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Müll Biotüten kompostieren zu langsam

Die Hessen sammeln immer mehr kompostierbare Abfälle. Viele Anlagen können Spezialbeutel nicht gebrauchen.

12.11.2018 21:30
Anlage für Bioabfall
Verrottet zu langsam und lässt sich nicht vergären: die im Handel erhältliche kompostierbare Tüte für den Biomüll. Foto: Frank Rumpenhorst (dpa)

Was einmal Kartoffelschale oder Teebeutel war und in der Biotonne gelandet ist, steckt nun in einem dampfenden Komposthaufen. Mehrere dieser Hügel erheben sich auf dem Gelände des Humus- und Erdenwerks in Niddatal-Ilbenstadt. Dort wird aus den Bio- und Gartenabfällen der Wetterauer Haushalte Kompost, Flüssigdünger und Strom gewonnen. Hessenweit gibt es solche Anlagen – die vor ähnlichen Herausforderungen stehen: Sie müssen all das herausfischen, was die Verbraucher falsch sortiert haben.

Zu den häufigsten Fremdstoffen in der Biotonne gehören Kunststoffe wie Folien oder Metall wie verlorene Küchenmesser. Und immer wieder die kompostierbaren Kunststoffbeutel, die vielen Entsorgern aber Probleme bereiten. Am besten wäre es natürlich, wenn gar keine Fremdstoffe in der Biotonne landeten, sagt Jürgen Roth, der Geschäftsführer der Abfallwirtschaft Wetterau. „Ist aber utopisch.“ Also appellieren die Kommunen regelmäßig an die Sammelmoral der Bürger, geben Sortiertipps oder führen Kontrollen durch.

Die hessischen Haushalte haben zuletzt rund eine halbe Million Tonnen Biomüll gesammelt, Tendenz steigend. Das geht aus der Abfallmengenbilanz des Landes Hessen für das Jahr 2016 hervor. Der allergrößte Teil des gesammelten Bioabfalls, fast 95 Prozent, wurde demnach stofflich verwertet, der Rest diente der Energiegewinnung.

Der Anteil der Fremdstoffe im angelieferten Abfall sei zwar gering und liege bei unter einem Prozent, sagt Geschäftsführer Roth über die Situation im Niddataler Werk. Doch dieser sorge allein dort jedes Jahr für einen Schaden von etwa 100 000 Euro. Denn was nicht bio ist, müssen die Anlagenbetreiber aussortieren und das Material kostenpflichtig entsorgen. Ihnen geht zudem „guter“ Abfall verloren, da an den Kunststoffen und Metallen Gemüse- und Obstteile haften, die dann nicht mehr verwertet werden.

Unwissenheit bei Bürgern

Der gute Wille sei bei den Bürgern eigentlich da, sagt Birgit Simon, Sprecherin der Abfallwirtschaft Wetterau. „Die Unwissenheit aber auch.“ Immer wieder stelle man etwa fest, dass der organische Abfall zwar akkurat gesammelt, doch „zigmal verpackt“ weggeworfen werde.

„Wir appellieren immer daran, Papiertüten zu nehmen oder auch eine Lage Zeitungspapier unten in die Tonne zu legen und auf Kunststoffe, egal welcher Art, generell zu verzichten“, betont Roth. Das schließe die biologisch abbaubaren Sammeltüten mit ein. „Die können wir hier im Prozess nicht gebrauchen.“ Sie verrotteten einfach nicht schnell genug. Hinzu komme: „Es sind kompostierbare Tüten, aber nicht vergärbare.“ Genau darauf kommt es aber den Betreibern der Niddataler und ähnlicher Anlagen an: Der Bioabfall soll in einer braunen, warmen Brühe vor sich hingären und dabei Gase entwickeln, die später in Energie umgewandelt werden.

Am Anfang des Prozesses in Niddatal steht eine Maschine, die den Abfall zerkleinert. Auf einem Förderband geht es weiter. Metall wird automatisch aussortiert, ein Sieb trennt grobes von feinem Material, was auch Fremdstoffe herausholt. Dann geht es hinein in einen sogenannten Fermenter, wo der Gärprozess läuft. Ähnlich wie bei einem Hefeteig sei dafür Wärme und eine „Starthilfe“ nötig, erklärt Roth. Also wird die Masse mit dem Gärrest einer vorangegangenen Phase „angeimpft“. Zwei Wochen gärt sie dann vor sich hin.

Ein großer Speicher sammelt das gewonnene Biogas, das in zwei Blockheizkraftwerken zur Stromgewinnung genutzt wird. Die Niddataler Anlage erzeugt laut Betreiberangaben pro Jahr so viel Strom, dass der eigene Bedarf sowie der von etwa 1200 Haushalten gedeckt werden kann. Aus dem Gärrest wird dann Kompost und Flüssigdünger hergestellt - die letzte Phase des bis zu zehnwöchigen Prozesses.

Danach können Landwirte oder Hobbygärtner das Material auf ihren Feldern und Beeten auftragen. Der Kompost muss Roth zufolge bestimmte Qualitätskriterien erfüllen und Grenzwerte einhalten – nur dann gebe es das Qualitätssiegel der „Gütegemeinschaft Kompost“.

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