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Michael Groß unterrichtet in Frankfurt Herr Doktor Albatros

Der dreimalige Goldmedaillen-Gewinner Michael Groß unterrichtet an der Frankfurt School of Finance and Management im Ostend. Doch einen Starbonus hat er wegen seiner Erfolge an der Hochschule nicht. Von Georg Leppert

1984 in Los Angeles flog Michael Groß durchs Wasser. Foto: epu

Nein, sagt er, Albatros nenne ihn heute niemand mehr. Zumindest keiner der Studierenden, die Michael Groß an der Frankfurt School of Finance and Management im Ostend unterrichtet. Für sie ist der 2,01 Meter große Olympiasieger im Schwimmen von 1984 und 1988 (Armspannweite: 2,13 Meter) einfach Herr Doktor Groß, Privatdozent für Personalführung und Unternehmenskultur. Den Spitznamen, den Sportreporter Jörg Wontorra bei einem dramatischen Schlussspurt vor fast 25 Jahren populär machte ("Flieg, Albatros, flieg"), kennen die meisten der angehenden Finanzexperten gar nicht.

An vielen Hochschulen würden seine Fächer stets unterschätzt, sagt Groß. Es geht um die weichen Faktoren in der harten Geschäftswelt. Nicht jedermanns Sache. An der Frankfurt School aber, an der Michael Groß seit 2003 lehrt, sind Unternehmenskultur und Personalführung Wahlpflichtfächer.

Es gibt keinen Starbonus für Michael Groß, das stellt Angelika Werner, Sprecherin der privaten Hochschule, klar. "Wir lassen alle unsere Privatdozenten von den Studierenden bewerten." Wer regelmäßig schlecht abschneidet, bekommt keine weiteren Aufträge. Diese Regelung gilt auch für Michael Groß. Doch der 45-Jährige, der sich nach dem Ende seiner Karriere als Unternehmensberater selbstständig gemacht hat, muss sich keine Sorgen machen. Sein Unterricht kommt an, Groß heimst gute Noten ein.

Das dürfte vor allem daran liegen, dass Michael Groß Fallbeispiele aus der Praxis wählt. Auf so etwas stehen die Studierenden. Auf dem Lehrplan stehen dann Rollenspiele und Übungen.

Ein mögliches Thema: Die Übernahme der Dresdner Bank durch die Commerzbank. "Die Dresdner Bank ist Geschichte, doch die Mitarbeiter arbeiten in dem neuen Unternehmen weiter", gibt Groß vor. Nun gehe es darum "eine neue Unternehmenskultur zu schaffen". Wie können sich die ehemaligen Angestellten der Dresdner Bank möglichst schnell mit der Commerzbank identifizieren? Groß erwartet von seinen Studierenden, dass sie wie Unternehmensberater auftreten und Lösungsansätze finden unter Zeitdruck, versteht sich. Auch die weichen Fächer können an einer Hochschule ganz schön hart sein.

Und nach seiner Karriere als Schwimmer, nach den drei Goldmedaillen, fragt wirklich überhaupt niemand mehr? Hat der Hochleistungssport zumindest seinen beruflichen Lebensweg beeinflusst? Groß zuckt die Schultern. "Nein", sagt er, "von meiner Einstellung her war das Schwimmen immer nur ein Hobby."

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