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Mint-Award 2010 Vom Zauber der Chemie

Schüler aus Hofheim gewinnen mit einem Theaterstück voller Experimente einen Preis. 55 Minuten dauert das Stück, das voller Experimente steckt und einen Tag in Harry Potters Zauberschule Hogwarts samt abendlichem Festmahl nachstellt.

Von links: Christopher Henze, Maren Schneider, Caren Schmelz beim Zaubern. Foto: Monika Müller

Aus Wasser Wein zu machen, ist eine uralte Übung. Die wunderbare Herstellung von Bier aus zwei glasklaren Flüssigkeiten ist zwar nicht biblischen Ursprungs, fasziniert aber ebenso. „Fiat cervisia!“, es werde Bier, ruft Harry Potter alias Christopher Henze, schüttet den Inhalt zweier Reagenzgläser in eine Pilstulpe – und schon ist das schönste Bier im Glas, samt Schaumkrone. Trinken freilich sollte man es nicht.

Der Trick mit dem Gemisch aus Kaliumjodat und Natriumhydrogensulfit mit einem Schuss Spülmittel gehört zum Chemie-Theater der Main-Taunus-Schule Hofheim. Christopher (19) besucht dort den Chemie-Leistungskurs und ist so zum Theaterprojekt gekommen. 55 Minuten dauert das Stück, das voller Experimente steckt und einen Tag in Harry Potters Zauberschule Hogwarts samt abendlichem Festmahl nachstellt.

Mitspielerin Maren Schneider (18) hatte Chemie nach der 10. Klasse abgewählt, dafür ist sie schon lange vom Darstellenden Spiel begeistert. „So richtig gefallen hatte mir das mit der Chemie nie“, sagt sie. Aber jetzt, so live auf der Bühne, „da macht mir das wieder richtig Spaß“. Gefallen hat das Projekt auch der Jury der Mint-Messe im hessischen Landtag. Die Hofheimer Schüler-Schauspieler-Truppe erhielt für ihr Chemie-Theater am Mittwoch in Wiesbaden den mit 3000 Euro dotierten ersten Preis des Mint-Awards (siehe Box).

„Wir brauchen in der 5. und 6. Jahrgangsstufe der weiterführenden Schulen ein neues, fächerübergreifendes Fach Naturwissenschaften“, forderte Jörg Feuchthofen, Geschäftsführer der Vereinigung der hessischen Unternehmerverbände (vhu). In der Grundschule seien die Kinder noch motiviert und neugierig, in der 5. und häufig auch in der 6. Klasse aber gebe es keinen naturwissenschaftlichen Unterricht mehr, sondern erst wieder in Jahrgangsstufe 7. „Kein Wunder, wenn die Kinder bei solchen Brüchen die Begeisterung verlieren“, klagt Feuchthofen. Daher sei es nicht überraschend, dass in den Mint-Fächern der Nachwuchs fehle. Das Durchschnittsalter der deutschen Ingenieure liege bei 50 Jahren, schon heute seien 34000 Stellen unbesetzt.

Einer, der die Lust an der Naturwissenschaft nicht verloren hat, ist Lukas Jörg. Der 13-Jährige besucht die 8. Klasse und geht regelmäßig in die Astronomie-AG der Heinrich-Böll-Schule in Rodgau, die bei der Mint-Messe ebenfalls einen Stand aufgebaut hat. „Einmal haben wir sogar in der Schule übernachtet und mit einem selbst gebauten Teleskop den Mond beobachtet“, erzählt er.

Und Benedikt Gaus ist ganz begeistert davon, wie man aus Traubensaft Solarstrom machen kann. „Der Farbstoff im Saft ersetzt das Silicium in einer Solarzelle“, erklärt er. Wenn man elektrisch leitende Glasplatten mit der Farbe beschichte, erzeuge sie bei Bestrahlung Strom. „Und gar nicht mal so wenig“, wie der 17-Jährige erzählt, der die Albert-Einstein-Schule in Schwalbach besucht.

In der kommenden Woche wollen sie den Versuch dann mit Spinat wiederholen. „Ein bisschen Zeit muss man dafür natürlich schon investieren“, sagt Benedikt. Zeit, die sein zwei Jahre jüngerer Bruder nicht habe. „Der hatte in der Mittelstufe schon das Turbo-Abitur und war damit ganz schön ausgelastet“, sagt Benedikt. Für die Teilnahme in einer AG habe die Zeit da nicht mehr gereicht.

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