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Neonazi-Konzert Wetzlar verbietet Rechtsrock-Konzert

Die NPD plant am Samstag in Wetzlar ein Neonazi-Konzert mit den Bands „Oidoxie“ und „Kategorie C“. Die Stadt hat die Auftritte jetzt untersagt.

Rechtsrock-Konzert
Im thüringischen Themar nahmen im Juli 2017 über 5000 Personen an einem Rechtsrockkonzert teil. Foto: imago

Die Stadt Wetzlar will den Auftritt mehrerer Rechtsrock-Bands bei einer für Samstag geplanten Veranstaltung der hessischen NPD in der lokalen Stadthalle verhindern. Man habe der NPD eine entsprechende Untersagungsverfügung geschickt, die den Auftritt der Musikgruppen verbiete, sagte Eckhard Nickig, Pressesprecher der Stadt, der Frankfurter Rundschau.

Zur Begründung hieß es, die Stadt sehe sich von der NPD getäuscht: Die rechtsextreme Partei habe eine Wahlkampfveranstaltung zur hessischen Landtagswahl im Oktober angekündigt, plane aber offensichtlich ein kommerzielles Rechtsrock-Konzert. Für Donnerstag werde eine Anhörung der NPD zu der Untersagungsverfügung angesetzt, sagte Nickig. Die Stadt stelle sich darauf ein, dass die Partei gegen die Verfügung klagen werde. Derzeit gebe es keinen unterzeichneten Mietvertrag für die Stadthalle.

Am kommenden Samstag plant die NPD unter dem Motto „Familie – Heimat – Nation“ ab 14 Uhr eine Saalveranstaltung in der Stadthalle Wetzlar, angekündigt ist sie als Auftakt zum Landtagswahlkampf. Dabei sollen unter anderem bekannte rechtsextreme Redner wie Michael Brück von der Neonazipartei „Die Rechte“ aus Dortmund, der Berliner NPD-Kader Sebastian Schmidtke und der Neonazi Sven Skoda sprechen. Da die Stadt sich zunächst geweigert hatte, ihre Stadthalle zur Verfügung zu stellen, hatte die NPD das Recht auf deren Nutzung im Februar vor dem Hessischen Verwaltungsgerichtshof in Kassel erstritten.

Konzerte aus „Combat 18“- und Hooligan-Szene

Neben den politischen Reden sind am Samstag Konzerte von sechs zum Teil bundesweit relevanten Rechtsrock-Bands geplant, darunter „Oidoxie“ aus Dortmund oder „Kategorie C“ aus Bremen. Oidoxie trat lange Zeit als Teil der militanten Gruppierung „Combat 18“ auf, die als bewaffneter Arm des in Deutschland verbotenen Neonazi-Netzwerks „Blood and Honour“ gilt. Kategorie C gilt als Kultband in der rechtsradikalen Hooliganszene. Über die sozialen Netzwerke wird für die Veranstaltung bereits bundesweit in der rechten Szene mobilisiert. Gerade die Konzerte dürften Hunderte Neonazis aus Hessen und den umliegenden Bundesländern anziehen. Nach FR-Informationen könnten auch Rechtsextreme aus dem europäischen Ausland anreisen.

In Wetzlar selbst unterrichten Stadt und Polizei die Anwohner bereits mit Flugblättern über die zu erwartenden Beeinträchtigungen durch die angemeldeten Protestaktionen und den geplanten Großeinsatz der Polizei. Das Parkhaus unter der Stadthalle wird demnach bereits ab Freitagabend geschlossen, ein weitläufiger Bereich rund um die Halle wird für den Verkehr gesperrt. Gewerbetreibende und Anwohner dürften die Absperrungen nach Vorlage ihres Ausweises passieren, heißt es im Flugblatt der Polizei. Man wolle die Behinderungen „auf das unbedingt notwendige Maß beschränken“. Man rate jedem dazu, einen Ausweis bei sich zu tragen und mehr Zeit für Wege einzuplanen.

Ein Bündnis aus Gewerkschaften, Kirchen und Zivilgesellschaft plant für Samstag ab 15 Uhr ein „Festival der Demokratie“ an der Konrad-Adenauer-Promenade in Sichtweite der Stadthalle. Bereits um 12.30 Uhr soll am Wetzlarer Bahnhof eine Demonstration gegen das NPD-Treffen in Richtung Stadthalle losziehen. Außerdem werden weitere Protestaktionen in der Innenstadt vorbereitet.

Am Donnerstag wird die NPD-Veranstaltung auch den hessischen Landtag beschäftigen: Unter dem Titel „Widerstand gegen Neonazi-Treffen in Wetzlar“ hat die Linksfraktion eine Aktuelle Stunde beantragt. Das Treffen sei „ein eindeutiges Angebot an die offen neonazistische, militante und überregionale Kameradschaftsszene“, sagte der linke Landtagsabgeordnete Hermann Schaus.

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