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Lehrkräftemangel in Hessen Berufsschullehrer fehlen in Hessen

Der Lehrermangel an berufsbildenden Schulen könnte in Hessen bis 2030 drastisch zunehmen. Die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) fordert bessere Arbeitsbedingungen.

Werner-von-Siemens-Schule
An der Werner-von-Siemens-Schule in Wiesbaden gibt es zwar Whiteboards, die Berufsschullehrer werden aber knapp (Symbolfoto). Foto: Michael Schick

Dass an den Grundschulen Lehrkräfte fehlen, ist im öffentlichen Bewusstsein angekommen. Die Politik hat begonnen, dem Mangel abzuhelfen. Doch Lehrkräfte fehlen auch an den berufsbildenden Schulen. Und ein Ende dieses Mangels ist nicht abzusehen.

An der Werner-von-Siemens-Schule in Frankfurt werden angehende Elektro- und Informationstechniker ausgebildet. Berufe mit Zukunft also, von den Firmen händeringend gesucht. 72 Lehrkräfte gehören zum Kollegium. Acht haben die Schule im Sommer Richtung Ruhestand verlassen. „Nur drei haben wir bislang ersetzen können, obwohl wir überall versuchen, Lehrkräfte zu akquirieren“, berichtet Schulleiter Tillmann Stoodt.

In der Folge hat die Werner-von-Siemens-Schule die Zahl ihrer Schüler reduzieren müssen, Bildungszweige mussten zusammengelegt werden und es gibt weniger Weiterbildungsangebote für Berufstätige. „Wir können den Bedarf, den die Unternehmen in Frankfurt haben, nicht mehr decken“, mahnt Stoodt. Langfristig sieht er die duale Berufsausbildung, bei der die Auszubildenden wechselweise im Betrieb arbeiten und die Berufsschule besuchen, in Gefahr.

Eine Studie des Forschungsinstituts für Bildung und Sozialökonomie (Fibs) im Auftrag der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) zeigt: Der Mangel könnte sich noch drastisch verschärfen.

„Nach einem Rückgang der Schülerzahlen in den nächsten Jahren werden diese bis 2030 wieder auf das heutige Niveau steigen“, erklärte GEW-Referent Roman George bei der Vorstellung der Zahlen am Dienstag in Wiesbaden. Entsprechend entwickele sich der Bedarf an Lehrerstellen. George rechnete vor: Heute gebe es rund 9000 Lehrerstellen an den berufsbildenden Schulen. Sollen es im Jahr 2030 ebenso viele sein, müssten bis dahin rund 4000 Lehrkräfte ersetzt werden. So hoch liegt die Zahl jener, die in Pension gehen werden oder die Schule aus anderen Gründen verlassen. „Wir müssten also jährlich gut 300 Lehrkräfte neu einstellen, tatsächlich aber verlassen nur rund 150 Absolventen jährlich die Hochschulen“, sagte George. Zu wenige also, um den Status quo zu halten.

„Das Kultusministerium behandelt die beruflichen Schulen stiefmütterlich, die Behörden haben bei der Bedarfsplanung versagt“, klagt Ralf Becker, Vorsitzender der GEW-Fachgruppe berufsbildende Schulen. Er fordert, die Lehrkräfte besser zu bezahlen und mit Arbeitsgeräten wie Tablets auszustatten. Das sei nötig, um mehr Seiteneinsteiger zu gewinnen. „Gerade bei der Elektro- und Informationstechnik konkurrieren wir schließlich mit der Wirtschaft“, sagte er.

GEW-Landesvorsitzende Birgit Koch forderte bessere Arbeitsbedingungen, etwa indem Sozialpädagogen die Lehrkräfte unterstützen könnten. Diese müssten von bürokratischen Arbeiten entlastet werden. „Dann würden Lehrkräfte aus der Teilzeit wieder in die Vollzeit wechseln“, sagte sie. Auch müsse dringend die Zahl an Studien- und Referendariatsplätzen für Berufsschullehrer erhöht werden.

Die gesamte Studie gibt es unter www.gew.de/prognose-bb-schulen.

Lesen Sie mehr zum Thema in unserem Dossier Schulen in Hessen

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