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Lehrermangel Wenn Lehrer zu krank zum Lehren sind

In Hessen gehen besonders viele Lehrer in den vorzeitigen Ruhestand. Das erzeugt Probleme bei der Stellenbesetzung, auch weil die Zahl der Schüler steigt.

Lehrer
Mehr als 3000 Lehrkräfte schieden in Hessen in den letzten fünf Jahren vorzeitig aus ihrem Beruf aus. Foto: dpa

Auffällig viele Lehrer in Hessen scheiden vor Eintritt des offiziellen Pensionsalters aus dem Dienst aus. Mehr als 3000 waren es in den vergangenen fünf Jahren. Die meisten wegen Berufsunfähigkeit, das heißt aus gesundheitlichen Gründen. Und bei der Ausbildung des Lehrer-Nachwuchses läuft grundsätzliches etwas schief. 

Dies sind zwei Erkenntnisse der Studie, die das Forschungsinstitut für Bildungs- und Sozialökonomie (Fibs) im Auftrag der hessischen Linken erstellt hat. Demnach stimmen die Lehrkräfteprognosen der Landesregierung nicht mit der Realität überein. Mit 57 250 Lehrern sei der Bedarf im Jahr 2030 um rund 2000 Personen größer als angenommen. 

Anders als vom Land erwartet, werde die Zahl der Sechs- bis 19-Jährigen in Hessen ab 2020 kräftig ansteigen. Im Vergleich zu heute müssten in zwölf Jahren rund 100 000 Schüler mehr versorgt werden, sagte Dieter Dohmen am Dienstag in Wiesbaden, der zusammen mit Maren Thomsen die Studie geleitet hat. Mit dem größten Zustrom sei in den Grundschulen zu rechnen, die dies schon in den kommenden Jahren spüren würden. Und die Gymnasien, bei denen die steigenden Schülerzahlen Mitte der 20er Jahre ankommen würden. In toto geht Dohmen davon aus, dass bis zum Jahr 2030 rund 26 000 Lehrer neu eingestellt werden müssen. Plus andere Fachkräfte wie Sozialarbeiter oder -pädagogen.

Die Ergebnisse bestätigten den Verdacht, dass Kultusminister Alexander Lorz (CDU) mit zweifelhaften Zahlen und Prognosen hantiere, sagte Gabi Faulhaber, bildungspolitische Sprecherin der Linken. „Noch vor vier Jahren war von einer demografischen Rendite und einem erheblichen Rückgang von Schülerzahlen in Hessen die Rede.“ Im vergangenen Jahr habe das Ministerium dann pensionierte Lehrer um ihre Rückkehr in den Dienst gebeten. Teilzeitlehrkräfte würden gebeten, ihre Stundenkontingente zu erhöhen. „Dies und Hunderte Brandbriefe und Überlastungsanzeigen aus den Schulen zeigen, dass die hessische Personalpolitik nicht durchdacht ist.“ Die Bildungspolitik der schwarz-grünen Landesregierung sei maßgeblich mitverantwortlich für eine schwierige, mancherorts miserable Situation. 

Der bildungspolitische Sprecher der SPD-Fraktion, Christoph Degen, forderte von der kommenden Landesregierung, „deutlich mehr in die Aus-, Fort- und Weiterbildung von Lehrkräften zu investieren“. Die Studie sei ein weiterer Beleg „für 19 Jahre verfehlte Bildungspolitik der CDU“. Maike Wiedwald von der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) warnte davor, dass noch mehr Kollegen vor dem Pensionsalter den Dienst quittieren. „Inzwischen befinden wir uns bei vielen Lehrämtern in einer akuten Mangelsituation, die sich noch weiter zu verschärfen droht.“ Darunter litten auch die Schüler. Zu den Zusatzaufgaben wie Inklusion, Ganztagsangebote oder dem Anleiten von Aushilfskräften kämen Schulgebäude ohne Lärmdämmung: „Diese Belastung wird allgemein unterschätzt, das ist Stress.“ 

Angesichts der Arbeitsdichte bleibe keine Zeit, um sich ausreichend um die Referendare zu kümmern. Auch das könne ein Grund dafür sein, dass laut der Fibs-Studie nur ein Drittel der Hochschulabsolventen dieses Vorbereitungsjahr erfolgreich absolviert. Ein anderes Drittel tritt es erst gar nicht an.

Der CDU-Landtagsabgeordnete Armin Schwarz versicherte, dass die Landesregierung vorausschauend plane: So sei die Zahl der Studienplätze für das Lehramt an Grund- und Förderschulen auf 315 Plätze erhöht worden. Hessen spiele auch künftig „eine führende Rolle bei der Abdeckung des Lehrerbedarfs und der Schaffung optimaler Rahmenbedingungen für gute Bildung“.

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