Lade Inhalte...

Moscheebau Der Muezzin ruft bald in Kassel zum Gebet

Am Samstag legt Oberbürgermeister Bertram Hilgen (SPD) den Grundstein für den Bau des muslimischen Gotteshauses im Kassler Stadtteil Oberzwehren. Anwohner haben immer noch Ängste und Bedenken.

28.08.2008 16:08
Ein computergeneriertes Bild zeigt die geplante Großmoschee in Kassel. Foto: ddp

Kassel (ddp) - Das über 30 Meter hohe Minarett einer Moschee wird demnächst im Kasseler Stadtteil Oberzwehren emporragen. Zwar gibt es bereits zahlreiche muslimische Gebetshäuser in der nordhessischen Stadt, doch der Neubau für rund 300 Gläubige auf dem Mattenberg ist der erste mit einem Minarett.

Am Samstag legt Oberbürgermeister Bertram Hilgen (SPD) den Grundstein. Das Projekt war, als es vor acht Jahren bekannt wurde, höchst umstritten. Zwar legten sich die Wogen der Empörung, doch Bedenken und Ängste gibt es weiter.

"Die Menschen im Quartier haben das Gefühl, vernachlässigt zu werden", sagt der Islambeauftragte der Evangelischen Kirche von Kurhessen-Waldeck, Konrad Hahn und mahnt, diese Bedenken ernst zu nehmen. Der Mattenberg ist ein vergleichsweise junges Wohnquartier am Kasseler Stadtrand mit etwa 4000 Einwohnern. In den 1930er Jahren bauten die Henschel-Flugmotorenwerke dort Wohnungen für Beschäftigte.

Heute gilt das Quartier wegen seines hohen Anteils an Arbeitslosen und Migranten als "sozialer Brennpunkt".

Seit 1983 gibt es einen Verein Türkisch Islamische Gemeinde, der zur Türkisch Islamischen Union der Anstalt für Religion (DITIB) gehört. Als Gebetsraum diente den Muslimen eine umgebaute Leichtbauhalle, die sie Anfang der 90er Jahre samt Grundstück kauften. "Wir brauchen jetzt etwas Neues, Modernes", sagt der stellvertretende Vorsitzende der Gemeinde, Symer Bas. Das alte Gebäude sei marode, zudem sei die Gemeinde inzwischen auf 280 Mitglieder - außer Türken auch Muslime aus anderen Nationalitäten - gewachsen.

In einem ersten Bauabschnitt sollen neben dem jetzigen Gebetsraum eine Kuppelmoschee mit einem Minarett sowie Räume für Jugendliche, Frauen und Senioren entstehen. Bereits jetzt, so Bas, biete die Moschee Deutschunterricht und Nachhilfestunden für Kinder.

Finanziert werde der Neubau aus Spenden, zinslosen Krediten der Gemeindemitglieder und Sponsorengeldern. "Wenn die Moschee mal fertig ist", freut sich Bas, "wird sie ein Schmuckstück sein".So positiv sehen dies in Kassel nicht alle.

Als 2001 die "Bauvoranfrage" für das Projekt im Rathaus vorgelegt wurde, schlugen die Wogen des Protests hoch. Das Minarett war vielen ein Dorn im Auge. Mit Unterschriften und Leserbriefen machten Anwohner ihrem Unmut Luft. Nach dem 11. September verschärfte sich der Ton nochmals: "Unter dem Deckmantel der Religionsfreiheit" werde "strafbewehrtes Unrecht begangen", warnte der Kasseler CDU-Bundestagsabgeordnete Jürgen Gehb.

Dieser Tage bekräftigten seine Parteifreunde, dass sie an ihrem einstigen Beschluss festhalten, das Minarett abzulehnen. Zwar wird den Muslimen das Recht auf "ansprechende Gebetsräume" zugestanden, doch sie müssten auf die Belange ihrer Nachbarn Rücksicht nehmen. Dem Oberbürgermeister wirft die CDU vor, er habe "die Belange der betroffenen Einwohner nicht berücksichtigt".

Bei den christlichen Kirchen sind unterschiedliche Positionen zu vernehmen: Der evangelische Pfarrer Harald Götte nimmt in seiner 1300 Mitglieder zählenden Gemeinde daher "Angst vor einem Verdrängungsprozess" wahr. Die Stimmung sei "nicht so toll".

In der katholischen Gemeinde auf dem Mattenberg gebe es hingegen "keine großen Diskussionen über den Bau", sagt Pfarrer Albrecht Vey. "Die derzeitigen Räume der Muslime sind unwürdig, wir sehen ein, dass da was passieren muss." So lange nicht der Ruf des Muezzin erschalle, sagt Vey, habe er auch nichts gegen das Minarett. Er beobachte, "dass Atheisten mehr Bedenken haben, als Katholiken".

Die Landeskirche hatte Anfang des Jahres in einer "Handreichung" den Gemeinden Empfehlungen für die "Begegnung von Christen und Muslimen" sowie den Umgang mit Moschee-Projekten gegeben. Darin wird auf die vom Grundgesetz garantierte Religionsfreiheit verwiesen und darauf, dass ein Minarett zum Baustil vieler Moscheen gehört. "Das Sichtbarwerden einer anderen Religion zeigt, dass die Diskussion über die Einwanderung noch geführt werden muss", sagt der Islambeauftragte Hahn.

Die Zeitung für Menschen mit starken Überzeugungen.

Multimedia App E-Paper
App
Online Kundenservice Abo-Shop
Ok

Um Ihnen ein besseres Nutzererlebnis zu bieten, verwenden wir Cookies. Durch Nutzung unserer Dienste stimmen Sie unserer Verwendung von Cookies zu. Weitere Informationen