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Nacht der Museen 2010 Alle meine Entchen auf Main

Eines ist neu bei der diesjährigen Nacht der Museen: Bunte Tiere leuchten per LED und verbinden über den Main schwimmend die rund 50 teilnehmenden Museen. Ansonsten gibt es viel Gewohntes in der Nacht zu sehen. Von Lia Venn

23.04.2010 00:04
Lia Venn
Bei der Nacht der Museen am 24. April 2010 gibt es kleine, leuchtenden Entchen auf dem Main. Foto: FR/Fickert

Museumsreif - das kann zweierlei bedeuten: olle Kamelle oder Knaller. Kamellen interessieren aber nicht. Knaller schon, die kann man so toll finden, dass man sich wünscht, in dem Moment, wo man sie liest oder sieht, dass sie alle sehen oder lesen können, vielleicht an der nächsten Hauswand, schön groß. Alle für die Museumsnacht erwarteten rund 40000 Besucher.

Zum Beispiel dieses Zitat vom Schriftsteller Stephan Thome aus seinem Knaller "Grenzgang": "Die Welt war voller Leute, die an ihrem aufgeblasenen Ego hingen wie an einem Heißluftballon ohne Gondel: zappelnd, grotesk, vom Absturz bedroht. () Wie oft hatte er durch die Nase gesprochen und an seinem Brillenbügel gekaut und, wenn ihm nichts mehr einfiel, ,Dialektik gesagt. Wer brauchte das?" Wie wahr.

Oder in einem Interview der Schauspieler Sean Penn: "Wissen Sie, was ich glaube? Dass wir in eine Welt hineingeboren werden, in der sich niemand die Zeit nimmt, der zu werden, der er ist - und all diese Menschen, die nicht sie selbst sind, verletzen die wenigen Menschen, die sich diese Zeit nehmen." Oh ja. An die Wand mit Knallern wie dem Kunstfilm "Der rechte Weg" der Schweizer Künstler Fischli und Weiss. Knaller wie das Video "Anthem" von Bill Viola. Das Deutsche Filmmuseum - zurzeit wegen Umbaus ja geschlossen - nimmt trotzdem teil an der Nacht der Museen - mit dem Knaller "A wall is a screen". Eine Wand ist ein Bildschirm. Sagen wir doch. Das Filmmuseum macht das Straßenpflaster zum Kinosaal, die Hauswand zur Leinwand.

Wenn ein Film vorüber ist, geht es weiter zur nächsten Wand. Start (22 Uhr) und Schluss (24 Uhr) ist am Tiefkai. Gezeigt werden zehnminütige Kurzfilme, so dass ein Einstieg praktisch jederzeit möglich ist. Allein für diesen Knaller lohnt sich schon die ganze Nacht der Museen. Aber es gibt noch viel mehr.

Ebenfalls am Tiefkai, wo inzwischen Enten aus aller Welt zu Hause sind, beginnt um 22 Uhr erstmals in der Nacht der Museen ein Gummi-Entchen-Rennen. Die bunten Tiere leuchten per LED und verbinden über den Main schwimmend gleichsam die rund 50 teilnehmenden Museen. Die Entchen bekommt man am Nacht-der-Museen-Infostand auf dem Römer für sechs Euro; bis spätestens 21.30 Uhr sollte jeder seine Ente am Tiefkai vor dem Museum der Weltkulturen eingecheckt haben. Zu gewinnen gibt es unter anderem ein Kulturwochenende in Zürich, das sich doch gut mit einem Besuch im Kunsthaus füllen ließe, in dem unter anderem Werke von Peter Fischli und David Weiss zu bestaunen sind. Der Erlös des Enten-Rennens geht ans Atelier Goldstein, in dem Christiane Cuticchio mit Menschen mit Down-Syndrom arbeitet, die über ein außergewöhnliches künstlerisches Potenzial verfügen.

Ansprechend ist auch die Idee des Frankfurter Fotografen Freddy Langer: Er hat Prominente porträtiert, während die eine Schlafmaske tragen. Iris Berben ist dabei, ferner John Malkovich, Bono, Dennis Hopper und Tatortkommissare. Zu sehen sind die Fotografien im 28. Stock von Frankfurts größtem Ebbelweiglas, dem Westhafentower am ehemaligen Westhafen. Seit 30 Jahren arbeitet Freddy Langer an der Fotoserie, die auch als Memospiel erschienen ist. In der Museumsnacht können Besucher auf zwei Blankokarten durch ausgedruckte Prints Teil dieses Spiels werden. Lassen Sie aber bitte Ihre Waffen zuhause. Denn

"Don´t take your guns to town" heißt die Ausstellung in der Weißfrauenkirche im Bahnhofsviertel. Peter Sauerer zeigt im Gotteshaus an der Ecke Weser- und Gutleutstraße aus Holz geschnitzte Handfeuerwaffen.

Auch nicht schlecht: Im erst 2005 gegründeten, kleinen Hammermuseum, Münchner Straße 36, führt Bildhauer Oskar Mahler zwischen 19 und 23.30 Uhr durch die Ausstellung mit fast 1000 dieser Werkzeuge - die für ihn mehr sind als das, nämlich Symbol für Durchbrüche in der Geschichte des Menschen.

"Das Wesen im Ding" wiederum heißt die aktuelle Schau im Frankfurter Kunstverein im Steinernen Haus am Römerberg. Der Ort passt: Zur Frankfurter Museumsuferlandschaft zählen auch Häuser, die nicht direkt am Wasser stehen. Zwischen 19 und 23 Uhr zeigen Raman Zaya und Aljoscha Sena Zinflou dort die interaktive Performance "Item´s not for sale".

Zusammen mit dem Publikum geht es dabei um das temporäre Vorzeigen und Präsentieren von Dingen. Indem sie in einen anderen Kontext gestellt werden, stellen die Künstler Fragen, etwa: Welche Sprache sprechen die Dinge, wenn sie ihren Besitzer, Behälter oder Träger verlassen? Nachdem man dann dergestalt sein Hirn beansprucht hat, lohnt sich an selber Stelle vielleicht ein wilder Tanz - von 24 Uhr an, wenn die DJs Hans Romanov und Thilo Kraft ihren "wild mix" auflegen.

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