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Nele-Neuhaus-Verfilmung Schneewittchen muss sterben, aber anders

Montagabend - Krimiabend. Zumindest Taunus-Bewohner mussten da starke Nerven beweisen. Denn das ZDF hatte „Schneewittchen muss sterben“ der Taunus-Hausautorin Nele Neuhaus verfilmt. Und zwar so sehr "nach Motiven von", dass selbst der Täter ein anderer als im Buch ist.

Das Haar schwarz wie Ebenholz: das tote Schneewittchen im Sarg, gespielt von Gloria Endres de Oliveira. Foto: ZDF

Eingefleischte Nele-Neuhaus-Fans mussten tapfer sein. Denn am Montag, 25. Februar, flimmerte im ZDF-Hauptabendprogramm mit „Schneewittchen muss sterben“ erstmals ein Taunuskrimi der Bestsellerautorin über die TV-Bildschirme. Und der Wiedererkennungswert war für alle, die das Buch gelesen haben, wohl eher gering.

Einen „Taunuskrimi nach Motiven des gleichnamigen Romans von Nele Neuhaus“ nannte das ZDF die Verfilmung vorsichtshalber und deutete damit an, dass das Drehbuch, das Henriette Pieper geschrieben hat, ziemlich weit weg ist vom über 500 Seiten dicken Original-Roman. Nur wenige Handlungsstränge hatten die Filmemacher übernommen, ein paar Grundideen der Geschichte rund um ein verschwundenes Mädchen im kleinen Taunusort Altenhain beibehalten, die Enge der Provinz, wo jeder jeden kennt und ihm gleichzeitig auch irgendwie misstraut, recht gut nachgezeichnet.

Die Täterin ist aber am Ende eine andere als im Buch. Und die Hauptdarsteller haben zwar dieselben Namen, ihre Charaktere sind aber zum Teil brüchig, teils glattgebügelt oder nur holzschnittartig angedeutet. Mit den detailreich gezeichneten Figuren im Roman von Nele Neuhaus haben sie nicht mehr viel zu tun. Das gilt auch für die beiden Kommissare der Kripo Hofheim, Pia Kirchhoff und Oliver von Bodenstein, die einander im Film fast 90 Minuten lang schnoddrig schroff angiften. Dazu macht ein von der Drehbuchautorin dazugedichtetes Trauma, das mehrfach für Flashbacks einer Vergewaltigung sorgt, Pia Kirchhoff schwer zu schaffen. Der dramaturgische Sinn dessen erschließt sich nicht.

Austauschbar ist auch die Szenerie. Gedreht wurde nicht an Originalschauplätzen, sondern an Orten im Taunus und in der Wetterau, die dem Regisseur filmtauglich erschienen. Die Kameraführung ließ kaum erkennen, wo die Kommissare unterwegs waren. Wer auf Einstellungen aus dem Bad Sodener Stadtteil Altenhain, aus Hofheim am Taunus oder Kelkheim hoffte, wartete vergeblich.

Das Drehbuch zum Film sei ohne ihr Zutun entstanden, gibt Nele Neuhaus denn auch zu Protokoll. „Wenn man die Rechte verkauft hat, hat man keinen Einfluss mehr.“ Sie sei stolz darauf, dass „Schneewittchen muss sterben“ eine Verfilmung wert war, fügt sie diplomatisch hinzu.

Sechs Taunus-Krimis hat die Bestsellerautorin aus Hessen mittlerweile geschrieben, allein im deutschsprachigen Raum vier Millionen Bücher verkauft und auch im Ausland viele begeisterte Fans. In 20 Ländern sind Nele Neuhaus’ Bücher erschienen. Im Herbst stürmte ihr neuester Taunus-Krimi „Böser Wolf“ die Bestsellerlisten. Das ZDF hat mit „Eine unbeliebte Frau“ bereits einen zweiten Taunus-Krimi verfilmt. Mit einem anderen Regisseur und einer anderen Drehbuchautorin.

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