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Menschen aus dem Stadtteil Gleichklang der Seelen

Das Collegium Instrumentale Alois Kottmann rührt die Herzen der Zuhörer an.

Alois Kottmann hat eine klare Vorstellung davon, was Musik leisten muss: Nichts weniger, als die Herzen der Menschen anrühren. Auf einen bestimmten Stil legt er sich dabei nicht fest. Der Geiger ist zwar in der Klassik zu Hause, sagt aber: "Für mich gibt es nur gute und schlechte Musik."

Kottmann mag auch Jazz. Und "wenn jemand ein Volkslied singt und die Menschen damit berührt, macht er das, was wir auch wollen". Wir, das sind er und die Musiker seines Kammerorchesters, dem Collegium Instrumentale Alois Kottmann. Kürzlich feierten sie ihren 40. Geburtstag. Die dazugehörige Festschrift ist 150 Seiten lang. Viele positive Kritiken stehen darin, Weggefährten melden sich fast schwärmerisch zu Wort. Alois Kottmann hat in seiner langen Karriere viele Herzen angerührt.

Das Wort Karriere hört er allerdings gar nicht gerne. "Was verstehen wir denn heute darunter?", fragt er, um sich gleich darauf bei der Antwort für seine Verhältnisse zu echauffieren: "Als erfolgreich gilt doch nur, wer in den großen Sälen der Welt auftritt, dauernd im Fernsehen ist und sein Liebesleben in den Boulevardblättern ausbreitet." Das ist nicht Kottmanns Welt.

Der Star-Kult, den viele um aufstrebende Talente im Klassik-Betrieb machen, ist ihm ziemlich suspekt. Gegen Sinnlichkeit hat der 79-Jährige gar nichts einzuwenden. "Das Amouröse gehört auch dazu." Zum Talent müsse aber die nötige Technik kommen. "Das Bein ist erst dann schön, wenn auch der Ton schön ist." Noch wichtiger ist ihm: Hingabe.

"Wenn sich ein Mensch in seiner vollen Existenz, auch im Transzendentalen, in die Musik begibt." Bei Albert Mangelsdorf, dem Frankfurter Posaunisten, habe er das einmal beobachtet. "Der hat beim Spielen am ganzen Körper mit vibriert." Die beiden haben eine CD zusammen aufgenommen und sind dabei Freunde geworden.

Das und viel mehr erfährt man bereits in einem kurzen Gespräch mit dem Geigen-Virtuosen. Aber Kottmann verfolgt gerne auch mal Nebenpfade, lässt die Gedanken schweifen. Nach jedem Umweg findet er jedoch stets sicher zum Ausgangspunkt zurück. In diesen Momenten fügen sich die Anekdoten zu einer geschlossenen Erzählung zusammen.

So wie sich auch die verschiedenen Stimmen seines Orchesters zu einem großen Ganzen zusammenfügen, reich an Obertönen. Ein "durchsichtiger und sprechender Orchesterklang, den ich nicht erklären kann", sagt er. Um es dann doch zu tun. Das Ensemble sei wie eine Fußballmannschaft, die die Köpfe zusammen stecke. "Jeder ist wie der Nebenmann. Es ist ein Gleichklang der Seelen."

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