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Marktfrühschoppen Marburg Burschenschafter dürfen nicht feiern

Marburg verbietet den Marktfrühschoppen. Aus dem früherem Studentenfest war in den vergangenen Jahren ein Treffen rechter Verbindungen geworden.

Burschenschaften haben den Marktfrühschoppen zu ihrem Fest gemacht. Foto: dpa

Ein Fest für die Marburger Studierenden ist es auf keinen Fall“, sagt Anne-Katrin Gabrikowski vom Asta-Vorstand: „Das ist ein Treffen von Burschenschaftern.“ Noch schwerer wiegt: Regelmäßig nutzten die rechtslastigen Verbindungen Rheinfranken, Germania und Normannia-Leipzig den Marktfrühschoppen als Bühne. Und sie haben „deutlich rechtsradikale Tendenzen“, sagt Oberbürgermeister Egon Vaupel.

Deshalb flogen in der Vergangenheit öfters Farbbeutel und Stinkbomben. Ohne massiven Polizeischutz ist das Fest schon lange nicht mehr denkbar. Jetzt steht der Marktfrühschoppen vor seinem endgültigen Aus. Das Stadtparlament hat mit den Stimmen von SPD, Grünen, Marburger Linken und Piraten beschlossen, dass er 2013 nicht stattfinden soll. Öffentliche Aktivitäten der rechtsextremen Verbindungen seien in Marburg „nicht erwünscht“.

Nach einigem juristischen Hin und Her hat OB Egon Vaupel das für den 7. Juli geplante Fest daraufhin nicht genehmigt. Den letzten Anstoß gab das CDU-regierte Gießener Regierungspräsidium, das den Beschluss des Stadtparlaments für bindend hält. Schon 2012 hatte Vaupel das Fest aus Sicherheitsgründen gestoppt. Auslöser damals waren die Rheinfranken, die im Internet für die Veranstaltung warben.

Der Streit geht weiter

Dass der seit knapp 20 Jahren schwelende Streit damit beendet ist, erwartet Vaupel allerdings nicht. In der Tat hat der Marktfrühschoppenverein beim Verwaltungsgerichtshof eine einstweilige Verfügung beantragt, um doch noch feiern zu können.

Der seit mehr als 100 Jahren existierende Marktfrühschoppen war einst ein fröhliches Volksfest: Am ersten Sonntag im Juli gaben die Marburger Wirtsleute, bei denen Studenten zur Untermiete wohnten, den Studiosi ein Bier aus. 1951 wurde das Fest wieder eingeführt, das schon bis zu 7000 Besucher anlockte. Dominiert wird es nach Einschätzung der Kritiker inzwischen jedoch von den Korporierten.

Die Oberstadtgemeinde, die das Fest einst ausrichtete, hat sich als Veranstalter längst zurückgezogen. Es blieb der Marktfrühschoppenverein, dessen Vorsitzender Tilmann Pfeiffer gleichzeitig Alter Herr der liberalen Burschenschaft Arminia ist. „Das Geschrei gegen den Marktfrühschoppen beruht auf Denunziation und Diffamierung“, sagt Pfeiffer. Der Frühschoppen sei nicht rechtslastig. Unterstützt wird er dabei vom CDU-Fraktionschef Philipp Stompfe. Die Absage des Traditionsfestes nennt Stompfe „ideologische Willkür“.

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