet haben.

Die Staatsanwaltschaft Gießen ermittelt bereits in drei Fällen gegen Angehörige der Lumdataler Nazi-Szene. Es geht um Nötigung, die Benutzung von Symbolen verfassungsfeindlicher Organisationen und Volksverhetzung.

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