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Lehrerausbildung in Hessen Unzufrieden mit der Weiterbildung

Lehrkräfte benötigen bessere und aufeinander abgestimmte Angebote, fordern Experten. Denn die Fort- und Weiterbildungsangebote für Lehrkräfte lassen in Hessen stark zu wünschen übrig.

Wer anderen etwas beibringen will, muss selbst lernen. Foto: dpa

Lehrer werden ist nicht (allzu) schwer, Lehrer bleiben dagegen schon. Sagt Klaus Zierer. Der Pädagogik-Professor an der Universität München fordert deshalb, die Fort- und Weiterbildung deutlich zu verbessern. „Es ist wirklich eine große Herausforderung, 30 oder 40 Berufsjahre lang guten Unterricht zu machen“, so Zierer. Die aktuellen Angebote in Hessen genügten dafür nicht.

Zierer sprach am Freitag in Wiesbaden auf Einladung der CDU vor der Enquetekommission des Landtags, die es sich zur Aufgabe gemacht hat, die schulische Bildung   zu verbessern. Dabei sei die Fort- und Weiterbildung besonders wichtig, da sich mit ihr die Qualität von Schule und Unterricht wirksam stärken lasse.

Gute Angebote müssten die pädagogische und didaktische Expertise der Teilnehmer verbessern. „90 Prozent aber zielen fast ausschließlich auf das Fachwissen der Lehrer“, bemängelt Zierer. Die Fachkompetenz wirke jedoch nur, wenn sie auch dem Schüler vermittelt werden könne.

„Wir dürfen nicht darauf setzen, dass die Berufserfahrung von Lehrkräften quasi automatisch dazu führt, dass deren Unterricht besser wird“, mahnt Frank Lipowsky, Bildungsforscher an der Universität Kassel. Dafür gebe es keinerlei Erkenntnisse.

Ebenso wenig sei bekannt, wie gut Bildungsangebote tatsächlich seien, erklärte Lipowsky, der auf Einladung der FDP nach Wiesbaden gekommen war. Evaluiert werde vor allem Zufriedenheit und Akzeptanz der Teilnehmer. „Das sagt nichts über deren Lernzuwachs aus“, so der Bildungsforscher. Workshops und Seminare müssten möglichst fachspezifisch ausgerichtet sein. Viele staatliche Angebote seien zu breit angelegt.

Zudem, da ist sich Lipowsky mit Zierer einig, würden einmalige Veranstaltungen kaum wirken. Statt dessen sei es nötig, Fortbildungen über einen längeren Zeitraum mit mehreren Wiederholungen anzulegen. „Wenn das Handeln im Unterricht, wenn langjährige eingeübte Routinen verändert werden sollen, helfen einmalige Angebote nichts.“

Jochen Nagel, Landesvorsitzender der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW), verwies darauf, dass in den Schulen je Lehrkraft jährlich lediglich 40 Euro zur Verfügung stünden. Das genüge bei weitem nicht, um den Ansprüchen gerecht zu werden. In einer Stellungnahme fordert die GEW zudem, die Kompetenz von Universitäten und Studienseminaren stärker zu nutzen. Private Anbieter seien häufig gar nicht in der Lage, ein fachbezogenes Angebot zu machen.

Eric Woitalla, Leiter der Helene-Lange-Schule Wiesbaden, der auf Einladung der SPD sprach, bemängelte zudem, dass viele Maßnahmen unverbunden nebeneinander stünden und es keine gemeinsamen Qualitätsstandards für Weiterbildung gebe.

SPD-Obmann Gerhard Merz, dessen Partei die Enquetekommission initiiert hatte, bilanzierte: „Die Weiterbildungskonzepte sind kaum einheitlich gestaltet und mit anderen Phasen der Lehrerbildung verknüpft.“ Dies stehe einer strukturellen und inhaltlichen Weiterentwicklung entgegen. Die Landesregierung sei gefordert, Konzepte für eine solche Verknüpfung zu erarbeiten.

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