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Nacktbilder in Lehrer-Nachlass Identität der Kinder unklar

Im Nachlass des 2008 verstorbenen Fotografen und Kunstlehrers Hajo Weber sind Nacktfotos von Kindern gefunden worden. Mit dem Fund rückt die damalige Leiterin der Helene-Lange-Schule erneut in den Blickpunkt.

13.12.2010 21:38
Peter Hanack und Jutta Rippegather
Die Website der Helene-Lange-Schule in Wiesbaden. Foto: Screenshot

Wer die Kinder auf den Negativen sind, die im Nachlass des 2008 verstorbenen Fotografen und Kunstlehrers Hajo Weber im Wiesbadener Stadtarchiv gefunden wurden, ist nicht geklärt. Ob es sich um Schüler des früheren Lehrers der Helene-Lange-Schule handelt, steht laut der Wiesbadener Kulturdezernentin Rita Thies (Grüne) nicht fest.

Die Nacktfotos von Kindern aus den 70er und 80er Jahren sind sicher aufbewahrt: „Keiner soll Angst haben, dass die Bilder an die Öffentlichkeit geraten“, sagt Thies. Sie habe sofort nach Entdeckung der Negative am Freitag die Kriminalpolizei informiert.

Für Thies, die einige Fotos gesehen hat, liegt der Verdacht auf Kinderpornografie nahe. Ob er sich erhärtet, wird laut Staatsanwaltschaft die Sichtung der Negative zeigen. Nach Angaben von Sprecher Hartmut Ferse lagern die Kisten jetzt im Keller des Stadtarchivs unter Verschluss.

Der Inhalt: Tausende Negative, darunter auch von Jungen, die Weber nackt ablichtete. Die Kisten sind Teil des Foto-Nachlasses, der dem Archiv im vergangenen Jahr übergeben wurde. Sie seien an eine Journalistin herausgegeben worden, ohne sie, wie üblich, vorher zu sichten.

Weber hatte 1988 und 1989 fünf seiner Schüler sexuell missbraucht. 1989 musste er die Schule deshalb verlassen und arbeitete für das Hessische Institut für Lehrerfortbildung.

Mit dem Fund rückt das Verhalten der damaligen Leiterin der Helene-Lange-Schule, Enja Riegel, erneut in den Blickpunkt. Sie hatte die Missbrauchsfälle im Frühjahr 2009 öffentlich gemacht. Ihr wurde daraufhin vorgeworfen, die Taten bei Bekanntwerden nicht angezeigt zu haben. Sie hatte damit dem Wunsch der Eltern der missbrauchten Jungen entsprochen. Die inzwischen pensionierte Riegel hatte allerdings das Kollegium und den Elternbeirat der Schule informiert und Webers Vergehen der Schulaufsicht gemeldet.

„Wir haben die Einleitung eines Disziplinarverfahrens gegen Riegel geprüft und verworfen“, sagte Schulamtsleiterin Ute Schmidt am Montag auf Anfrage. Es sei „unerheblich“, ob Riegel die Behörde informiert habe oder nicht, da es sich dabei um ein nur geringes Vergehen gehandelt hätte. Nun wolle man die Ermittlungen der Staatsanwaltschaft zum Nachlass Webers abwarten. „Das Verhalten des Kunstlehrers wurde von uns ohnehin als schwerwiegend bewertet, daran ändert sich nichts“, so Schmidt. Dazu, ob der Fund Riegel belasten könne, weil es sich beim Missbrauch vielleicht nicht um Einzelfälle gehandelt haben könnte, wollte sich Schmidt nicht äußern.

Riegel hatte 1997 mit Weber ein Buch über die Helene-Lange-Schule mit dem Titel „Das andere Lernen“ veröffentlich, an dem auch Gerold Becker beteiligt war. Mit Becker, dem inzwischen ebenfalls verstorbenen Leiter der Odenwaldschule, der dort über Jahre hinweg Jungen missbraucht hatte, war Riegel befreundet .

Sie hatte gemeinsam mit einigen Kollegen nach Webers Tod dessen Nachlass gesichert. Darunter waren auch die beiden Kisten mit den fraglichen Kinder-Aufnahmen. „Niemand von uns hat damals diese Negative angesehen“, sagt Riegel dazu.

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