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Lokführer-Schulung Mit Vollgas Strom sparen

Was Autofahrer auf keinen Fall tun sollten, ist für Lokführer genau richtig. Im Fahrsimulator in Fulda zeigt di e Bahn ihren Lokführern, wie man sparsam fährt und trotzdem pünktlich ist.

23.07.2008 17:07
Volker Nies
Im Fahrsimulator der Deutschen Bahn in Fulda können Lokführer unter realitätsnahen Bedingungen sparsames Fahren üben. Foto: Foto: dpa

Fulda (dpa) - Die beste Strategie zum Stromsparen lautet für Lokführer: Das Fahrzeug beim Start mit Vollgas auf Höchstgeschwindigkeit bringen. Was der Autofahrer auf gar keinen Fall tun sollte, ist für den Lokführer der richtige Weg.

"Wenn der Zug sehr schnell sein Reisetempo erreicht, ist er auch mit etwas weniger als der Höchstgeschwindigkeit pünktlich", erklärt Reymund Weitzel. "Das spart Geld, da der Luftwiderstand bei hohen Geschwindigkeiten besonders stark ist." Weitzel leitet die Fahrerausbildung im Simulationszentrum Fulda. Fulda ist mit fünf einzelnen Simulatoren größter Standort dieser Art der Bahn.

In bundesweit 16 Simulatoren schult die Bahn bereits seit 2002 die Lokführer des Personenverkehrs und seit 2005 die Lokführer im Güterverkehr im Energiesparen. "Das Einsparvolumen ist enorm", sagt Weitzel. "Durch umsichtiges Fahren kann ein Lokführer allein beim einmaligen Befahren der ICE-Strecke Hamburg-München 4000 Kilowattstunden Strom einsparen - den kompletten Jahresverbrauch einer vierköpfigen Familie." 19000 der bundesweit 20000 Lokführer der Deutschen Bahn wurden bereits in energiesparender Fahrweise geschult. Für die Bahn als größter Stromverbraucher Deutschlands habe das vorausschauende Fahren wegen der steigenden Energiepreise derzeit besondere Dringlichkeit, so Weitzel.

"Einfach ein bisschen langsamer fahren, wie es ein sparsamer Autofahrer macht, können wir nicht, denn Pünktlichkeit hat für uns Vorrang", sagt der Leiter der Fahrerausbildung. Zu den Energiespar- Tricks gehört es, Puffer bei der Fahrtzeit zu nutzen. "Wenn der Lokführer sieht, dass er etwas zu früh ist, nimmt er schon sehr weit vor dem Zielbahnhof Tempo raus", erläutert Ausbilder Bernhard Diel.Die Verringerung des Tempos ist doppelt lukrativ. Sie spart Antriebsenergie; zusätzlich wandeln die modernen, mit Drehstromtechnik ausgestatten Loks die Bewegungsenergie des Zuges beim Bremsen wie bei einem Dynamo in Strom um und speisen diesen zurück in die Oberleitung. Allein 2007 gewann die Bahn mit der sogenannten Bremsstromrückspeisung acht Prozent ihres Gesamtverbrauchs zurück. "Das ist so, als würde sich in Ihrem Auto beim Bremsen vor der Ampel wieder der Tank ein bisschen füllen", witzelt Torsten Sälinger, Bahnsprecher für Hessen.

"Auch am Berg kann man viel Strom sparen", erklärt Ausbilder Diel.Der Lokführer spare Energie, wenn er an Steigungen nicht mit vollem Tempo fahre, aber dafür das Gefälle zur natürlichen Beschleunigung nutze. Die Lokführer seien in den Schulungen selbst überrascht, wie viel Energie sie mit einfachen Tricks und Fingerspitzengefühl sparen könnten, sagt Diel.

Seit dem Beginn der Energiespar-Kurse hat die Bahn nach eigenen Angaben 270 Gigawattstunden Strom und 9,5 Millionen Liter Diesel im Personenverkehr sowie 72 Gigawattstunden Strom und 4,6 Millionen Liter Diesel im Güterverkehr eingespart.

Das Einsparvolumen durch vorausschauendes Fahren liege bei der Bahn bei 10 bis 15 Prozent, erklärt Weitzel. In jeder Lok wird die verbrauchte Energie gemessen. Besonders sparsame Lokführer erhielten zwar keine Prämien, nähmen aber jedes Jahr im Herbst an einem Wettkampf im Fuldaer Simulator teil, bei dem die Sieger Preise erhalten, erläutert Sälinger.

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