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MeTwo in Hessen #MeTwo - der alltägliche Rassismus

Unter dem Hashtag MeTwo berichten Menschen mit Migrationsgeschichte von ihren alltäglichen Erfahrungen mit Rassismus und Diskriminierung in Deutschland. Was haben Sie selbst in Hessen erlebt?

Safiye Can
Die Lyrikerin Safiye Can. Foto: Peter Jülich

Julian Smith, DJ und Gastronom Chinaski

Ich war ein typisches Besatzungskind und bin im dörflichen Groß-Krotzenburg aufgewachsen. Meine Mutter war Deutsche, mein Vater ein schwarzer GI aus Florida. Als Kind hatte ich diese Situation, dass ein anderer Junge, mit dem ich immer spielte, eines Tages plötzlich sagte: „Mein Vater sagt: Ich darf nicht mehr mit dir spielen.“

Das ist das Schlimmste, was passieren kann, wenn Eltern ihren Kindern so ein Gedankengut mitgeben, mit denen ihre Kinder nichts anfangen und es schon gar nicht verstehen können. Ich selbst verstand die Welt nicht mehr. Mein Vater war wütend und fuhr zum Haus der Familie. Und an der Haustür sagte er zu dem Vater: „Wenn du was gegen mich hast, ist das deine Sache. Zwischen zwei liebevoll spielende Kinder aber einen Keil zu treiben, ist nicht akzeptabel.“ Danach hat es sich eingerenkt.

Mein ganzes Leben habe ich vor der Herausforderung gestanden zu interpretieren, wie bestimmte Sätze gemeint sind: Ist das jetzt ein rassistischer Kommentar oder nicht? Das ist manchmal nicht so eindeutig.

Während der Schulzeit hatte ich eine Freundin, die hatte einen sehr erfolgreichen Vater. Als endlich der Zeitpunkt kam, die Familie kennenzulernen war ich auch schon DJ und ich erzählte: „Ich mache gerade Abitur.“ Der Vater stellte daraufhin gleich die Frage: „Sie machen Abitur?“ Das ist immer der spezielle Moment: Wohin tendiere ich jetzt? Klar, ich war DJ und hatte diesen Riesen-Afro: „Traut er mir das nicht zu wegen meiner Hautfarbe?“ Oder wollte er nur sagen: „Warum hältst du dich mit Abi auf, wenn du schon erfolgreicher DJ bist?“ Ich weiß es nicht.

Generell ist mir aber wenig Rassismus in Deutschland begegnet. Vielleicht habe ich da auch einfach Glück gehabt. Und wenn, dann kamen diese Sprüche häufig von recht minderbemittelten Menschen.

Meron Mendel, Direktor der Bildungsstätte Anne Frank

Ich kann mich noch an die erste Wohnungssuche erinnern, als meine Frau und ich aus Israel nach Frankfurt zogen. Es war ein echter Glücksfall: drei Zimmer mit Garten, im Zentrum von Bornheim. Hoffnungsvoll gingen wir zum Besichtigungstermin. Der Besitzer, ein älterer, kräftiger Herr mit Schnauzbart, betrachtete uns von Anfang an mit vieldeutigen Blicken. Nachdem er uns die Wohnung gezeigt hatte, fragte er neugierig, woher wir kommen. Auf unsere Antwort, dass wir aus Israel sind, erwiderte er: „Das wusste ich sofort.“ Dann erzählte er begeistert, dass er Israel und Juden sehr mag.

Im Übrigen, fügte er hinzu, könne er Juden sofort erkennen: Sein Vater sei jahrelang Tierzüchter im Frankfurter Zoo gewesen. Der habe ihm schon als Kind beigebracht, wie man Juden riechen kann. Zwei Wochen später sind wir in eine Wohnung im Westend gezogen.

Gut im Gedächtnis ist mir auch immer noch die Nachricht einer Bloggerin: „Sie und die Juden ganz allgemein“, schrieb sie mir, „werden die letzten sein, die was bestimmen, sondern stattdessen wird wieder über Sie bestimmt, und wenn Sie Glück haben, können Sie noch gerade so Ihre Koffer packen und diesem Land entfliehen. Wie ich Ihren Äußerungen entnehme, wollen Sie das. Sie scheinen ein Adventurous Type zu sein.“ Sie hat ihre Ausbildung wohl im selben Zoo gemacht.

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