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Masernfälle Ruf nach Impfpflicht

In Hessen gibt es derzeit 49 Masernfälle. Um eine Impfpflicht gibt es eine erbitterte Diskussion.

Impfausweis
Eine Impfpflicht wird kontrovers diskutiert. Foto: imago stock&people

Eine Impfpflicht fordert der Präsident der hessischen Ärztekammer. Eltern seien verpflichtet, ihre Kinder zu schützen und Ansteckungen der Bevölkerung zu vermeiden, sagte Gottfried von Knoblauch zu Hatzbach auf FR-Anfrage: „Es ist außerdem Aufgabe des Staates, Epidemien präventiv entgegenzuwirken. Dazu hat er die Regelungskompetenz, die er verantwortungsvoll nutzen muss.“ Das Beispiel Pockenimpfung zeige, dass eine Impfpflicht dazu beigetragen könne, eine Erkrankung auszurotten. Bis in die 80er Jahre hinein musste jedes Kind im Alter von einem und im Alter von zwölf Jahren gegen Pocken geimpft werden.

Hessens Gesundheitsminister Stefan Grüttner (CDU) hingegen lehnt eine Pflicht ab. „Wir setzen auf Beratung und Aufklärung statt Bevormundung“, sagte seine Sprecherin Esther Walter. Die hohe Masernimpfquote von 95 Prozent beweise, dass dieser Weg erfolgreich sei. Trotzdem sind aktuell in Hessen 49 Masernfälle gemeldet. Anlass für Grüttner, die Bevölkerung dazu aufzurufen, sich impfen zu lassen. „Die sogenannten Kinderkrankheiten wie Masern oder Röteln sind nicht harmlos, sondern können schwere Folgen haben“, sagte der Minister am Donnerstag in Wiesbaden.

Nicht nur in Hessen grassiert wieder die hochansteckende Infektionskrankheit. Nach einer Epidemie im Jahr 2015 ist das Virus schon wieder in Berlin unterwegs. Und zum Politikum geworden. Die CDU fordert, öffentliche Kita-Plätze nur noch an geimpfte Kinder zu vergeben, unterstützt wird sie vom Präsidenten der Berliner Ärztekammer, Günther Jonitz. Der rot-rot-grüne Senat lehnt aus rechtlichen Gründen ab: Deutschland habe keine Impfpflicht und es gebe einen Rechtsanspruch auf einen Kita-Platz.

In Hessen würden Eltern lediglich an ihre Pflichten erinnert, sagt Ministeriumssprecherin Walter. Wer seinen Nachwuchs in einer Kita oder anderen Gemeinschaftseinrichtung anmeldet, muss den Impfausweis vorlegen oder nachweisen, dass er über die Impfungen ärztlich beraten worden ist. Geregelt ist dies im seit 2008 geltenden hessischen Kinderschutzgesetz. Es nahm vorweg, was das Präventionsgesetz 2016 bundesweit einführte.

Angesichts der Ereignisse vor drei Jahren in Berlin ist Hessen bislang mit einem blauen Auge davongekommen. Allein im Januar 2015 waren allein in der Hauptstadt 254 Menschen an Masern erkrankt. Bundesgesundheitsminister Hermann Gröhe (CDU) hatte spontan sogar mit einer Impfpflicht gedroht, war dann allerdings relativ schnell zurückgerudert.

Eine Revolution wäre es nicht. So gab es nicht nur die Pocken-Impfpflicht in Deutschland. In anderen europäischen Ländern präsentiert sich aktuell ein bunter Flickenteppich von Impfpflichten: Ungarn verlangt die Immunisierung gegen Masern. Italien und Frankreich fordern eine gegen Tetanus, Polio und Diphtherie. In Belgien wiederum ist die Impfung gegen Kinderlähmung ein Muss.

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