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Lilien-Carré in Wiesbaden Warten auf die neuen Shopping-Welten

Auf der Baustelle Lilien-Carré in Wiesbaden geht es nur langsam voran. Einige Geschäfte haben während des Umbaus aufgegeben.

Lilien Carré im Umbau
Der Nebeneingang des Lilien-Carreés lässt die Baustelle im Inneren nicht vermuten. Foto: Monika Müller

Ihr Eingang in neue Shopping-Welten“, so die Werbung an der großflächig verhüllten Front des Lilien-Carrés, ist eine Baustelle. Ausgerechnet jetzt, so kurz vor dem Advents- und Weihnachtsgeschäft. Und vor allem immer noch. „Ich hoffe, es ist bald fertig“, sagt eine ältere Dame, die ihr Einkaufswägelchen mühselig die Treppe ins Erdgeschoss hinunter schuckeln muss, weil es dort keine Rolltreppe gibt, die in Betrieb ist. „Ach, es ist ja schon ewig eine Baustelle“, seufzt sie.

Und dazu noch eine, die sich dem Besucher schamlos unverhüllt zeigt. Mit aus der zerstörten Decke hängenden Kabeln, offenen Eisenträgern, aufgerissenem Betonfußboden, Bauschutthaufen, Stahlrahmen, Wand- und Deckenplatten in Fetzen – ein eher trostloser Anblick. Keine Schutzplanen bewahren das treue Restpublikum davor.

So staubig wie die vergessenen Grünpflanzen im Abrissbereich sind im Erdgeschoss die goldenen und roten Kugeln an den bereits aufgestellten Weihnachtsbäumen im Rundlauf der Geschäfte. „Es gräbelt so vor sich hin“, meint eine Mainzerin, die täglich am einst erhofften „Einkaufstempel“ vorbeikommt, mit unverhohlener Friedhof-Assoziation. Sie klingt so skeptisch wie die nächste Passantin, die sich beim gerade erst zehn Jahre alten Rundbau mit der markant aufgefächerten Fassade an „Stalin-Architektur“ erinnert fühlt. Aber bald, das suggerieren die großen animierten Bilder draußen und drinnen an den gerundeten Wänden, soll hier wieder buntes Einkaufsleben herrschen. Mit allen Klassikern des Kettengeschäfts, von H&M und New Yorker, über Saturn und Toys’R’Us, Rossmann und McPaper bis zum Bäcker Kamps und den bekannten Marken der Telefonbranche.

Viele halten den Betrieb leidlich aufrecht während der Umbauphase, viele haben das sinkende Schiff verlassen. So etwa der Tegut-Markt und einige kleinere Geschäfte, deren Umsatz nicht gehalten hat, was die Betreiber erhofft hatten. Vor ein paar Tagen erst hat die Deutsche Post dem Oberbürgermeister mitgeteilt, dass die Post-Filiale mit Ablauf des Jahres geschlossen wird. Aus „persönlichen Gründen“ des Post-Partners, wie es heißt. Es werde aber geprüft, in welcher Form die Versorgung mit Dienstleistungen der Post an diesem Standort zukünftig erfolgen könne.

Wer das Posthorn auf dem gelben Untergrund an der seitlichen Eingangspforte, die zurzeit Haupteingang ist, nicht sieht, wird Mühe haben, die Post im Lilien-Carré zu finden. Ein Regal breit nur das Angebot mit kleinem Service im Tabak- und Zeitschriftenladen, ohne Express, Abholung und Postbank. Kaum einer wird’s vermissen außer den Mitarbeitern, direkt gegenüber logiert die Post mit Komplett-Angebot am Kaiser-Friedrich-Ring.

Der Tegut ist vergessen, ein Rewe-Markt der neuen Generation hat dessen Platz eingenommen. Da ist am Samstag zur besten Einkaufszeit im ansonsten drögen Umfeld mit ein bisschen Staubwolkengeruch, Steinkreissägengeräusch und zwei einsamen Plattenlegern im weiten Rund des ersten Obergeschosses richtig was los. Hinter dem Hauptzutritt beim Obst und Gemüse, der mit roten und weißen Luftballons in Rewe-Farben geschmückt ist. Auf 4000 Quadratmeter Fläche mit Salat-Bar und Saft-Bar, Abteilung für vegan lebende Menschen und einer Kaffee-Rösterei im Zentrum, so ein Mitarbeiter mit Stolz in der Stimme.

Die Optimisten nehmen den Supermarkt als Wegweiser in die Zukunft der neuen Shopping-Welt, die draußen vor dem Haupteingang auf dem großen Transparent nicht genau definiert für 2018 annonciert wird. „Offener, weiter und heller!“ versprechen die Betreiber. Beim Gang durch die Innenwelt des Centers wird man das Gefühl nicht leicht los, dass sie neben den potenziellen Kunden auch sich selbst Mut machen müssen.

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