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Missbrauch im Bistum Limburg Mindestens 23 Kirchenmänner missbrauchten Minderjährige

Die katholische Kirche legt Zahlen zum Missbrauch von Minderjährigen im Bistum Limburg vor. 23 Täter seien erwiesenermaßen übergriffig geworden. Doch ihre Zahl dürfte noch weitaus höher sein.

Erzbistum stellt Zahlen zum Missbrauch vor
Auch das Bistum Limburg nimmt Stellung zum Missbrauchsskandal - und bittet um Entschuldigung. (Symbolbild) Foto: dpa

Im Bistum Limburg haben mindestens 21 Priester, Diakone und Ordensleute Minderjährige sexuell missbraucht oder sind gegenüber ihnen sexuell übergriffig geworden. Diese Zahlen nannte der Verwaltungsleiter des Bistums, Generalvikar Wolfgang Rösch, am Dienstag als Ergebnis der am selben Tag in Fulda veröffentlichten Studie zum sexuellen Missbrauch in der katholischen Kirche, an der sich alle 27 deutschen Bistümer beteiligt hatten.

Einer der Täter sei aus dem Klerikalstand entlassen worden. Dies sei die höchste Strafe, die das Kirchenrecht vorsehe, erläuterte Kirchenrechtler Peter Platen. Zehn weitere seien an die Glaubenskongregation in Rom gemeldet worden, vier Fälle seien noch anhängig. Melden müssen die Bistümer begründete Verdachtsfälle seit 2001. Zwölf weitere Fälle, die die Missbrauchsstudie aufführt, liegen weiter zurück. Diese seien nicht gemeldet worden. Bis dahin, so Platen, seien kirchenrechtliche Verfahren wegen Missbrauchsfällen nicht üblich gewesen. Die seit 2001 bekanntgewordenen Fälle seien zudem bei der Staatsanwaltschaft angezeigt worden.

Insgesamt habe das Bistum Kenntnis von 92 Geistlichen, pastoralen Mitarbeitern, Ordensschwestern, Kirchenmusikern und sonstigen Laien, gegen die Vorwürfe des sexuellen Missbrauchs vorgebracht worden seien. Allerdings, so Rösch, seien nur in den 23 genannten Fällen die Vergehen bewiesen oder zugegeben. Zumindest einige von ihnen stünden nach wie vor im Dienst des Bistums. Auf Nachfrage versicherte Rösch, dass keiner der bekannten Täter noch dienstlich mit Kindern oder Jugendlichen zu tun habe.

Mindestens 85 Personen seien von sexualisierter Gewalt durch Priester und kirchliche Mitarbeiter betroffen. Dabei handele es sich um etwa 50 männliche und 30 weibliche Jugendliche. Die Betroffenen seien zumeist in Kinder- und Jugendeinrichtungen der Kirche, bei Jugendfreizeiten oder als Ministranten zu Opfern des Missbrauchs geworden, erläuterte Kirchenrechtler Platen. Bis zum Juli 2018 habe das Bistum knapp 170 000 Euro materielle Hilfe an die Opfer gezahlt, weitere 60 000 Euro seien für die Finanzierung von Therapien gezahlt worden.

Er und Rösch gehen davon aus, dass mit der Studie die weitaus größte Zahl der Fälle im Bistum erfasst worden sei. Zu diesem Zweck seien in den vergangenen Monaten knapp 700 Personalakten durchforstet worden – auch aus dem sogenannten Geheimarchiv, das sonst nur einem begrenzten Personenkreis zugänglich sei. 

In die Studie eingeflossen seien auch Fälle, die nicht in den Akten zu finden gewesen, aber von Betroffenen angezeigt worden seien. Diese reichten bis in die 1940er Jahre zurück, mit einem Schwerpunkt in den 1980er und 1990er Jahren. Auf Aktenmanipulationen, wie sie teilweise aus andern Bistümern bekanntgeworden sind, gebe es in Limburg keine Hinweise, so Rösch. 
Die Kirche habe sich mit dem Vertuschen und Verschweigen an Menschen schuldig gemacht und ihnen großes Unrecht angetan, sagte Rösch. Dafür bitte er alle Betroffenen um Entschuldigung. Aufgabe sei es nun, die Opfer zu hören und Missbrauch, Vertuschung und Verschweigen, so gut dies irgend möglich sei, auszuschließen. 

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