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Main-Taunus Fliegende Säge am Gleis

Ein Helikopter aus Österreich erledigt Forstarbeiten entlang der Strecke Kriftel - Bad Camberg.

Deutsche Bahn
Zwischen Kriftel und Bad Camberg soll der Spezialhubschrauber aus Österreich beidseits der Gleise Bäume fällen. Foto: Michael Schick

Mit knatternden Rotorblättern taucht der Hubschrauber aus dem Morgennebel über dem Bahnhof von Eppstein-Bremthal auf. An einem langen Gestänge pendelt eine mehrere Meter lange Säge. Anders als im James-Bond-Klassiker „Die Welt ist nicht genug“ macht die fliegende Säge gestern nicht Jagd auf 007. Die Deutsche Bahn hat den Spezialhubschrauber aus Österreich engagiert, um an der rund 50 Kilometer langen Strecke zwischen Kriftel und Bad Camberg beidseits der Gleise Bäume zu fällen und Äste zurückzuschneiden, die den Bahnverkehr behindern könnten.

Aus dem vorarlbergischen Ludesch ist die Fachfirma mit neun Mann angereist. Mit dabei sind zwei Piloten, von denen einer die Instrumente überwacht und der andere während des Fluges den Blick stets nach unten gerichtet hat, damit die zehn rotierenden Sägeblätter die Äste auch genau dort kappen, wo die Förster das geplant haben.

„Üblicherweise setzen wir die Hubschraubersäge ein, um Trassen von Seilbahnen freizuschneiden“, erzählt Simon Fink. Pilot, Copilot und Forstfacharbeiter sind dann in hochalpinem Gelände unterwegs, wo es steil bergauf geht. Sie waren schon in ganz Europa im Einsatz und vor kurzem sogar in Georgien.

Am Bahnhof von Bremthal ist die Herausforderung eine andere. Dort müssen Piloten Bodenpersonal, die ständig miteinander in Funkkontakt stehen, darauf achten, dass die Oberleitungen der Bahnstrecke nicht von der baumelnden Riesensäge beschädigt werden. Und es herrscht Zeitdruck. Ehe der Helikopter starten kann, muss der Fahrdienstleiter bestätigt haben, dass die Leitung keinen Strom mehr führt. Dann wird die Erdungsstange eingehängt, und es kann losgehen. Am Bahnhof Bremthal sollen gestern die 30 Jahre alten Robinien Form gebracht werden. Gut 20 Minuten schwebt der Hubschrauber über den Bäumen, mal höher, mal tiefer. Äste, die sich in Richtung der Gleise neigen, werden schnell und präzise abrasiert und fallen reihenweise auf den Bahnsteig. Dann dreht der Pilot ab, denn die nächste S-Bahn kommt, die Strecke muss wieder freigegeben werden muss.

Die Durchforstungsarbeiten vom Hubschrauber aus entlang der Strecke durch die Landkreise Main-Taunus, Rheingau-Taunus und Limburg-Weilburg, seien ein deutschlandweites Pilotprojekt, sagt Rainer Gleim, der bei der Bahn für Auftragsplanung Vegetation zuständig ist. Seit 20. November ist die Hubschraubersäge im Einsatz. Manches Mal spielte das Wetter nicht ganz mit. So wie am Donnerstagmittag, als die Arbeiten wegen eines Schneesturmes am Bahnhof von Niedernhausen abgebrochen werden mussten. Auch bei dichtem Nebel kann der Pilot nicht starten, weil er dann im Helikopter binnen Sekunden die Orientierung verlieren würde.

Die erste Bilanz fällt dennoch positiv aus. „Die Zeitersparnis ist enorm“, sagt Rainer Gleim. „Würden wir mit Baumkletterern arbeiten, bräuchten wir für die gesamte Strecke nicht vier Wochen sondern fünf Monate.“ Die Fachleute können nicht nur Bäume zurechtstutzen sondern auch fällen. Der Hubschrauber packt den stehenden Baum dann zunächst von oben und transportiert den abgesägten Stamm später durch die Luft ab.

1000 Bäume würden auf diese Weise bis zum 20. Dezember entlang der Strecke, die die S-Bahnlinie 2 und Regionalzüge befahren, gefällt, sagt Förster Gerhard Hetzel. Er sind vor allem Pappeln, Birken und Robinien. Wieder aufgeforstet wird meist mit deutlich stabileren Eichen.

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