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Murot-Tatort 51 Leichen im Ausnahme-„Tatort“

Unheimliche Szenen im Frankfurter Städel, eine der übelsten Ballereien der „Tatort“-Geschichte in der Wiesbadener Spielbank und der abgewirtschaftete Bahnhof in Erbenheim als geniale Kulisse für eine Western-Szene: Ein Blick auf die Tatorte im Murot-„Tatort“.

Ulrich Tukur als Kommissar Murot (vorne) und Ulrich Matthes als Bösewicht Richard Harloff beim Dreh im Frankfurter Städel. Foto: Städel-Museum

Und dann, als der Sohn von Kommissar Murot tot am Boden liegt, hat die Strichliste doch noch ein Ende. 51 Tote. Vier mehr als von der Nachrichtenagentur dpa angegeben. Vier mehr auch als beim Pressetermin während des Drehs im Sommer 2013 angegeben. Doch, es sind 51 Menschen, die bei diesem – nun ja – etwas anderen „Tatort“ des Hessischen Rundfunks ihr Leben lassen. Wer es nicht glaubt, kann sich den Film, der gestern Abend in der ARD ausgestrahlt wurde, in der Mediathek des Senders noch einmal ansehen.

Kollege H. wird das vermutlich nicht tun. Sein Eindruck nach wenigen Szenen: „Ein Film von Geisteskranken für Geisteskranke.“ Andere dürften heute hingegen schwärmen von einem „Tatort“, der an das antike Theater angelehnt ist, bei dem Quentin Tarantino Pate stand und Ulrich Tukur als Kommissar zur Höchstform aufläuft.

51 Tote in 90 Minuten. Das ist Rekord in der langen „Tatort“-Geschichte. Sogar Til Schweiger in Hamburg kann da nicht mithalten. Um die Zahl einschätzen zu können: In ganz Hessen gab es im vergangenen Jahr 58 wirkliche Morde. Die 51 Toten hätten die Statistik also ganz schön versauen und Innenminister Peter Beuth (CDU) gewaltig in Erklärungsnot bringen können – wenn nicht alles nur erfunden wäre. Auf der anderen Seite werden die Taten ja alle aufgeklärt. Bei den 58 real geschehenen Morden, trifft das nur auf 56 zu.

Bei den Debatten darum, ob dieser „Tatort“ der beste aller Zeiten oder einfach nur Quatsch war, gerät das eigentliche Thema bei den Produktionen des HR in den Hintergrund: die Frage, wo sich die Originalschauplätze befinden und welche lokalen Besonderheiten es gibt.

Therapie im Museum

Das ist ziemlich schade, weil Kommissar Murot nämlich beim Landeskriminalamt (LKA) arbeitet und das LKA in ganz Hessen tätig ist. Deshalb bekommen wir bei den „Tatort“-Folgen mit Ulrich Tukur nicht nur Bilder aus einer Stadt, sondern auch mal vom Edersee zu sehen.
Oder aber aus Wiesbaden-Erbenheim. Auf dem dortigen Bahnhof spielt eine der ersten Szenen, in der Bösewicht Richard Harloff aus dem Zug steigt und sofort drei Männer sterben, ohne dass Harloff (senior) einmal zur Waffe gegriffen hätte. Eine geniale Kulisse, weil der alte Bahnhof so abgewirtschaftet ist, wie man es für eine Western-Szene (und nichts anderes ist der dreifache Mord) erwartet.

Dann ist da noch die Wohnung von Murots Sohn in der Fürstenberger Straße. Es wird nicht explizit gesagt, aber wir vermuten mal, dass es um die Fürstenberger Straße in Frankfurt geht. In Wiesbaden gibt es eine solche Straße nämlich nicht, und außerdem sagt der Sohn, dass er Kunstgeschichte studieren will, was an der Hochschule Rhein-Main in der Landeshauptstadt nicht geht, an der Frankfurter Goethe-Universität hingegen vorzüglich.

Genau genommen wohnt der junge Mann nur einen Steinwurf vom Campus entfernt, vermutlich zahlt er deutlich mehr als zehn Euro pro Quadratmeter, was sich kein normaler Student leisten kann. Aber der Sohn von Kommissar Murot ist ja auch kein normaler Student, sondern ein Killer, und bevor er sich immatrikuliert hat, ist er auch schon tot.

Die wichtigsten Gebäude in dem „Tatort“ sind aber die Spielbank Wiesbaden und das Städel in Frankfurt. Die Spielbank ist die Kulisse für eine der übelsten Ballereien der „Tatort“-Geschichte, das Städel ist Ort einer Konfrontationstherapie. Schurke Richard Harloff hat nämlich Angst vor Gemälden. Eine Krankheit, die es wirklich gibt.

Im Städel ist man recht stolz auf die dreiminütige Szene, die darin gipfelt, dass Harloffs Kopf ins Gemälde „Die Heiligen der Familie Crotta“ von Giovanni Battista Tiepolo eintaucht. So stolz, dass es am Sonntagabend ein Public Viewing im Museum gab. Rund 200 „Tatort“-Fans schauten sich den Film an; zuvor wurde eine kurze Führung durch die Ausstellungsräume angeboten.

Karoline Leibfried, Pressereferentin des Städel-Museums, erinnert sich noch gut an den Tag, an dem die etwa 40-köpfige Filmcrew in den Saal der Italiener unter den Alten Meistern anrückte. Es war im Juni 2013, an einem Montag, an dem das Städel geschlossen hat. Zeitweise sei darüber diskutiert worden, ob Gemälde umgehängt werden, doch diesen Plan hätten die Filmemacher schnell aufgegeben. Schon wegen der Konservatoren, die derartige Aktionen nicht gut finden.

Am 22. Februar gibt es den nächsten hessischen „Tatort“ zu sehen. Dann mit Joachim Król aus Frankfurt. Mit weniger Toten, vermutlich. Aber auch mit Bildern aus nur einer Stadt.

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