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Lindemann muss gehen Kinderschutzbund entlässt Geschäftsführer

Florian Lindemann ist nicht länger Geschäftsführer des Deutschen Kinderschutzbundes im Bezirk Frankfurt. Der ehemalige Schüler der Odenwaldschule steht wegen seines Verhaltens bei der Aufdeckung von Missbrauchsfällen in der Kritik. Von Peter Hanack

Florian Lindemann leitete den Frankfurter Bezirk des Kinderschutzbunds seit 2003. Foto: privat

Glaubt man Ludwig Salgo, dann herrscht in der Geschäftsstelle des Deutschen Kinderschutzbundes (DKSB) in Frankfurt "Business as usual". Einen Tag nach der Entlassung von Florian Lindemann als Geschäftsführer des DKSB aufgrund von dessen Verhalten im Jahre 1999 im Umgang mit Missbrauchsvorwürfen an der Odenwaldschule (OSO) "gehen wir unserer Arbeit nach", sagte Salgo, stellvertretender Vorstandsvorsitzender des Bezirksverbands Frankfurt.

Zu dieser Arbeit im Kinderhaus am Günthersburgpark gehört die Beratung von Opfern von Misshandlungen und sexuellem Missbrauch. Der sechsköpfige Vorstand habe einstimmig beschlossen, Lindemann mit sofortiger Wirkung zu kündigen, um einen Schaden am "Markenimage" des Kinderschutzbundes zu verhindern, so Salgo. Der DKSB hätte bei einem Verbleib Lindemanns in eine Situation geraten können, die seine Existenz hätte gefährden können. Dies habe eine sogenannte "Druckkündigung" gerechtfertigt. "Es kann nicht sein", so Salgo, "dass wir unseren Sponsoren oder ehrenamtlichen Helfern irgendetwas erklären müssen, was Zweifel an der Haltung von Mitarbeitern zu Missbrauchsopfern angeht".

Lindemann hatte 1999 in seiner damaligen Funktion als Altschülersprecher die Veröffentlichung von Missbrauchsvorwürfen an den früheren OSO-Leiter Gerold Becker scharf kritisiert. Dem Autor des Beitrags hatte er in einem Leserbrief "Sensationsjournalismus", einen "Missbrauch des Missbrauchs" und Profilbedürftigkeit unterstellt. Dieser "rotzfreche Brief", sagte Salgo, sei eine "Eselei" gewesen. An Lindemanns Arbeit im DKSB, den dieser seit 2003 leitete, habe es dagegen nichts auszusetzen gegeben.

Lindemann wollte sich auf Anfrage der FR zu den Geschehnissen nicht mehr äußern. Vor einigen Tagen hatte er sich in der FR von seinem damaligen Verhalten distanziert und eingeräumt, vor zehn Jahren nicht genug zur Aufklärung beigetragen zu haben. Sein damaliger Brief habe einen Nebenkriegsschauplatz eröffnet, dies sei falsch gewesen.

Die Landesvorsitzende Verone Schöninger und der Präsident des Bundesverbandes, Heinz Hilgers, begrüßten die Entlassung. Man habe einen "Schlussstrich" ziehen müssen, so Schöninger. Lindemanns Verhalten 1999 habe nicht "unserem Leitbild vom Umgang mit Missbrauchsopfern" entsprochen, sagte Hilgers.

Bereits vor einigen Wochen haben drei der neun Vorstandsmitglieder des Frankfurter Bezirks ihre Ämter abgegeben, darunter auch die Vorsitzende Sylvia Gräfin zu Solms-Laubach. Grund seien betriebswirtschaftliche und organisatorische Fragen gewesen, sagte Salgo. Über das weitere Vorgehen solle am 10. Juni die Mitgliederversammlung entscheiden.

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