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Luvos Krisensichere Arznei

Ein Friedrichsdorfer Familienbetrieb behauptet sich mit Heilerde. Das Unternehmen setzt auf den Bio-Boom. Von Barbara Haas

Marcel Breuer kontrolliert die Qualität der noch unverarbeiteten Erde. Zur Arznei verarbeitet, hilft sie etwa gegen Sodbrennen. Foto: Oeser/FR

Luvos hat ein Mittel gegen die Wirtschaftskrise. "Von der aktuellen Krise spüren wir nichts", sagt Ariane Kaestner, Geschäftsführerin des Friedrichsdorfer Heilerde-Produzenten. "Wir wachsen zweistellig." Wer krank sei, könne eben nicht an der Arznei sparen - Krise hin, Krise her.

Die Luvos Just GmbH & Co. KG stellt die einzige Heilerde her, die in Deutschland als Arzneimittel zugelassen ist. Sie wirkt gegen Sodbrennen, säurebedingte Magenbeschwerden und Durchfall. Das liegt am speziellen Löss, aus dem sie besteht.

Das Gesteinspulver besitzt die Eigenschaft, Säure sechsmal so stark zu binden wie andere Löss-Präparate. Kaestners Urgroßvater Adolf Just, der die Firma gründete und am heutigen Tag 150 Jahre alt geworden wäre, entdeckte die therapeutische Wirkung des Stoffs. Äußerlich kann die Heilerde bei Prellungen, Entzündungen und Wunden angewendet werden. Wie eine aktuelle Studie der Berliner Charité bestätigt, lindert sie auch Akne.

Luvos stellt das krisensichere Produkt aus naturreinem Löss her, ohne Zusatz von Duft-, Farb- oder Konservierungsstoffen. Der Rohstoff wird in Hessen abgebaut. Die Vorkommen sind jedoch ebenso Firmengeheimnis wie Umsatzzahlen oder das Verarbeitungsverfahren. Denn das Wissen darum, wie der Löss so fein vermahlen wird, dass er Flüssigkeiten und Schadstoffe aufnimmt, verschafft dem Familienbetrieb seit 91 Jahren einen Vorsprung vor der Konkurrenz in der Pharmabranche. Kaestner schätzt sich glücklich, dass bislang kein Versuch von Dauer gewesen sei, ein gleichwertiges Erzeugnis auf den Markt zu bringen.

In der Produktionsstätte in der Otto-Hahn-Straße kommt der Löss in 800 Kilo fassenden Säcken an, wird getrocknet, auf 130 Grad Celsius erhitzt, um Keime abzutöten, und zu zartem Pulver zermahlen. Als Kapseln oder lose verpackt verlässt das Produkt den Betrieb. Mehrere hundert Tonnen Heilerde im Jahr produziert Luvos. Dabei muss das Unternehmen Richtlinien zur Arzneimittelherstellung sowie Hygiene- und Qualitätsstandards erfüllen. Das wird alle zwei Jahre von der Aufsichtsbehörde kontrolliert und ist kostenaufwendig - etwa weil neue Maschinenteile angeschafft werden müssen, um den erforderlichen Messlöffel mit einzupacken.

Günstige Alternative

Ihr Produkt sei jedoch "günstig, für das, was es kann", meint Ariane Kaestner. Das macht sie sicher, dass Menschen wegen der Kürzungen bei Gesundheitsausgaben immer öfter zu der Naturarznei statt zu chemisch hergestellten Pharmaprodukten greifen werden. "Es ist doch für einen Arzt eine Überlegung wert, ob er nicht lieber Heilerde empfiehlt, statt sein Budget zu belasten", meint sie. Knapp sechs bis neun Euro, je nach Feinheitsgrad, zahlt der Verbraucher im Handel für ein Päckchen Pulver. Den größten Anteil am Verkauf haben Apotheken, gefolgt von Reformhäusern und Drogerien. Partner vertreiben das Produkt in der Schweiz, Österreich, Holland und Nordamerika.

Jetzt will Kaestner auch den Boom der Biobranche ausnutzen. "Kunden suchen ehrliche Produkte, die natürlich hergestellt werden", erklärt die Volkswirtin. Damit wirbt auch die Kosmetikserie, die Luvos neu herausgebracht hat. Das für die Entwicklung der Pflegeprodukte nötige Know-how hat Kaestner eingekauft. Die Zahl von derzeit 15 Mitarbeitern soll gleich bleiben. Allerdings engagiert sich die Heilerde-Gesellschaft beim Integrationsdienst Bad Homburg und beschäftigt zusätzlich Menschen, die nach einer Erkrankung ins Berufsleben zurückkehren.

Seit Kaestner die Firmenleitung vor drei Jahren übernahm, hat sie die Produktion modernisiert und in eine neue Lagerhalle investiert. Jetzt ist die Marke dran; die Geschäftsführerin möchte sie verjüngen. "Es lohnt sich, die Leute anzufüttern", formuliert sie schmunzelnd. "Das sind Langzeittäter, die 30 Jahre bei dem Produkt bleiben." Nebenbei erwähnt Kaestner amüsiert, dass auch Aquarianer und Zoos Heilerde bei ihren Schützlingen einsetzen. Nebenwirkungen seien schließlich nicht bekannt.

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