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Nele-Neuhaus-Krimi im ZDF Schneewittchen stirbt im Taunus

Mit 2,5 Millionen verkauften Büchern ist Nele Neuhaus die erfolgreichste deutsche Krimiautorin. Allein ihr Roman „Schneewittchen muss sterben“ ging 800.000 mal über die Ladentheke. Jetzt verfilmt das ZDF den Bestseller.

Der Originalschauplatz im Roman: Das Gasthaus Grüner Baum im Bad Sodener Stadtteil Altenhain. Foto: Andreas Arnold

Das Haus am Gimbacher Weg in Kelkheim ist unscheinbar. Flachdach, kleiner Vorgarten, Garage. Doch der Blick aus dem Wohnzimmer ist fulminant: alte Bäume, Wiesen, sanfte Hügel, und am Horizont der Feldberg. „Eines Tages hat ein Mann an unsere Tür geklingelt und gefragt, ob er reinkommen darf“, erzählt Elisabeth Kohlhepp. Der Unbekannte entpuppte sich als Location Scout für eine Filmfirma. Er fand im Haus der Kohlhepps, was er suchte – einen Drehort für „Schneewittchen muss sterben“.

Vor knapp zwei Wochen hat Elisabeth Kohlhepp ihr Wohnzimmer und ihre Küche komplett ausgeräumt, damit Oliver von Bodenstein einziehen konnte. „In unserem Haus werden die Szenen gedreht, die in der Wohnung des Kommissars spielen“, erzählt die alte Dame. Einen ganzen Tag waren Kameraleute, Regisseur und Schauspieler da. Dann zog der Tross weiter.

Anfang 2013 läuft „Schneewittchen muss sterben“ im ZDF

Seit Mitte Juli laufen die Dreharbeiten für die Verfilmung des Nele-Neuhaus-Bestsellers „Schneewittchen muss sterben“. Der Taunus-Krimi um zwei tote Mädchen und einen zu Unrecht verurteilten Mörder steht seit seinem Erscheinen ganz oben auf den Bestseller-Listen. Er ist das meistverkaufte Buch von Nele Neuhaus, wird in mehr als 20 Ländern gelesen.

Die Hauptrollen des Ermittler-Duos aus Hofheim am Taunus, Pia Kirchhoff und Oliver von Bodenstein, spielen Felicitas Woll (bekannt aus der Fernsehserie Berlin, Berlin) und Tim Bergmann. Auch die Nebenrollen sind prominent besetzt, unter anderem mit Ulrike Kriener und Michael Schenk. Regie führt der krimierfahrene Berliner Regisseur Manfred Stelzer.

Voraussichtlich Anfang 2013 wird das ZDF den ersten Taunus-Krimi ausstrahlen – zur Hauptsendezeit am Montagabend. Die Fans sind begeistert. „Darauf warte ich schon gefühlte zehn Jahre“, schreibt eine Leserin auf Nele Neuhaus’ Facebook-Seite. „Eines meiner Lieblingsbücher, da bin ich mal gespannt“, kommentiert ein anderer Fan. Und eine Altenhainerin frohlockt: „An dem Tag, an dem ,Schneewittchen muss sterben’ ausgestrahlt wird, sitzt bestimmt der ganze Ort vorm Fernseher.“

Möglicherweise werden die Altenhainer dann ein bisschen enttäuscht sein. Denn der Bad Sodener Stadtteil ist als Hauptschauplatz des Kriminalromans im Film gar nicht zu sehen.

Die Hofheimer Polizeistation ist im Usinger Schloss untergebracht

Die Gasthäuser „Zum Schwarzen Ross“ und „Zum Goldenen Hahn“ stehen für die Filmleute im 40 Kilometer entfernten Maibach, einem Stadtteil von Butzbach im Wetteraukreis, das im Film in „Altenhain“ umbenannt wird. Ruhiger und ländlicher sei es hier als im lebendigen Altenhain, sagt Carsten Kelber, der die Dreharbeiten für die Produktionsfirma All in Production betreut. Die nach außen hin hermetisch geschlossene Gesellschaft des kleinen Taunusdorfes aus dem Nele-Neuhaus- Krimi lasse sich so besser darstellen.

