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Nationalpark Rhön Getrieben vom Nachbarn

Die Bayern wollen einen neuen Nationalpark Rhön. Aber ihnen fehlen dazu 1000 Hektar. Diese Fläche könnten die Hessen beisteuern. Doch es gibt dagegen auch Widerstand.

Klare Botschaft gegen den Nationalpark
An vielen Stellen aktiv: die Gegner des Nationalparks. Foto: Martin Brust

Die Bayern hätten gerne einen Nationalpark Rhön. Doch sie bekommen nur 9000 der dafür nötigen 10 000 Hektar Fläche zusammen. Nun sollen die Hessen mit ins Boot. Man scheint hierzulande daran nicht ganz uninteressiert. 

Der hessischen Landesregierung ist die Sache immerhin so wichtig, dass sie zu einem ersten Treffen ihr Spitzenpersonal entsandte. So kamen Ministerpräsident Volker Bouffier (CDU) und Umweltministerin Priska Hinz (Grüne) auf Einladung Bayerns vor einigen Tagen in Berlin mit dem bayerischen Ministerpräsidenten Horst Seehofer und Umweltministerin Ulrike Scharf (beide CSU) zusammen. 

Jetzt beginnt die Prüfung

Beschlossen wurde noch nichts. Man habe erst einmal zugehört, was die Bayern wollten, erklärte dazu die Sprecherin des hessischen Umweltministeriums. Vereinbart worden sei eine „fachliche Prüfung aller möglichen Optionen eines länderübergreifenden Nationalparks in der Rhön“, heißt es in der offiziellen Mitteilung. Diese Prüfung solle in den nächsten Monaten stattfinden. 

Während die Hessen also gerade anfangen zu überlegen, wird auf bayerischer Seite bereits heftig über einen Nationalpark Rhön diskutiert. Ministerpräsident Seehofer hält daran unbeirrt fest, in Teilen der CSU dagegen formiert sich Widerstand. So werden die Anti-Nationalpark-Vereine vielerorts von CSU-Funktionären angeführt. 

Die Landräte Thomas Bold (Bad Kissingen) und Thomas Habermann (Rhön-Grabfeld) wiederum, beide CSU, zeigen deutliche Sympathien für einen Nationalpark. Auch die örtlichen Gruppierungen des Bundes für Naturschutz werben für die Ausweisung eines solchen Schutzgebiets in der Rhön, während vor allem Gruppen aus dem forst- und jagdlichen Bereich mit Unmut und Sorge reagieren. So protestierten mehr als 100 Menschen Ende Mai auf dem Kreuzberg bei Bischofsheim bei einem Treffen mit Umweltministerin Scharf und den beiden Landräten gegen einen Nationalpark Rhön. Über 200 waren es Ende Juni am Rande eines CSU-Parteitages in Lohr am Main, wo Vertreter der Nationalparkgegner mit Ministerpräsident Horst Seehofer (CSU) sprachen. 

Wo die Nationalparkgrenzen verlaufen würden, ist noch nicht ausgemacht. Eine Karte des bayerischen Umweltministeriums von Ende Mai zeigt, welche Flächen in Frage kämen. Allerdings ist die Suche noch nicht abgeschlossen. Auf hessischer Seite kommt vor allem Fläche im Truppenübungsplatz Wildflecken infrage. Dort hat aber die Bundeswehr Vorrechte, die mit einem Nationalpark kollidieren. 

Eine Studie der Universität Würzburg im Auftrag des bayerischen Umweltministeriums kommt zum Schluss, dass die Ausweisung eines Nationalparks wirtschaftlich und touristisch gegenüber dem Status quo deutliche Vorteile bringen würde. 

Sie geht davon aus, dass die Rhön in den nächsten 20 Jahren weiter deutlich an Bevölkerung verlieren wird. Bis zum Jahr 2050 könnte ein Nationalpark für mehr als 1100 zusätzliche Arbeitsplätze in der Region sorgen - während ohne Nationalpark 120 Arbeitsplätze verloren gingen. 

Vor allem der Tourismus könnte demnach für einen wirtschaftlichen Aufschwung sorgen. Die Studie geht in den umliegenden Gemeinden bis 2050 von einem Zuwachs an Übernachtungen und Tagesgästen auf mehr als das Doppelte des heutigen Wertes aus. 

Zudem müsste eine Nationalparkverwaltung eingerichtet werden. Das bayerische Umweltministerium spricht von 100 Mitarbeitern und einem Budget von zehn Millionen Euro im Jahr. Würde sich Hessen beteiligen, könnte es anteilig an den Zuwächsen sowie an Zuschüssen des Bundes für Umweltbildung, Naturschutz und touristische Entwicklung teilhaben. 

Naturschützer skeptisch

Anders sieht das der Landesverband Hessen der Schutzgemeinschaft Deutscher Wald. „Ein Nationalpark Rhön wäre vermutlich kein Gewinn“, heißt es von dort. Man erwarte eine umfangreiche fachliche Prüfung, keine politische Entscheidung.

„Die Rhön hat sich seit ihrer Ausweisung als Biosphärenreservat 1991 beim Einklang von Tourismus, regionaler Wirtschaftsentwicklung und Naturschutz geradezu vorbildlich entwickelt“, sagt der SDW-Landesvorsitzende Bernhard Klug, der selbst von dort stammt. Dort einen „Käseglockennaturschutz“ überzustülpen, könne viele positive Entwicklung ausbremsen. 

Die Rhön sei ohnehin nicht nationalpark-geeignet. Dort gebe es verhältnismäßig wenig Wald; die nachhaltige landwirtschaftliche Nutzung, die in einem Nationalpark nicht möglich wäre, mache den besonderen Reiz der Kulturlandschaft Rhön aus, argumentiert die Schutzgemeinschaft. Zudem sei das Gebiet derart von Straßen und Siedlungen zerschnitten, dass es keine großen zusammenhängenden Schutzgebiete geben würde. 

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