Lade Inhalte...

Musik Jimi Hendrix trifft Mahler

Der "Musikalische Herbst 2010" in Darmstadt. Von Claus-Jürgen Göpfert

19.05.2010 00:05

Es ist eine Erfolgsgeschichte. Sie erzählt, wie aus einem einmaligen Musikfest zum 50-jährigen Bestehen des Landes Hessen (das war 1996) ein gutbesuchtes Festival der (klassischen) Musik hervorgegangen ist. Die Rede ist vom "Musikalischen Herbst" in Darmstadt. Und als der Künstlerische Leiter Stefan Reinhardt jetzt in Frankfurt das Programm für den achten "Herbst" vom 5. September bis 16. Dezember präsentiert, ist er nicht wenig stolz auf diese Karriere. Sieben Spielstätten von Darmstadt bis erstmals Frankfurt kann er aufbieten - und einen Fächer von Weltmusik und Balkan-Folk (David Orlowsky Trio am 22. und 23. Oktober) bis hin zum ersten Darmstädter Gastspiel eines legendären Klangkörpers: Das Gewandhausorchester Leipzig gastiert am 15. Oktober. Schon vom Ende des 19. Jahrhunderts sind erste musikalische Aktivitäten des ältesten pharmazeutisch-chemischen Unternehmens der Welt bekannt. Heute unterstützt Merck das Festival mit 300 000 Euro, seit 2003 besteht die "Philharmonie Merck", ein professionelles klassisches Orchester mit 80 Musikerinnen und Musikern unter der Leitung von Chefdirigent Wolfgang Heinzel. Konzertreisen führten es nicht nur in europäische Großstädte, auch nach Brasilien, Mexiko, Indien oder Litauen.

Die "Philharmonie Merck" trägt die sechs diesjährigen Weihnachtskonzerte zwischen 8. und 12. Dezember, die zur kleinen Tournee von Bensheim über Weiterstadt, Jugenheim, Darmstadt bis Gernsheim geraten. Im musikalischen Mittelpunkt steht der Gast Henrik Wiese, Chef-Flötist des BR-Sinfonieorchesters. Zu hören sind Werke unter anderem von Vivaldi, Mozart und Carl Philipp Emanuel Bach.

Unter dem Motto "Unvollendet" widmet sich die "Philharmonie" mit Dirigent am 13. November Werken von Bruckner, Bach und Schubert. Bruckner etwa konnte von seiner neunten Sinfonie nur noch drei Sätze komponieren.

Das Gewandhausorchester mit Dirigent Herbert Blomstedt bringt als Solistin die junge Geigerin Arabella Steinbacher mit, den repräsentativen Rahmen stellt das Staatstheater Darmstadt. "Ohne das Staatstheater wären wir verloren", urteilt Stefan Reinhardt schlicht. Denn noch kann er von einem Gastspiel des "Musikalischen Herbst" etwa in der Alten Oper in Frankfurt nur träumen. Immerhin ist zum ersten Mal der Hessische Rundfunk Gastgeber: Beim zweiten Abend des musikalischen Auftakts der "Philharmonie" am 12. September. Im Jahr des 150. Geburtstags von Gustav Mahler erklingt die visionäre 3. Sinfonie - mit den Mezzosopranistinnen Petra Lang und Gerhild Romberger.

Stellenweise schön schräg

Keine Frage, das Programm bemüht sich um größtmögliche Bandbreite. Wenn am 1. Oktober das New Yorker Orchester Jan Vogler &The Knights im Staatstheater auftritt, ist nicht nur Beethoven und Schostakowitsch zu hören - sondern auch Jimi Hendrix "Machine Gun". Am 4. November verspricht das flämische Orchester Anima Eterna mit zwei Pleyel-Hammerflügeln "superben Klanggrusel" mit Chopin und Berlioz: "Da wird stellenweise ganz schön schräg gespielt", kündigt Reinhardt an. Den vorweihnachtlichen Schlusspunkt setzt am 16. Dezember der Chor des traditionsreichen New College aus Oxford: Seit 1370 pflegt er die Texte und Melodien des englischen "Christmas Carol".

Der "Musikalische Herbst" will ein breites Publikum erreichen - das lässt sich an den Preisen ablesen. Es gibt Einstiegstarife von zehn Euro, "damit kann sich jeder arrangieren", hofft Stefan Reinhardt. Selbst beim Konzert des Gewandhausorchesters sind die besten Plätze schon für 60 Euro zu haben. Es gibt eine 50-prozentige Ermäßigung für Schüler, Auszubildende, Studenten.

Musikalischer Herbst Darmstadt 2010, von 5. 9. bis 16.12., www.philharmonie-merck.de

Die Zeitung für Menschen mit starken Überzeugungen.

Multimedia App E-Paper
App
Online Kundenservice Abo-Shop
Ok

Um Ihnen ein besseres Nutzererlebnis zu bieten, verwenden wir Cookies. Durch Nutzung unserer Dienste stimmen Sie unserer Verwendung von Cookies zu. Weitere Informationen