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Legal Highs Tod durch Kräuter aus dem Netz

Ein Experte warnt vor der Unberechenbarkeit der Legal Highs. Durch den Konsum habe es bereits Tote gegeben. Ein neues Gesetz verbietet den Besitz.

Die von Designer-Drogen ausgehende Gefahr wird oft unterschätzt, warnt die Polizei. Foto: picture alliance / dpa

Das Landeskriminalamt (LKA) warnt vor dem Konsum von sogenannten Legal Highs: Zwei Tote sowie mehrere Schwerverletzte hätten die Substanzen im vergangenen Jahr gefordert. Als harmlose „Kräutermischungen“ sind sie im Internet frei verkäuflich. Selbst Minderjährige haben so Zugang.

So hatten kurz vor Weihnachten mehrere hessische Schüler im Alter zwischen 14 und 16 Jahren in einer Pause an einer mit „Legal Highs“ befüllten E-Zigarette eines Mitschülers gezogen, berichtet das LKA. Zwei Schülerinnen verloren schon nach zwei Zügen das Bewusstsein, eine dritte kurze Zeit später im Unterricht.

Sie hatten noch Glück: Anfang März starb ein 34-Jähriger in Kassel, Ende April ein 26-Jähriger in Gelnhausen. Bei einem den beiden hatte die psychoaktive Substanz den Tod verursacht, im anderen Fall war sie mitverantwortlich, so das Landeskriminalamt. Das Gefährliche an den „Kräutermischungen“ oder „Badesalzen“ ist die Unberechenbarkeit, sagt Karsten Tögel-Lins, Diplom-Sozialpädagoge und Legal-High-Experte beim Frankfurter Verein Basis. Es sei völlig ungewiss, wie stark die darin enthaltenen synthetischen Drogen wirken. „In einem Päckchen kann es fünffache Unterschiede geben.“ Das heißt, der Eine raucht davon und ist leicht berauscht. Der Nächste verliert das Bewusstsein oder stirbt sogar daran. Die Substanzen, die auch in flüssiger Form konsumiert werden können, seien geschmacks- und geruchslos, und es gebe jedes Jahr 100 neue Varianten. „Eine Überdosierung ist nie auszuschließen“, warnt das LKA und empfiehlt den Verzicht auf Kräutermischungen und Co.

Der Verein Basic setzt auf Aufklärung. Konsumenten sollten die Inhaltsstoffe kennen, um sich ein Bild über die Nebenwirkungen zu machen. Auf seiner Homepage sind regelmäßig die Ergebnisse von Analysen der gängigen Produkte und andere Neuigkeiten zum Thema zu finden. Appelliert wird zugleich an die Eigenverantwortung: „Die Inhaltsstoffe der nächsten Charge könnten schon anders sein.“

Auch der Gesetzgeber bemüht sich, dem Problem Herr zu werden. So trat im November das „Gesetz zur Bekämpfung der Verbreitung neuer psychoaktiver Substanzen“ in Kraft. Seitdem ist der Besitz auch für den Eigengebrauch verboten, er wird jedoch nicht bestraft.

Ob dies der richtige Weg ist, soll ein Forschungsprojekt klären, an dem der Verein Basic beteiligt ist. Als positiv bewertet Tögel-Lins, dass der Zoll jetzt Substanzen beschlagnahmen kann, die er früher hatte durchwinken musste.

Doch der Markt sei groß, die Produzenten kreativ. So lange Cannabis illegal ist, würden immer wieder Menschen auf den synthetischen und viel gefährlicheren Ersatz ausweichen, der im Internet schnell und einfach erhältlich ist. Die Gefahr der Abhängigkeit sei deutlich stärker als die von Marihuana oder Haschisch, weiß er aus der Beratung weiß.

Statt Verboten könne man auch auf andere kreative Lösungen verfallen, schlägt der Experte vor: „Die Lust nach Rausch ist nun mal weit verbreitet.“

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