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Mainz Neues Konzept statt Bibelturm

Nach dem Aus für den Bibelturm am Gutenberg-Museum beginnt die Suche nach einer neuen Lösung - dafür muss die Stadt Mainz ganz von vorn beginnen.

16.04.2018 21:28
Geplanter Bibelturm in Mainz
Die Computer-Visualisierung zeigt einen ursprünglich am Mainzer Gutenberg-Museum geplanten neuen Turm. Foto: Gutenberg-Museum

Mit einer so klaren Entscheidung hatte kaum jemand gerechnet: „Einen Plan B hat niemand in der Schublade liegen“, sagte Oberbürgermeister Michael Ebling (SPD) am Tag nach dem ersten Bürgerentscheid der Stadt. 77 Prozent der Wähler hatten gegen den sogenannten Bibelturm, einen geplanten Erweiterungsbau für das Gutenberg-Museum, gestimmt.

Die Suche nach einer neuen Lösung für die künftige Entwicklung des Museums begann indes bereits am Montag. Ein neues Konzept „wird sich jetzt auf die Fläche des bestehenden Museums begrenzen“, sagte Ebling. Dabei will die Stadt das enge Gespräch mit der Bürgerschaft führen, damit es nicht erneut zu einer erbitterten Kontroverse kommt.

Das geplante Gebäude war zu modern für den Domplatz

Das bestehende Museum müsse räumlich und auch technisch ertüchtigt werden. „Dem Weltmuseum der Druckkunst wird das Gebäude im Moment nicht gerecht“, sagte Ebling. Der Bau des Bibelturms auf dem Liebfrauenplatz vor dem Dom hätte der erste Schritt für ein Gesamtkonzept zur Weiterentwicklung des Museums sein sollen.

Die Gegner hatten vor allem die moderne Architektur des geplanten Gebäudes auf dem Domplatz kritisiert und die Finanzierung angezweifelt. „Wir haben zwei Jahre dafür gekämpft und freuen uns sehr, dass es geklappt hat“, sagte der Gründer der Bürgerinitiative Gutenberg-Museum, Thomas Mann. „Diese Entscheidung bringt das Lebensgefühl der Mainzer zum Ausdruck.“
Oberbürgermeister Michael Ebling (SPD), der mit der Mehrheit des Stadtrats für einen Bau geworben hatte, hatte bereits am Sonntagabend bekräftigt, es bleibe „eine richtige Entscheidung“, die Bürger abstimmen zu lassen. „An jedem Mainzer Küchentisch wurde über Gutenberg geredet, und das war gut.“ Er kritisierte aber die teils verletzend geführte Debatte: „Manches habe ich als zutiefst unmainzerisch empfunden.“ An Rücktritt habe in der Stadtspitze nach der deutlichen Niederlage „garantiert niemand“ gedacht, erklärte er auf Nachfrage.

Ebling appellierte an alle Beteiligten, mit Gelassenheit auf das Ergebnis zu reagieren. Und stellte fest: „Das Museum der Zukunft wird die Unterstützung von Bund und Land brauchen.“ 
Der Stadtrat hatte vor dem Bürgerentscheid beschlossen, dass in Nachbarschaft des Doms ein rund 20 Meter hoher Turm als Anbau des Gutenberg-Museums zur Ausstellung der kostbaren Gutenberg-Bibeln entstehen soll. Mit der Errichtung des Bauwerks mit einer fensterlosen Fassade aus Metallbuchstaben sollte die überfällige Sanierung des vor über 100 Jahren gegründeten „Weltmuseums der Druckkunst“ eingeleitet werden.

Für den Bau des Turms hatte die finanzschwache Kommune fünf Millionen Euro bereitgestellt. Wie die weiteren Bauphasen finanziert werden sollten, war bislang allerdings noch unklar.
Gegen das Projekt hatte sich eine Bürgerinitiative gebildet und rund 10.000 Unterschriften gesammelt. Aufgrund des Protests setzte der Stadtrat trotz seines Beschlusses den Bürgerentscheid selbst an. (dpa/epd)

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