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Mittelrheintal Lärmschutz stößt auf Skepsis

140 Vorschläge liegen auf dem Tisch, um die vom Bahnlärm geplagten Bewohner des Rheintals zu entlasten. Sie beginnen bei Zwei-Meter-Schallschutzwänden und enden bei Dämpfern an den Schienen. Bürgerinitiativen kritisieren: All das bringe zu wenig.

Direkt an den Bahngleisen im Mittelrheintal ist es besonders laut. Foto: Alex Kraus

Die Vorschläge für mehr Lärmschutz im Mittelrheintal liegen auf dem Tisch. Doch das Interesse der Bevölkerung daran hält sich in Grenzen: „Es ist etwas schade, dass nicht mehr Anwohner daran teilnehmen“, sagt Hans-Georg Zimmermann, Pressesprecher der DB-Netz, auf Anfrage. An acht Orten hat der Beirat die Machbarkeitsuntersuchung bereits vorgestellt, weitere vier folgen in dieser Woche.

Manchmal waren es gerade mal zehn Bürger, die die Informationsveranstaltung besuchten. „Die Leute sind frustriert, weil sie mit ein paar Kleinigkeiten abgespeist werden sollen“, sagt Willi Pusch von der Bürgerinitiative im Mittelrheintal gegen Umweltschäden durch die Bahn. Und Frank Gross vom Bürgernetzwerk Pro Rheintal ist auch nicht zufrieden mit dem, was die Experten in den vergangenen Monaten erarbeitet haben. Lärmschutzwände verschandelten das Unesco-Welterbe und eigneten sich nicht für das trichterförmige Tal. „Das ist nicht die Lösung. Die tieferen Frequenzen klettern über die Wände rüber.“

140 einzelne Vorschläge haben die Experten erarbeitet, um die vom Bahnlärm geplagten Bewohner des Rheintals zu entlasten. Sie beginnen bei Zwei-Meter-Schallschutzwänden und enden bei Dämpfern an den Schienen. Bei den Informationsveranstaltungen sollen Bürger die Ideensammlung ergänzen. Am 15. Juli, so der Zeitplan, nimmt der aus Vertretern der Bahn, des Bundes, der betroffenen Länder und der Bürgerinitiativen bestehende Beirat die Studie ab. Danach geht es darum, wer die Kosten übernimmt.

"Nicht der große Wurf"

Würden alle Ideen umgesetzt, dann könnte die Belastung um bis zu 20 Dezibel sinken, schätzt Pusch. „Das bringt ein bisschen was, ist aber nicht der große Wurf.“ Das Gleisbett im Rheintal sei 160 Jahre alt, die Infrastruktur marode – wie in der gesamten Republik. Wirkliche Entlastung verspricht Pusch sich erst von dem Bau einer neuen Güterverkehr-Trasse außerhalb des Rheintals. „Das dauert aber noch 20 Jahre.“

Weniger milde bewertet Frank Gross von Pro Rheintal die Vorschläge. Er plädiert für beidseitig angebrachte kleine Wände direkt an den Gleisen, die den Schall direkt an der Quelle schlucken. „Er kann sich dann gar nicht erst ausbreiten.“ Beim Einbau könne gleich das Gleisbett erneuert werden. Denn auch die Erschütterungen belasten die Bevölkerung.

Doch Gross findet auch lobende Worte für die Zuständigen bei der Bahn. Sie hätten kapiert, dass der Lärm an der Quelle gemindert werden müsse. „Es hat einen Paradigmenwechsel gegeben“, sagt er.

Er sei „guter Hoffnung“, dass bis zum Jahr 2016 die Hälfte aller Bahn-Waggons mit sogenannten Flüsterbremsen ausgestattet sind. Im Rheintal seien die Schienen „fast flächendeckend“ mit Dämpfern ausgestattet und würden regelmäßig geschliffen, was die Reibungsgeräusche ebenfalls mindere.

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