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Nachruf Trauer um Johannes A. Nikel

Johannes A. Nikel, der Gründer der Satire-Zeitschrift Pardon, ist mit 88 Jahren gestorben. Zuletzt arbeitete er als Künstler und Bildhauer. Ein Nachruf.

Hans A. Nikel
Johannes A. Nikel, hier in jungen Jahren, war fraglos ein großer Meister seines Fachs. Foto: Manfred Rehm (dpa)

Der Verleger, Bildhauer und Publizist Johannes A. Nikel ist tot. Er starb nach längerer Krankheit im Alter von 88 Jahren am Donnerstag (27. Dezember) in Bad Homburg. Bekannt wurde er vor allem als Herausgeber und Chefredakteur der literarisch-satirischen Monatszeitschrift Pardon, die zwischen 1962 und 1980 eine Auflage von bis zu 320 000 Exemplaren erreichte. 

Der im oberschlesischen Bielitz geborene Nikel lernte das journalistische Handwerk nach dem Krieg bei der „Süddeutschen Zeitung“, ehe er 1949 als Redakteur zur Frankfurter Rundschau wechselte. Zwei Jahre später gründete er mit einigen Mitstreitern die Deutsche Verbrauchervereinigung, aus der später die Verbraucherzentralen hervorgingen. Als Hans A. Nikel gründete er 1954 zusammen mit Erich Bärmeier den Verlag Bärmeier & Nikel und veröffentlichte unter anderem die „Kleinen Schmunzelbücher“ mit ersten Werken von damals wenig bekannten Autoren und Zeichnern wie Robert Gernhardt, Chlodwig Poth, Hans Traxler und F. K. Waechter, die später als „Neue Frankfurter Schule“ populär wurden. 

Sie lieferten von 1962 an auch wesentliche Beiträge zur Monatszeitschrift Pardon. „Mit Pardon brachte Nikel eine ungekannte Bissigkeit in die muffige Adenauer-Ära. Größen wie Loriot, Erich Kästner, Alice Schwarzer und Martin Walser arbeiteten für das Magazin, frech gegen Springer-Presse und den Atomstaat wetternd“, erinnerte Spiegel-Online vor drei Jahren. 

Nach dem Verkauf der Kultzeitschrift begann ihr einstiger Gründer, nunmehr unter seinem Geburtsnamen Johannes A. Nikel, das, was er selbst als sein „zweites Leben“ bezeichnete. Er promovierte in Philosophie mit einer Arbeit über den Mystiker Meister Eckhardt und arbeitete seitdem als Künstler und Bildhauer. Er schuf mehr als 120 Bronzeskulpturen und Plastiken, die in mehreren Ausstellungen, aber auch in seiner Bad Homburger „Galeriewohnung“ präsentiert wurden. „Hier spinnt einer: wunderbar, und vielleicht für manche ganz unbegreiflich. Was Johannes Nikel hat: eine Phantasie, die sich nicht erschüttern lässt – und in unserem eigenen Kopf beginnt ein Erzählprozess“, merkte der Schriftsteller Peter Härtling dazu an. 

Im letzten Lebensjahrzehnt kämpfte er vor allem für sein Projekt „Phantasie-Arche“, womit er ein Museum „phantastisch-poetischer“ Kunst meinte, eine Ausstellung der „Kunst, die erzählen will“. Sein Konzept steht, „einfühlsame“ und zahlungskräftige Förderer haben sich bisher nicht gefunden. 

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