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Nach Tod eines Nigerianers Trauer um Emeka Okoronkwo

Am Mittwoch haben sich Freunde, Verwandte und Lehrer des Toten zu einer Gedenkveranstaltung getroffen. Im Polizeipräsidium versucht die Mordkommission derweil weiterhin den Tathergang zu rekonstruieren.

Emeka Okoronkwo musste sterben, als er in eine Prügelei eingreifen wollte. Foto: Polizei Frankfurt

"Er war ein sehr anständiger Kerl." Sania Zayan spricht leise. Sie ist immer noch geschockt von dem, was am Sonntag im Bahnhofsviertel geschehen ist. Zayan ist Psychologin beim Kolping Bildungswerk. Zu den jungen Leuten, mit denen sie zusammenarbeitete, zählte auch Emeka Okoronkwo, der 21 Jahre alte Nigerianer, der sich bei Kolping auf eine Ausbildung zum Restaurantfachmann vorbereitete. Am Sonntagmorgen, gegen 6.40 Uhr, wurde er auf der Münchener Straße niedergestochen und starb.

Am Mittwochvormittag haben sich Freunde, Verwandte und Lehrer von Emeka Okoronkwo im Kolpinhaus zu einer Gedenkveranstaltung für den jungen Mann getroffen. Knapp 100 Menschen kamen, "mit so vielen hatte ich gar nicht gerechnet", sagt Zayan, die die Trauerfeier organisiert hatte. Gemeinsam zogen sie anschließend zum Tatort und legten Blumen nieder. Blumen für einen Mann, der helfen wollte und deshalb getötet wurde.

Im Polizeipräsidium versuchen die Beamten der Mordkommission derweil weiterhin den Tathergang zu rekonstruieren. Fest steht, dass Okoronkwo zwei Frauen helfen wollte, die eine 29, die andere 43 Jahre alt. Sie waren gerade aus der Salsa-Diskothek "Chango" an der Münchener Straße gekommen und warteten an der nahe gelegenen Straßenbahnstation auf eine Tram. Dort trafen sie Okoronkwo.

Zwei Afrikaner sprachen die Frauen an, wie Polizeisprecher Alexander Kießling berichtet. Die beiden Männer wollten mit den Frauen schlafen. Als die empört ablehnten, wurden die Männer sauer, einer spuckte die Frauen an. Nun schaltete sich Okoronkwo ein, es gab ein Gerangel. Plötzlich zog einer der beiden Männer ein Messer, stach dem Nigerianer in die Brust. Okoronkwo sackte zusammen. Einige Stunden später starb er in einem Krankenhaus.

Die beiden Männer flüchteten in Richtung Kaiserstraße. Nachdem die Ermittler am Dienstag bereits ein Phantombild des Mannes veröffentlichte, der zugestochen haben soll, gaben sie am Mittwoch auch ein Bild des Mittäters heraus. Er ist - wie der Messerstecher - Eritreer, etwa 30 Jahre alt und 1,75 Meter groß. Am Sonntagmorgen trug er eine Bluejeans, eine schwarze Lederjacke und ein helles T-Shirt.

Dass Okoronkwo den beiden Frauen helfen wollte, wundert Sania Zayan nicht. Der junge Mann, der als Kind mit seiner Familie nach Deutschland kam, habe sich imer für andere eingesetzt. Okoronkwo, der im Kolpinghaus wohnte, war im Jugendzentrum Dietzenbach aktiv und nahm an Seminaren als Streitschlichter teil.

Im September sollte Emeka Okoronkwo das Förderprogramm des Kolpingwerks verlassen und eine reguläre Ausbildung im Ibis-Hotel beginnen. Dort hatte er vor wenigen Wochen ein Praktikum absolviert und einen sehr guten Eindruck hinterlassen. Später einmal, hat Emeka Okoronkwo gesagt, wolle er im Hilton arbeiten.

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