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Mein Schreibtisch Immer hoffen

Der Kaufmann und Mäzen Josef Buchmann

Der Weg führt durch Flure und Gänge in den Tiefen des Nordwestzentrums. Dann plötzlich öffnet sich eine Tür und Josef Buchmann, wie stets in feinstes dunkelblaues Tuch gekleidet, steht neben seinem geliebten Jugendstil-Schreibtisch. "Vor 35 Jahren in Wiesbaden gekauft." Er spricht wie immer leise, lächelt scheu, vermeidet jede große Geste, bietet erst einmal Kaffee und Wasser an. Gastfreundschaft: "Das ist wichtig." Er kommt "vom Swimmingpool zu Hause", wie jeden Morgen war er um 6 Uhr im Wasser. Danach fährt er ins Büro, jeden Werktag - trotz seiner 77 Jahre.

Nichts via Computer

Von diesem Schreibtisch aus führt der Immobilien-Kaufmann, Mäzen und Milliardär seine Geschäfte - hier empfängt er Gäste, versammelt Mitarbeiter um sich. "Ich mache nichts über Computer, überhaupt gar nichts - der persönliche Kontakt mit den Leuten ist mir wichtig."

Er spricht kaum über Geschäfte, wenig über seinen Besitz - er hat gelernt, sein Leben abzuschirmen, seine Gefühle zu schützen. Mit 13 Jahren musste der jüdische Junge aus Lodz Leichen schleppen im Konzentrationslager Bergen-Belsen - er überlebte das KZ, seine Eltern nicht. "1945, mit 15 Jahren kam ich in Frankfurt an", zusammen mit anderen Waisen. Buchmann fixiert einen imaginären Punkt in der Ferne. "Ich habe mich damals für Frankfurt entschieden, weil die Leute freundlich waren."

Aber noch 1991 dachte er ans Auswandern nach Israel. Heute kommt es ihm leicht über die Lippen: "Ich habe überall Freunde - aber in Frankfurt bin ich zuhause." Auf dem Schreibtisch findet sich nur ein Foto: Buchmann und Yitzhak Rabin, der ermordete israelische Ministerpräsident. "Ich war mit den meisten Präsidenten befreundet, aber mit Rabin war ich richtig befreundet". Hinter seinem Schreibtisch zeigt ihn ein Foto mit Bill Clinton: "Da bekamen wir den Ehrendoktor der Universität Tel Aviv, das war 2002."

Er glaubt daran: "Irgendwann bekommen wir Frieden im Nahen Osten." Er stockt, zögert. "Man darf die Hoffnung nicht aufgeben - das ist immer schon mein Motto." Er ist oft in Israel, viel gehört ihm dort, er baut noch immer, draußen im Flur hängt der Entwurf eines spektakulären Hochhauses halb im Meer: "Das konnte ich leider nicht machen." Seit 25 Jahren finanziert er Stipendien und Professoren-Stellen für die Universität Tel Aviv, auch eine Musikschule: "Ich bringe Deutsche und Israelis zusammen." Er spendet und stiftet, für Städel und Jüdisches Museum, für die Universitätskinderklinik. Jahrzehnte fungierte er aber auch in Frankfurt als Feindbild des Spekulanten - da blitzt für Sekunden das andere Gesicht des Josef Buchmann auf.

"So ein Quatsch!" brummt er unwirsch. Er sieht sich als Wegbereiter in der "Aufbauzeit" Frankfurts: 1965 der Shell-Turm am Nibelungenplatz, "damals das höchste Haus". Später verkauft er den Bauplatz für die Doppeltürme der Deutschen Bank: "Sehen die nicht gut aus?" Oder sein Lieblingskind: Das Nordwestzentrum. Er lädt zum Spaziergang ein durch die Ladenpassagen: "Kein Stückelchen Papier auf dem Boden", sagt er stolz, "ist das Center nicht schön?"

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