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Lebenshilfe Hochtaunus Ein Leben für die Lebenshilfe

Gerhard Beckmann engagiert sich seit einem halben Jahrhundert im Verein Lebenshilfe Hochtaunus für geistig behinderte Menschen.

Gerhard Beckmann
Gerhard Beckmann im Haus der Offenen Hilfen. Foto: Rolf Oeser

Es gibt mehrere Gymnastikräume, abwaschbare Malwände, eine Küche – und im Garten warten ein Klettergerüst und zwei Fußballtore darauf, benutzt zu werden. Wenn Gerhard Beckmann den Besucher durch das Haus der Offenen Hilfen in Bad Homburg führt, schwingt eine Menge Stolz auf das Erreichte mit. 

Seit einem halben Jahrhundert engagiert sich Beckmann im Verein Lebenshilfe Hochtaunus für geistig behinderte Menschen. Anlass war damals persönliche Betroffenheit. Sohn Harald war infolge einer Pockenschutzimpfung erkrankt; ein Unterstützungssystem wie heute mit Frühförderung oder Familienunterstützendem Dienst existierte noch nicht. Im Gegenteil: „In der Gesellschaft gab es eine Abwehrhaltung“, schildert Beckmann. Von einigen Menschen seien er und seine Mitstreiter sogar regelrecht angefeindet worden. 

Das habe sich zum Glück inzwischen geändert, die Lebenshilfe erhalte reichlich Unterstützung auch aus der Politik. Allerdings sei das Thema Inklusion immer noch nicht in allen Köpfen angekommen. „Das wird noch ein paar Jahre dauern“, erwartet Beckmann. 

Der Bedarf an den verschiedenen Angeboten der Lebenshilfe jedenfalls sei ungebrochen hoch. Ja, er wachse immer weiter, so dass das 1999 eröffnete Haus der Offenen Hilfen bereits aus allen Nähten platze. „Wir können nicht mehr alles anbieten, was wir wollen“, bedauert Gerhard Beckmann.

Zudem müssten Kinder und Mitarbeiter zum Teil weite Wege auf sich nehmen, um nach Bad Homburg zu kommen.
Deshalb will der Verein nun ein weiteres Domizil in Usingen errichten.

Eine Aufgabe, der Beckmann sich verschrieben hat, seit er 2015 zum zweiten Mal Vorsitzender der Lebenshilfe Hochtaunus geworden ist. Mindestens dreimal pro Woche komme er zu Besprechungen in das Haus der offenen Hilfen, schildert der 82-Jährige. Und auch zwischendurch beanspruche ihn das Vorhaben enorm. 

Dennoch werde er im November voraussichtlich noch einmal für den Vorsitz kandidieren, kündigt Beckmann an. Um das Projekt noch abzuschließen. Mitten in der Bauphase einzusteigen, wolle er niemand anderem zumuten. Danach soll aber Schluss sein. 

Eine Million selbst angespart

Die Pläne für den Neubau sind schon weit gediehen. Das Grundstück hat die Lebenshilfe der Stadt Usingen abgekauft. „Sie ist uns dabei sehr entgegengekommen“, lobt Beckmann. Aber auch so werde das Ganze noch rund 1,5 Millionen Euro kosten. Eine Million hat der Verein selbst angespart, der Rest soll über einen Zuschuss der „Aktion Mensch“ und Spenden hereinkommen. 

Gerhard Beckmann hofft, dass noch im Laufe des Jahres mit dem Bau begonnen werden kann. Den Bauantrag möchte er demnächst einreichen. Vorbild für das Gebäude ist das Haus der Offenen Hilfen in Bad Homburg, dessen Eröffnung seinerzeit ein Meilenstein in der Entwicklung der Lebenshilfe gewesen ist.

Zuvor habe man die therapeutischen Maßnahmen verstreut in Schulturnhallen oder anderen Gebäuden anbieten müssen, schildert Beckmann. Dass es mit dem eigenen Haus geklappt habe, sei vor allem dem großen Einsatz der damaligen Vorsitzenden Hubertine Fischer zu verdanken, betont Beckmann. 

Er kann sich auch noch daran erinnern, wie die Lebenshilfe sich am Anfang am Mühlberg ein Büro mit einem anderen Verein teilen musste. Das Ganze habe sich dann peu à peu weiterentwickelt. Inzwischen ist die Lebenshilfe Hochtaunus mit ihren 45 Festangestellten schon fast ein mittelständisches Unternehmen.

Sein langjähriges Engagement hat Gerhard Beckmann den Spitznamen „Mister Lebenshilfe“ eingebracht. Vor kurzem ist er von der Taunussparkasse mit dem renommierten Bürgerpreis in der Kategorie „Lebenswerk“ ausgezeichnet worden.

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