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Migration Mehr Suizidversuche bei Flüchtlingen

Die Suizidversuche von Flüchtlingen in Hessen nehmen im Vergleich zu den Vorjahren deutlich zu.

Abschiebeknast in Darmstadt: „große Verzweiflung von Schutzsuchenden angesichts der mangelhaften Unterbringung und der Perspektivlosigkeit“. Foto: Michael Schick

In den hessischen Flüchtlingseinrichtungen haben sich im vergangenen Jahr gehäuft Menschen selbst verletzt oder versucht sich zu töten. Sozialminister Stefan Grüttner (CDU) berichtet auf eine Anfrage der Linken-Landtagsfraktion von 70 solcher Fälle im Jahr 2017. 

Dabei begingen nach Grüttners Angaben vier Personen Suizid. Ein 29-jähriger Flüchtling aus China nahm sich in der Flüchtlingsunterkunft im Transitbereich des Frankfurter Flughafens das Leben. Aus den Gemeinschaftsunterkünften für Flüchtlinge seien drei Suizide bekanntgeworden, schreibt Grüttner, ohne das Alter oder die Herkunft der Betroffenen zu nennen.

Damit sind die Zahlen erheblich höher, als Grüttner sie in einer früheren Auskunft für die Jahre 2014 bis 2016 genannt hatte. Für diese Jahre waren keine Suizide registriert worden. Die Zahlen der dokumentierten Suizidversuche lagen bei null (2014), vier (2015) und 18 (2016), wobei in jenem Jahr noch vier „mögliche Suizidversuche“ hinzukamen.

Der erhebliche Anstieg der Zahlen kann jedoch damit zu tun haben, dass erst im vergangenen Jahr genauer hingeschaut wurde. Suizide, Suizidversuche und Selbstverletzungen würden erst seit 2017 systematisch erfasst, heißt es in Grüttners Antwort.

Die letzte bekannte Selbsttötung in der Flüchtlingseinrichtung am Flughafen liegt schon lange zurück. Im Jahr 2000 hatte sich dort eine Frau aus Algerien erhängt. 

Im Fall des Chinesen sind die Hintergründe bisher ungeklärt. „Für einen bevorstehenden Freitod gab es keine erkennbaren Anzeichen“, schreibt Grüttner. Die Staatsanwaltschaft ermittle noch. 
Für die Verantwortlichen ist es oft schwierig herauszufinden, ob sich eine Person tatsächlich töten wollte, die sich selbst Schnittverletzungen zugefügt, Nahrung und Flüssigkeit verweigert oder bestimmte Medikamente eingenommen hat. „Die Grenzen zwischen einer Selbstverletzung und einem versuchten Suizid sind fließend“, sagte Grüttner. Die persönlichen Hintergründe für die Taten seien „häufig nicht bekannt“. 

18 der 70 Fälle ereigneten sich nach Grüttners Angaben im Transitbereich des Flughafens, 13 Fälle in Erstaufnahmeeinrichtungen des Landes und 39 in Gemeinschaftsunterkünften der Kommunen. Betroffen waren meistens Männer. So wurden am Flughafen und in den Erstaufnahmen jeweils nur eine Frau registriert, die sich selbst verletzten. 

Die Linken-Abgeordnete Gabi Faulhaber, die sich bei Grüttner erkundigt hatte, nannte die Antwort „in höchstem Maße besorgniserregend“. Die Zahlen verdeutlichten „die große Verzweiflung von Schutzsuchenden angesichts der mangelhaften Unterbringung und der Perspektivlosigkeit im deutschen Asylsystem“. 

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