Mit zwei Gaststätten und der Kirche in unmittelbarer Nähe könnten die im Drehbuch vorgegebenen Bezüge außerdem besser umgesetzt werden. Für Innenaufnahmen aus dem „Schwarzen Ross“ reist der Film-Tross noch mal 40 Kilometer weiter. Sie werden im getäfelten Saal einer Gaststätte in Wallrabenstein (Rheingau-Taunus-Kreis) gedreht.

„Geschummelt“ wird auch bei anderen Originalschauplätzen: die Hofheimer Polizeistation ist im Usinger Schloss untergebracht, den altmodischen Laden der Mutter eines der ermordeten Mädchen fand der Location Scout im Idsteiner Stadtteil Niederauroff. Das Schloss Sommerberg in Wiesbaden-Frauenstein haben die Filmleute zur Villa Terlinden gemacht. Szenen, die im hessischen Kultusministerium spielen, werden im neuen Rathaus in Wiesbaden gedreht.

Der Schauplatz Frankfurt ist aus dem Drehbuch für „Schneewittchen muss sterben“ komplett gestrichen. Die Gerichtsmedizin arbeitet in der Tannenwaldklinik in Bad Homburg.

Weil die hessischen Wälder so schön märchenhaft sind

„Der Taunus ist für uns Neuland, anders als die Nordseeinseln oder die bayerischen Berge filmisch noch nicht erschlossen“, sagt Carsten Kelber. Als „Märchenwald“ sollten die hessischen Wälder optisch und atmosphärisch präsentiert werden. Mit ein Grund, warum „Schneewittchen muss sterben“ als erster der Taunuskrimis von Nele Neuhaus verfilmt wird, obwohl das Buch das vierte in der bisher erschienenen Reihe ist. „Da ist das Märchenhafte quasi schon im Titel drin“, sagt Carsten Kelber.

Passende Drehorte für die Außenaufnahmen fand der Location Scout vor allem im Hochtaunus-Kreis: Waldszenen werden an den Eschbacher Klippen und bei Grävenwiesbach gefilmt. Und Kommissarin Pia Kirchhoff reitet auch mal übers Hochplateau bei Wehrheim. „Das gibt großartige Bildet“, sagt Carsten Kelber.

Am Drehbuch für „Schneewittchen muss sterben“ hat Autorin Henriette Piper ziemlich lange gefeilt. Wie packt man 500 Seiten Roman mit Dutzenden von Handlungssträngen in 90 Minuten Film, ohne die Zuseher vollends zu verwirren? Eine ordentliche Herausforderung sei das gewesen, räumt Carsten Kelber ein. Neuhaus’ komplexe Bücher eins zu eins verfilmen sei unmöglich. „Da muss man im Drehbuch Szenen anders gewichten, Die Geschichte teilweise neu erzählen. Bei Schneewittchen haben wir einiges weggelassen, und so gut wie nichts dazugedichtet.“

Der nächste Taunus-Krimi ist bereits in Planung

Bis Mitte August dauern die Dreharbeiten für „Schneewittchen muss sterben“. Danach geht es gleich weiter. Im September wird auch der erste Band der Taunus-Krimi-Serie von Neuhaus’ „Eine unbeliebte Frau“ verfilmt. Die Münchner Produktionsfirma hat ein Büro in Eppstein gemietet und steuert die Dreharbeiten von dort aus. Elisabeth Kohlhepp im Gimbacher Weg in Kelkheim wird wieder Wohnzimmer und Küche ausräumen und Kommissar Oliver von Bodenstein und das Filmteam für ein paar Stunden beherbergen.

Der Location Scout ist bereits auf der Suche nach neuen, spannenden Drehorten – auch für weitere Filme. Denn nach und nach sollen alle Kriminalromane von Nele Neuhaus verfilmt werden. Der Fernsehfilmchef des ZDF, Reinhold Elschot, ist begeistert von der „spannenden Geschichtenwelt von Nele Neuhaus, ihrer packenden Art, in einer wiedererkennbaren und zugleich geheimnisvollen Landschaft spielende Krimis für ein Millionenpublikum zu erzählen“. „Das passt wunderbar zum Sendeplatz am Montagabend.“

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