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"Lumpenpack" auf der Bühne Kein Geheimtipp mehr

Ausverkaufte Häuser zeugen davon: das Kabarett-Duo ?Lumpenpack? ist längst kein Geheimtipp mehr. Max Kennel und Jonas Meyer rocken mit ihren witzig, intelligenten Texten republikweit die Kleinkunstbühnen.

20.02.2017 14:51
Wolfgang Heininger
Ja ich komm in ein Alter, da bringt man Salat mit: Das Lumpenpack.
Ja ich komm in ein Alter, da bringt man Salat mit: Das Lumpenpack. Foto: Promo

„Wir sind wie Modern Talking, nur mit besseren Liedern“, kündigen sich die beiden Endzwanziger im Aschaffenburger Hofgarten selbst an. Zwar liegt mit diesem Vergleich die Messlatte nicht allzu hoch, doch recht haben sie allemal. Mit geistreichen Texten sind sie als Solisten bekannt geworden, ehe sie sich 2013 in Stuttgart zusammen taten. Als Poetry-Slammer nämlich.

Es nimmt nicht Wunder, dass ihr Publikum deutlich jünger ist, als gemeinhin im Kabarett üblich. Es hat die beiden vornehmlich über die Computermedien entdeckt und schätzen gelernt, lässt sich gerne in das Geschehen auf der Bühne einbinden; manchmal dominiert es sogar und bringt die jungen Künstler vielfach aus dem Konzept. Dem Gesamtspaß tut das an diesem Sonntag durchaus keinen Abbruch.

Knaller des Abends ist noch immer ihr Geniestreich von 2015, der Song Guacamole. Darin beschreiben die Endzwanziger mit feinen Beobachtungen ihr Erwachsenwerden anhand von Partybesuchen, die längst nichts mehr mit denen früherer Tage zu tun haben, als noch viel geknutscht und noch mehr getrunken wurde.

Nein, jetzt sind sie in einem Alter, da bringt man Salat mit oder eine Flasche Weißwein, ein Tiramisu, Tomaten Mozzarella, ein gutes Buch oder eben eine Avocado Guacamole. Man pinkelt im Sitzen und geknutscht wird kaum noch. Dabei hat die Rotweinschorle früher besser geschmeckt, aus dem Senfglas, und als sie noch aus Bier war...

Auf dieses satirische Kleinod können die Jeans-Poeten, die ihr Hobby nach dem Studium zum Beruf gemacht haben, stolz sein. Zumal sich die beiden stimmlich hervorragend ergänzen. Wie genau sie Alltagsszenen beobachten und sprachlich umsetzen, zeigt sich auch an der Beschreibung einer gefällten Eiche vor dem Haus, deren Alter damit charakterisiert wird, dass sich ihre Rinde „in Falten“ gelegt hat.

Kein Leben vor 12 Uhr

Über ihre Studentenzeit machen sie sich lustig, indem sie bezweifeln, dass es überhaupt ein Leben vor 12 Uhr gibt. Demnach kann auch der „Knopper“ um halb zehn einfach nur ein gefakter Werbegag sein. Und sie drohen den Zuhörern, sich nochmals fürs Lehramt einzuschreiben, falls die Einnahmen nicht mehr für die Kunst reichten. Die seien dann selbst, wenn deren Kinder von Max und Jonas zugrunde unterrichtet würden.

Mit ihrer „Kehrseite“ persiflieren Kennel und Meyer die Ordnungsliebe der Deutschen im Allgemeinen und den Putzfimmel der Schwaben („Von deinem Boden kann man essen, auf meinem operieren.“) im Besonderen. Sie sind der „Don des Dorfes“, wo es noch keinen Handyempfang gibt, den die Omas zurückgrüßen und wo man nicht rauskommt, weil kein Bus hält. Und sie möchten wissen, wann der Ruf „Lassen Sie mich durch, ich bin Heilpraktiker“ hierzulande an Bedeutung gewinnt.

So manches in ihrem 90-minütigen Programm bedarf noch des Feinschliffs. Und ihre Verse gehen zuweilen haarscharf am gelungenen Reim vorbei. Aber die Nachwuchssatiriker sind ja noch jung und spürbar auf dem richtigen Weg. Sie treffen mit ihren schmissigen Kompositionen und süffigen Anekdoten den Anspruch ihre Publikums. Und das ist ja auch schon was.

Mit ihrem Programm „Steil-geh-Tag“ gastiert das „Lumpenpack“ am 10. Mai in der Alten Mühle Bad Vilbel, einen Tag später im TBA Obertshausen. Weitere Infos unter www.daslumpenpack.wordpress.com. Unter der Rubrik Songbook können nicht nur die Liedtexte abgerufen werden. Auch die Gitarrengriffe zum Nachspielen werden mitgeliefert.

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