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Neonazi-Szene in Hessen Lokal bleibt in NPD-Hand

Ein Mitglied der rechtsextremen NPD wendet die Zwangsversteigerung des „Bistro Hollywood“ in Leun-Stockhausen ab. Für die Neonazi-Szene in Hessen ist es ein wichtiger Treffpunkt.

Neonazi-Szene in Hessen
Das „Bistro Hollywood“ in Leun-Stockhausen, hier während eines rechten „Balladenabends“ im Herbst 2016. Foto: peter-juelich.com

Ein Mitglied der rechtsextremen NPD hat die drohende Zwangsversteigerung des „Bistro Hollywood“ in Leun (Lahn-Dill-Kreis) abgewendet, das seit Jahren als Treffpunkt der hessischen Neonazi-Szene gilt. Wie das hessische Landesamt für Verfassungsschutz der Frankfurter Rundschau bestätigte, bleibt das Anwesen im Stadtteil Stockhausen im Besitz eines NPD-Politikers aus dem Lahn-Dill-Kreis, der es 2011 gekauft und seitdem das „Bistro Hollywood“ betrieben hatte. Zuerst hatte der Hessische Rundfunk über die gestoppte Versteigerung berichtet.

Im „Bistro Hollywood“, das in der rechten Szene auch „Teutonicus“ genannt wird, finden seit Jahren immer wieder NPD-Veranstaltungen und Neonazi-Konzerte statt. Zuletzt waren dort Ende März die bekannten Rechtsrock-Bands „Kategorie C“ aus Bremen und „Oidoxie“ aus Dortmund aufgetreten, nachdem ihr von der NPD geplanter Auftritt in Wetzlar geplatzt war. Die Stadt hatte ihre Stadthalle trotz eines anderslautenden Urteils des Bundesverfassungsgerichts nicht zur Verfügung gestellt. 

Die Zwangsversteigerung des „Bistro Hollywood“ war vom Amtsgericht Wetzlar bereits für Ende Februar angesetzt worden, wohl um Schulden des Eigentümers zu begleichen. Wie eine Sprecherin des Amtsgerichts der FR sagte, habe die Gläubigerseite dann aber beantragt, den Termin abzusagen. Das Verfahren sei derzeit vorläufig eingestellt, formell laufe es aber noch. Es sei denkbar, dass Schuldner und Gläubiger sich inzwischen geeinigt hätten, sagte die Sprecherin.

Ein relevanter Ort

Welches NPD-Mitglied die Versteigerung des „Bistro Hollywood“ verhindert hat – vermutlich durch eine Begleichung der ausstehenden Schulden –, blieb am Freitag zunächst offen. 

Für die hessische NPD und die regionale parteifreie Neonazi-Szene ist es in jedem Fall durchaus relevant, dass ihr Treffpunkt in Leun erhalten bleibt. Es gibt nicht viele Lokale in Hessen, in denen die Rechtsextremen sich jederzeit ungestört versammeln kann. Die NPD versucht zudem schon seit einiger Zeit, Wetzlar und den umliegenden Lahn-Dill-Kreis zu ihren politischen Hochburgen auszubauen. Momentan ist die NPD mit fünf Sitzen in der Stadtverordnetenversammlung von Wetzlar, mit drei Sitzen in der Stadtverordnetenversammlung von Leun und mit zwei Sitzen im Kreistag des Lahn-Dill-Kreises vertreten.

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