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Musik Chorgesänge auf Schwedenart

Der A-Cappella-Chor Swensk ton der schwedischen Kirchengemeinde überrascht mit immer neuen Kompositionen. Und bringt stets viel Proviant mit zur Probe. Anita Strecker hat ihn besucht.

03.12.2008 00:12
Anita Strecker
Der schwedische Chor Swensk Ton probt unter der Leitung vonChorleiter Nils Kjellström im Gemeindehaus der Dornbuschgemeinde. Foto: FR/Oeser

Sie rücken mit Thermoskannen, Wasserflaschen und Proviant an. Wohlweislich. Denn wenn Swensk ton sich in der Dornbuschgemeinde trifft, wird es eine lange Nacht. Drei Stunden Probe, unbestimmte Zeit Ausklang in einer Kneipe. Swensk ton.

Schon der Name lässt ahnen, dass bei diesem Chor aus 46 Stimmen einiges anders ist als bei anderen Chören in der Stadt. Barbara Nickerson bringt es mit drei Spiegelstrichen auf den Punkt: - Repertoire - Auftritt - Ausstrahlung. Allmählich füllt sich der Saal. Gymnastik, reden, lachen, einsingen, dann stellen sich die Sängerinnen und Sänger bunt gemischt im Kreis auf. Sopran, Alt, Tenor, Bass? Die klassische Chorordnung ist revolutioniert, kein Verlass, dass der Nachbar tonsicher die eigene Stimme vorgibt.

Swenks ton macht es auf schwedische Art

Swensk ton macht es auf schwedische Art. "Wenn man durcheinander steht, hört man ein Lied wie es mit allen Stimmen klingt", sagt Nickerson. Gefühl fürs Ganze entwickeln, Training für die eigene Stimmsicherheit.

Wobei der Name Swensk ton nicht die ganze Wahrheit erzählt. Der Chor hat 1982 zwar mal als Schwedenchor der schwedischen Kirchengemeinde Frankfurt angefangen, aber richtige Schweden gibt es noch vier oder fünf, sagt Nils Kjellström. Er ist ein echter. Hat den Chor einst gegründet und leitet ihn seither. Bestes a capella, acht Stimmlagen stark, immerhin das ist von den Anfängen geblieben.

Ansonsten hat sich der Chor als Verein selbstständig gemacht - und ist international geworden. Spanien, Amerika, Frankreich - alle Weltsprachen sind in dem kleinen Kreis vertreten. Schwedisches Chorrepertoire gehört zwar noch dazu, aber auch viel aus dem Baltikum, aus Russland, Kanada - kurz von überall her, wo A-Cappella-Chöre verbreitetes Kulturgut sind.

Selten betreibt ein Chor so viel Aufwand

Sie haben viel ausprobiert, sagt Nils Kjellström. Madrigale gesungen, viel Renaissance, schwedisches Liedgut natürlich - und ihre Nische schließlich bei Neukompositionen und modernen Werken gefunden, die Kjellström für den Chor arrangiert. Und der Kirchenmusiker, Chorleiter, Komponist und Musikverleger recherchiert ständig nach neuem Stoff. "Es gibt wohl kaum einen Chor, der so viel Aufwand in die Suche legt", sagt Nickerson.

Aber es lohnt: "Mal hören, was ihr jetzt wieder ausgegraben habt", ist so ein Standardsatz, den Kjellström bei jedem Konzert zu hören kriegt. Vor allem von Kollegen, die just um der Neuheiten Willen kommen. Aber die ziehen auch die Chormitglieder in ihren Bann. Nickerson reist jeden Montag eigens von Limburg zur Probe an, eine andere gar von Mannheim.

Wobei das Winterkonzert, das Swensk ton am Samstag, 6. Dezember, in der Heiliggeistkirche bietet, einen ureigenen schwedischen Brauch in den Mittelpunkt rückt: das Lucia Fest. Mit Lucia, die mit Kerzenkranz auf dem Kopf singend das Licht bringt. Mia Ekström Johansson, langjährige Lucia bei Swensk ton, reist eigens aus Göteborg für ihre Rolle an.

Kai Weber kommen dabei immer die Tränen, gesteht er. Vor Jahren ist der technische Redakteur über eine Anzeige zum Chor gestoßen. Er singt im Bass und moderiert die Konzerte. Die Leute sollen schließlich verstehen, was ihnen in schwedisch und sonstigen Sprachen dargeboten wird. Früher hat er Bass in einer Band gespielt, sagt Kai Weber. Seit er bei Swensk ton singt, kann er sich nicht mehr vorstellen, nicht zu singen. Auch eine Erkenntnis, die den Aufwand lohnt.

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