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Muslime in Hessen Kirche verteidigt Islamverband

Die Beobachtung des Deutsch-Islamischen Vereinsverband Rhein-Main durch den Verfassungsschutz stößt nicht nur auf Zustimmung. Die Kirche warnt davor, Prävention vor Radikalisierung sei dadurch zum Scheitern verurteilt.

Muslime beim Freitagsgebiet. (Symbolbild) Foto: dpa

Die Entscheidung des hessischen Verfassungsschutzes, den Deutsch-Islamischen Vereinsverband Rhein-Main (DIV) unter Beobachtung zu stellen, hat eine breite Debatte ausgelöst. Das Amt hatte mitgeteilt, ein Drittel der Mitgliedsvereine im DIV seien teils extremistisch, es bestünden Kontakte zu den islamistischen Muslimbrüdern und in die salafistische Szene. Das Bundesfamilienministerium hatte beschlossen, die Förderung eines DIV-Jugendprojekts einzustellen. Der Verband selbst hatte die Entscheidung als unverständlich kritisiert.

Frankfurts Bürgermeister Uwe Becker (CDU) sagte der FR, der Vorgang zeige, „wie wichtig es ist, sich endlich deutlich von den schwarzen Schafen abzugrenzen“. Die muslimischen Gemeinden, aber auch Staat und Gesellschaft, müssten gegenüber Radikalen „klare Grenzen ziehen“. In Bezug auf das Jugendprojekt sagte Becker, es gehe nun darum, „mit den Vernünftigen so ein Projekt ganz neu aufzusetzen“. Radikale Gruppen zu fördern, um radikalisierte Jugendliche ansprechen zu können, sei ein „völlig falscher Ansatz“. Ein Sprecher der neuen Frankfurter Integrationsdezernentin Sylvia Weber (SPD) sagte, man sei noch dabei, die Vorgänge intern zu bewerten.

Der SPD-Landtagsabgeordnete Turgut Yüksel sagte, es sei nie ein Geheimnis gewesen, dass der DIV Kontakte zu Strukturen der Muslimbrüder habe. „Deshalb fand ich es verwunderlich, dass man diese Gruppen überhaupt so hofiert hat, ohne sie unter die Lupe zu nehmen.“ Man müsse auch mit Gemeinden, die der Verfassungsschutz beobachte, den Dialog suchen, sagte Yüksel. Aber man müsse Kritik offen äußern und dürfe sich beim Thema Islamismus nicht mehr nur auf die salafistische Szene konzentrieren.

Susanne Schröter, Islamwissenschaftlerin an der Frankfurter Goethe-Universität, sagte der FR, der Bedarf an Projekten gegen Radikalisierung sei aktuell so groß, dass die Politik sich über jeden Partner aus der islamischen Community freue. Beim DIV habe man offensichtlich „auf eine gründliche Prüfung verzichtet“.

Rat der Muslime bestürzt

Dass auch in DIV-Moscheen radikale Inhalte vertreten oder salafistische Prediger eingeladen würden, „hätte man nämlich wissen können“, sagte Schröter. Sie hoffe, dass nun genauer hingesehen werde „und man aufhört mit dieser Blauäugigkeit“.

Joachim Valentin, Direktor des Hauses am Dom und im Beirat des Jugendprojekts des DIV, kritisierte dagegen das Aus für die Kooperation mit dem DIV. Prävention sei zum Scheitern verurteilt, „wenn es im Bereich Salafismus keine professionelle Jugendarbeit geben darf, die vom Staat kofinanziert wird“. Ohne die Moscheen finde man zu Jugendlichen aus streng religiösen Familien keinen Zugang, sagte Valentin. Auch fragwürdige Predigten fielen erst einmal unter die Religionsfreiheit, die Muslimbrüder seien „ein fester Bestandteil des arabischen Islam“, sagte Valentin. „Wir müssen mit den Muslimen arbeiten, die wir haben.“

Der in Köln ansässige Zentralrat der Muslime in Deutschland (ZMD) reagierte bestürzt auf die neuen Vorwürfe: „Der DIV zählt bisher zu den Vorzeigeverbänden“, sagte Aiman Mazyek, Chef des ZMD. Mohammed Khallouk, der Vize-Vorsitzende des DIV, sitzt neben Mazyek im Vorstand des ZMD. „Falls sich die Vorwürfe beweiskräftig erhärten, werden wir keine Konsequenzen scheuen“, sagte Mazyek; das könne im Ernstfall auch „den Ausschluss bestimmter Gemeinden bedeuten“.

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